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2003: Kohlebahn wird zu Deutschlands erstem rollenden Standesamt

Serie 25 Jahre OVZ 2003: Kohlebahn wird zu Deutschlands erstem rollenden Standesamt

Im Juni 2003 erlebte die Kohlebahn eine Deutschlandpremiere: Ein Wagen wurde zum offiziellen Trauzimmer der Stadt Regis-Breitingen und damit zu Deutschlands erstem rollenden Standesamt. Bis 2010 ließen sich hier um die 30 Paare trauen. Und darunter waren beileibe nicht nur eingefleischte Eisenbahnfans.

Weniger festlich, aber immer noch gemütlich: Aus dem einstigen Trauzimmer haben die Kohlebahner um Karsten Waldenburger heute einen Kinoraum gemacht.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Schräge Orte, an denen sich Brautpaare das Ja-Wort geben können, gab es schon im Jahr 2003 einige. Aber was da am 17. Juni 2003 auf der Kohlebahn in einer detailgenauen Generalprobe zelebriert wurde, war eine Deutschland-Premiere: Ein eigentlich zum Tanzboden umgebauter Waggon der zwischen Meuselwitz und Regis-Breitingen fahrenden Kohlebahn wurde zum ersten rollenden Standesamt der Bundesrepublik. „Die Idee kam uns schon im Jahr 2002, als ein Paar bei uns anfragte, ob sie ihre Hochzeit nicht standesgemäß und zünftig auf der Kohlebahn feiern könnten. Da haben wir uns gedacht, warum soll man sich da nicht gleich auch das Ja-Wort geben“, erinnert sich Kohlebahnchef Karsten Waldenburger noch heute, als liege diese Geschichte nicht schon 14 Jahre zurück.

Im damals noch bestehenden Standesamt Regis-Breitingen auf sächsischer Seite rannte man mit dieser Idee förmlich offene Türen ein. Nun kann man nicht einfach an einem beliebigen Ort die Tür aufschließen und den Raum zu einem Standesamt erklären. Vielmehr ist dazu ein richtiger bürokratischer Akt notwendig. Ist doch die geschlossene Ehe ein ganz gewichtiger Bund – hoffentlich fürs ganz Leben. Nun, diese Umwidmung zum offiziellen Trauzimmer der Stadt Regis-Breitingen war schon vor jenem denkwürdigen 17. Juni 2003 erfolgt und durch ein an den Waggon angebrachtes Schild sozusagen amtlich dokumentiert.

Eine der beiden damals dort beschäftigten Standesbeamtinnen war Kathleen Gerstner. Und der damals 23-Jährigen war an diesem Dienstag die Aufregung deutlich anzumerken, obwohl sie trotz ihrer jungen Jahre schon zahlreiche Paare unter die Haube gebracht hatte. „Das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Ort“, gestand sie damals. Die Hochzeit an jenem Tag war übrigens nicht echt: Die Braut mimte Mandy Eißing, den Bräutigam Carsten Heym – beide waren aber wie ein echtes Hochzeitspaar fein gestylt. „Wir wollten damals mit dieser Generalprobe die Gewissheit haben, dass wirklich alles so klappt, wie wir es uns und die künftigen Paare es sich vorgestellt haben. Für alle soll die Hochzeit doch ein unvergesslicher Tag im Leben sein“, so Waldenburger.

Nun, diese Probe ging reibungslos über die Bühne und brachte einen interessanten Einblick in die deutschen Rechtslagen: Sowohl Eißing als auch Heym hüteten sich bei dem Test vor der echten Standesbeamtin jedoch tunlichst, mit „Ja“ die Ehe zu versprechen. „Sonst wäre die rechtskäftig gewesen“, so Gerstner damals. Und die danach folgenden richtigen Trauungen fanden allesamt auf dem sächsischen Zipfel der Kohlebahnstrecke hinter dem eigens vom Verein an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Thüringen aufgestellten Zollhäuschen statt. Denn eine Regiser Standesbeamtin darf nur rechtskräftig auf dem Territorium des Standesamtsbezirks trauen.

Bis zum Jahr 2010 gaben sich rund 30 Paare auf der Kohlebahn das Ja-Wort. „Und da waren wirklich tolle und manchmal auch etwas abgefahrene Partys dabei“, erinnert sich Waldenburger. Eines der letzten dort getrauten Paare waren am 19. Juni 2010, also fast auf den Tag genau sieben Jahre nach der Generalporbe, Katja und Sven Jäger. Bis zum heutigen Tag hält das Eheglück der beiden unvermindert an.

„Aber danach war leider mit dem Trauzimmer Schluss“, so Waldenburger heute. Denn 2010 verlor Regis-Breitingen das eigene Standesamt. Und nach wechselnder Zuständigkeit gab es am rollenden Standesamt auf der Kohlebahn kein Interesse mehr. Waldenburger sagt dies und wirkt dabei ein wenig traurig. Versteht man. Aber das Leben ging auch bei den Kohlebahnern weiter. Der Wagen wurde zum Kino umgestaltet, in dem unter anderem alte Filme aus den Zeiten der großen Tagebaue und der die verbindenden Kohlebahnen zu sehen sind. „Und zwar kann auf der 900-Millimeter-Strecke zwar nicht mehr geheiratet werden, aber die Hochzeitsgesellschaften richten wir selbstverständlich nach wie vor auf Wunsch aus“, so Waldenburger.

Von Jörg Wolf

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