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25 Stunden pro Monat werden im Landkreis Altenburg Temposünder gelasert

Blitzer-Marathon 25 Stunden pro Monat werden im Landkreis Altenburg Temposünder gelasert

Im Rahmen des bundesweiten Blitzermarathon hat im Landkreis Altenburger Land die Polizei fleißig gelastert. Im Gegensatz zu anderen Städten, müssen die Altenburger sich nicht vor kommunalen Starenkästen fürchten.

In der Zirndorfer Straße in Wintersdorf haben die Polizisten Thomas Wiesinger (li.) und Uwe Küchler gelasert.

Quelle: Mario Jahn

Wintersdorf. Unauffällig steht das Lasermessgerät an der Zirndorfer Straße vor der Kindertagesstätte Dr. Gerhard Ulrich in Wintersdorf. Nah an der Hecke, in einer leichten Rechtskurve. Und auch die Polizei ist da. Von 10.30 Uhr bis 12 Uhr messen die Beamten dort am Mittwoch die Geschwindigkeit der vorbeikommenden Autos. Erlaubt sind an dieser Stelle 30 Kilometer pro Stunde. Offenkundig halten sich die meisten ans Limit. „Seit wir hier stehen, hatten wir drei Tempoüberschreitungen“, berichtet Polizist Thomas Wiesinger wenige Minuten vor Einsatzende. Die Überschreitungen liegen zwischen 11 und 19 Kilometern pro Stunde. „Das waren wohl keine klassischen Raser, sondern eher kleine Unaufmerksamkeiten.“

Vermutlich ist manch einer auch gewarnt. Schließlich ist die länderübergreifende Mess-Aktion – öffentlichkeitswirksam Blitzermarathon genannt – vorab angekündigt worden. An insgesamt 105 Stellen in ganz Thüringen wird an diesem Mittwoch bis in die Abendstunden hinein geblitzt beziehungsweise gelasert. Zwar verriet die Polizei vorab nicht, wo genau sie ihre Technik aufbaut. Fürs Altenburger Land wurde lediglich die Kauerndorfer Allee genannt, die übrigen Stellen, wie etwa in Wintersdorf, waren sogenannte stichprobenartige Überprüfungen. Doch viele Autofahrer dürften vorsorglich vom Gas gegangen sein. Die Ergebnisse des Aktionstages sollen heute gemeldet werden.

Und wie läuft es, wenn nicht gerade der Blitzermarathon im Kalender steht? Wie oft wird im Altenburger Land Lasertechnik am Straßenrand aufgebaut? „Wir haben zwei Messgeräte, die monatlich 25 Stunden genutzt werden sollen. So lautet das gesteckte Ziel“, erklärt auf OVZ-Nachfrage Andreas Pöhler, Leiter der Polizeiinspektion Altenburger Land. Wo genau die Beamten regelmäßig stehen, darüber hüllt sich Pöhler in Schweigen. Es gebe bei der Landespolizeiinspektion in Gera ein sogenanntes Messstellenverzeichnis mit Orten, die geeignete Voraussetzungen bieten. „In erster Linie messen wir, wo Gefährdungspotenziale bestehen, zum Beispiel vor Schulen und Kindertagesstätten sowie an Unfallschwerpunkten“, schildert der Polizeichef. Auch auf Bürgerhinweise werde reagiert.

Allerdings lasse sich die Technik nicht an jeder Stelle einsetzen. Denn auch die örtlichen Gegebenheiten spielen eine Rolle. Damit die Messung korrekt durchgeführt werden kann, muss das Gerät gerade stehen und ein Stück weit freie Strecke vor sich haben. Die mögliche Messentfernung beträgt 50 bis 350 Meter. Außerdem sollte zum Ortsaus- beziehungsweise -eingang mindestens 150 Meter Abstand gehalten werden, heißt es vonseiten der Polizei. Zudem kommt es auf kompetentes Personal an. Laserfernglas oder Laserpistole müssen von einem speziell geschulten Beamten bedient werden. Und weil das Gerät keine Fotos macht, müsse immer ein zweiter Beamter als Messzeuge zugegen sein. Die Temposünder werden dann sofort angehalten.

Die Reaktionen der Autofahrer seien im Wesentlichen moderat, erzählen die Polizisten am Mittwoch in Wintersdorf. Während stationäre Blitzer, die von Kommunen aufgestellt wurden, immer mal wieder das Ziel zerstörerischer Attacken sind, hätten die Autofahrer für die Kontrollen der Polizei mehr Verständnis, zeigen sich meist einsichtig, so die Erfahrung der Uniformierten. „Es geht ja hier auch nicht um Abzocke, sondern um die Erhöhung der Verkehrssicherheit“, versichert Andreas Pöhler. „Tempolimit-Überschreitungen sind eine Hauptunfallursache. Es hat Signalwirkung, wenn wir an verschiedenen Stellen regelmäßig stehen.“ Bei Autofahrern in der Region recht bekannte Messstellen sind in Altenburg zum Beispiel die Leipziger und die Zeitzer Straße sowie die Kauerndorfer Allee. Auch in Zschaschelwitz und auf der 70er-Strecke bei Treben wird gern kontrolliert. Dabei haben die Beamten nicht nur ein Auge auf die Geschwindigkeit, sondern auch für Handys am Ohr, Alkohol im Blut oder Verstöße gegen die Anschnallpflicht.

Und nicht nur die Altenburger Polizei beschäftigt sich mit Verkehrssündern im Landkreis, auch die Kollegen aus Gera. Die Technische Verkehrsüberwachung der Landespolizeiinspektion arbeitet mit Blitzern in Bodennähe, zudem ist ein Fahrzeug mit Videotechnik unterwegs, das sogenannte Aggressionsdelikte wie Drängeln oder Überholen bei Gegenverkehr dokumentieren soll.

Kleiner Trost für jene, denen das zu viel Überwachung ist: Außer der Polizei blitzt oder lasert im Altenburger Land niemand. Auch nicht die Stadtverwaltung Altenburg. Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hält nichts davon, in Altenburg Starenkästen aufzustellen oder mobile Geräte anzuschaffen. „So lange ich OB bin, wird es keine städtischen Blitzer geben, um die Haushaltskasse zu füllen“, sagte der Rathaus-Chef auf Anfrage. „Ich halte das für Gängelei der Bevölkerung. Aber ich weiß, dass man das in Erfurt anders sieht.“

Statt selbst zu blitzen, setze er lieber auf einen guten Draht zur Polizei, wenn es doch irgendwo aus Sicherheitsgründen notwendig sein sollte, die Einhaltung des Tempolimits zu überwachen. Dabei ist Wolf das einzige Stadtoberhaupt im Altenburger Land, das eine echte Wahl in Sachen Blitzer hatte. Denn per Verordnung ist es in Thüringen nur jenen 21 Kommunen erlaubt, selbst Temposündern nachzuspüren, die mehr als 20 000 Einwohner haben.

Von Tatjana Kulpa, Kay Würker und Thomas Haegeler

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