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Altenburg 27-Jähriger von Altenburger Gericht zu Bewährungsstrafe verurteilt
Region Altenburg 27-Jähriger von Altenburger Gericht zu Bewährungsstrafe verurteilt
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18:00 27.09.2016
Ein 27-Jähriger wurde jetzt vor dem Altenburger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Erinnerungslücken scheint Sebastian N. einige zu haben. Warum der 27-Jährige vor dem Altenburger Schöffengericht auf der Anklagebank Platz nehmen muss, weiß er auch nicht mehr genau. „Ich kann mich daran überhaupt nicht erinnern“, kommentierte der hager wirkende Mann mit Kinnbart die zuvor von Staatsanwältin Heike Reisch verlesene Anklageschrift.

Was dem Altenburger darin vorgeworfen wird, liegt zwar schon gut drei Jahre zurück, ist aber beileibe nicht von so unbedeutenden Kaliber, dass man es schnell vergisst. Im Januar 2013 war Sebastian N. mit einem Kumpel bei einem anderen Bekannten in der Wohnung, um ihm eine Abreibung zu verpassen. Angeblich habe der eine gemeinsame Freundin vergewaltigt. Hatte die zumindest auf einer Party zuvor behauptet, auf der die beiden wohl üppig gezecht hatten. Und derart angestachelt wollte das Duo den vermeintlichen Vergewaltiger – einen Tag später stellte sich das Gerücht als unhaltbar falsch heraus – zur Rede stellen. Wie dies dann aussah, wurde in der Verhandlung ausführlich behandelt. Erst malträtierte der Kumpel das Opfer mit Schlägen, dann war Sebastian N. An der Reihe, der zuvor einen ebenfalls anwesenden Kumpel des Opfers zum Schweigen und Stillhalten aufforderte, was der auch willig tat. Tritte und Schläge soll es auch von dem Angeklagten gegeben haben, weshalb der heute 22-jährige Geschädigte damals eine Woche im Krankenhaus lag. Zudem kassierten die beiden noch diverse Elektrogeräte. Sozusagen als Strafe für das sexuelle Vergehen.

Räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung lautete deshalb die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Richter Sandy Reichenbach gab sich Mühe, die vermeintlichen Wissenslücken des Angeklagten zu stopfen. „Ihr Verteidiger sollte Ihnen noch einmal erklären, welchen hohen Stellenwert bei Gericht ein ehrliches Geständnis und gezeigte Reue haben“, sagte er gen Angeklagten und räumte ihm mit seinem Verteidiger Walter Theis eine Aufklärungspause ein. Komplett kam die Erinnerung an das vermutlich Geschehene zwar nicht zurück. Immerhin meinte N., dass wohl etwas an der Sache dran sein müsse, wenn sie schon so angeklagt werde.

Drei Zeugen, Opfer sowie der Mittäter, bestätigten weitgehend den Tatablauf. Wenngleich auch sie nicht mehr genau sagen konnten oder wollten, wann genau wer den jungen Mann geschlagen oder getreten haben wollte. Unübersehbar waren für den heute 22-Jährigen allerdings die Folgen der Attacke: Mehrere Hämatome am Brustkorb sowie im Gesicht sowie diverse blutende Wunden am Mund und Ohr blieben zurück.

Bemerkenswert waren zudem die Schilderungen des Mittäters im Zeugenstand über die Motive. „Damals waren wir halt in rechten Kreisen unterwegs. Und wenn so ein Vorwurf wie eine Vergewaltigung im Raum steht, dann handelt man eben selber, weil wir eh davon ausgingen, deutsche Gerichte regeln das nicht“, so Marcel P. ziemlich ungerührt. Und: „Ja, wir waren beide zur Tat betrunken, und ich habe geschlagen und getreten. Aber nur Alkohol haben wir getrunken, denn Drogen waren bei uns ein Tabu“, fügte er auf eine Nachfrage der Staatsanwältin hinzu.

Eine Bestrafung muss Marcel P. Nicht mehr befürchten. Sein Verfahren zum gleichen Sachverhalt wurde bereits eingestellt. Keineswegs wegen geringer Schuld, sondern weil er wegen einer ganzen Reihe weiterer Straftaten, darunter auch Gewaltexzesse, schon zu einer fast zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, die er mittlerweile abgesessen hat.

Und Sebastian N.? Den verurteilte das Gericht zu 18 Monaten Haft auf Bewährung nebst 120 Arbeitsstunden wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Damit folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwältin Reisch. Verteidiger Theis hatte für ein ausgewogenes Strafmaß plädiert, ohne sich konkret festzulegen.

„Der Strafrahmen für solche Taten beginnt bei einem Jahr und reicht bis zu 15“, verdeutlichte Richter Reichenbach dem Angeklagten die Milde des Urteils. Für N. wurde gewertet, dass er in seinem Strafregister erst zwei Eintragungen stehen hat, mittlerweile in einer festen Beziehung lebt, bald zum zweiten Mal Vater wird und sich redlich um Arbeit bemüht. „Aber beim kleinsten Vergehen sitzen sie die anderthalb Jahre ab“, warnte Reichenbach.

Von Jörg Wolf

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