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2002: Altenburgs ältestes Gasthaus wird 100

Serie: 25 Jahre OVZ 2002: Altenburgs ältestes Gasthaus wird 100

Große Geschichte auf kleinem Raum: Das Altenburger Gasthaus Gesecus blickte 2002 auf hundert erfolgreiche Jahre zurück, Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) überbrachte persönlich Glückwünsche. Nach wie vor werden am Topfmarkt Speisen und Getränke gereicht – inzwischen in vierter Generation.

Klein aber fein: Das Gasthaus „Gesecus“ am Altenburger Topfmarkt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Es war ein durchaus großer Bahnhof, der am 2. Juli 2002 in der kleinen Gaststube des Gasthauses Gesecus stattfand. Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) persönlich hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst vorbeizuschauen und der damaligen Hausherrin Mechthild Gesecus, Blumen zu überreichen. Der Grund: Das altehrwürdige Haus am Altenburger Topfmarkt konnte just an diesem Tag seinen 100. Geburtstag begehen.

Auch die OVZ war dabei, als das Stadtoberhaupt Glückwünsche und Lob überbrachte. Das Gasthaus sei nicht nur das älteste der Stadt, sondern gehöre inzwischen ebenso zu Altenburg wie das Skatspiel, so Wolf, bevor er zur Feier des Tages einen Stich des Topfmarktes überreichte, der sogleich einen Ehrenplatz im Gastraum erhielt.

Dort ist das gute Stück immer noch zu bewundern, blickt indes auf neue Gesichter herab. So ist inzwischen seit 2007 Silvia Meyer als Hausherrin am Ruder, führt den Betrieb nun in vierter Generation gemeinsam mit Ehemann Stefan – und ist sichtlich stolz auf die lange Geschichte des Hauses. „Meine Urgroßmutter Ida hat das Gasthaus 1902 eröffnet, nach ihr war mein Großvater Alfred verantwortlich“, zählt sie die Folge auf. „Ab 1972 haben dann meine Eltern übernommen, ich selbst bin bereits 1994 mit eingestiegen.“

Dabei sei der Schritt gar nicht erste Wahl gewesen. „Ich habe ursprünglich eine Lehre als Damenschneiderin abgeschlossen, dann jedoch keine passende Anstellung gefunden.“ Die Entscheidung, stattdessen im elterlichen Betrieb einzusteigen, lag entsprechend nahe.

Viel hat sich über die Jahre verändert im Gesecus, anderes ist hingegen gleich geblieben. „Ganz zu Beginn waren wir ein Gasthaus, das insbesondere von den Bauern, die auf dem Markt Waren anboten, besucht wurde“, berichtet Silvia Meyer. Entsprechend deftig war das, was auf den Tisch kam: „Typisch gutbürgerliche Küche, der Renner waren über viele Jahre etwa Topfbraten oder Eisbein.“ Inzwischen hat sich das Speisenangebot ein wenig erweitert, „wir haben auch leichte italienische Gerichte, Sommerküche oder Spargel im Angebot“.

Neben dem Essen ist es nach wie vor der besondere Charme der Gaststube, der den Charakter des Gesecus ausmacht. Auf gerade einmal 25 Quadratmetern finden die Gäste Platz, die Zapftheke ragt – noch so eine Kuriosität – direkt in den Gastraum hinein. „Dadurch entsteht aber auch eine ganz eigene, familiäre Atmosphäre“, erklärt Ehemann Stefan. Die Gäste nehmen dort Platz, wo gerade ein Stuhl frei ist, Unterhaltungen finden auch gern mal über mehrere Tische hinweg statt. „Da kommt dann im Zweifel auch der Anwalt mit dem Hartz-IV-Empfänger ins Gespräch, das wäre woanders so nicht möglich.“ Auch Hochzeitsfeiern oder Geburtstagsgesellschaften wurden schon hier bewirtet.

Und Gäste kommen teils eigens von weither angereist. „Eine Familie aus Deligsen in Niedersachsen kommt jedes Jahr zu Besuch“, berichtet Silvia Meyer schmunzelnd, „und fragt auch jedes Mal, ob unser gusseiserner Ofen zu verkaufen ist.“ Das sei das Prunkstück zwar nach wie vor nicht – den Besuchen tut dies jedoch keinen Abbruch.

Bereut hat Silvia Meyer ihren Entschluss zur Betriebsübernahme nie. „Mir macht das nach wie vor Spaß, zudem können wir uns als Selbstständige natürlich auch unsere Zeit anders einteilen.“ Weitermachen möchten Meyers in jedem Fall, wenn möglich bis zur Rente. Wie es danach weitergeht, ist offen, die eigene Tochter soll selbst entscheiden, ob sie in die Fußstapfen der Eltern tritt. Bis dahin ist aber noch genug Zeit – in der womöglich dann sicher auch das nächste Jubiläum gefeiert werden kann.

Von Bastian Fischer

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