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Altenburg 430 Tonnen mit Mineralöl belasteter Boden in Göhren ausgegraben
Region Altenburg 430 Tonnen mit Mineralöl belasteter Boden in Göhren ausgegraben
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00:18 22.05.2017
Bürgermeister Frank Eichhorn kann wieder lächeln: Die Umweltschäden unter dem Festplatz sind beseitigt und das Areal ist hergerichtet. Quelle: Mario Jahn
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Göhren

Im Großen und Ganzen steht dem Dorffest in Göhren Ende Juni nichts mehr im Weg. Der Festplatz im Dorf ist wieder hergerichtet und wird in den nächsten Tagen fertig. Und auch der Spendenaufruf, den Frank Eichhorn (Feuerwehr) kürzlich gestartet hat, ist gut angelaufen. „Ich bin mir sicher, dass wir die nötigen rund 2000 Euro zusammen bekommen“, sagt der Bürgermeister der OVZ. Mitte März war es nicht abzusehen, ob es ein Dorffest geben kann. Denn damals entdeckten Bauarbeiter bei den Sanierungsarbeiten am Bach im Boden mit Mineralöl belastete Erde (die OVZ berichtete).

Diese ist inzwischen komplett beseitigt und das große Loch direkt hinterm Gasthof geschlossen. Nicht unerheblich, wenn es ums Dorffest geht – denn dort findet es statt. „Es fehlten nur noch das Geländer und die Brücken zu den Hintereingängen des Gasthofs“, erklärt Eichhorn und zeigt einigermaßen glücklich die wieder hergerichtete Fläche inklusive des geschlämmten und erweiterten Bachbetts. Diese Arbeiten waren die letzten im Zuge der Beseitigung der Schäden, die das Hochwasser 2013 hinterlassen hatte. Die Maßnahme wurden zu 100 Prozent vom Bund gefördert.

Ungeachtet dessen ist Göhren inzwischen finanziell bis auf 8000 Euro Mindestrücklage abgebrannt. Denn für die Beseitigung der Umweltschäden auf dem kommunalen Grundstück musste die Gemeinde aufkommen. 45 000 Euro gab Göhren dafür aus. „Dabei hatten wir noch Glück im Unglück, weil der Fördermittelgeber 25 000 Euro für die Bereiche unmittelbar am Bach übernommen hat.“ Mit Gesamtkosten von 70 000 Euro hatte anfangs niemand gerechnet. „Es musste auch etwa ein Drittel mehr verschmutzte Erde abgefahren werden als anfangs gedacht“, so Eichhorn. Unterm Strich kamen etwa 430 Tonnen zusammen, die nach Kriebitzsch zur Umweltschutz Ost GmbH gebracht wurden. Dort wird die mit verschiedenen aromatischen Kohlenwasserstoffe der Gruppen PAK oder BTX belastete Erde gereinigt und aufbereitet. „Die Belastungen zählen von der Konzentration her aber noch nicht als gefährlich“, so Johannes Förster von der Umweltschutz Ost GmbH.

„Das Eigenartige ist: Es wurden Substanzen gefunden, die es hier nicht geben dürfte“, meint Eichhorn. Nach wie vor sei unklar, wie die Verunreinigung in den Boden gelangte. Zwar würden im Dorf die hanebüchensten Gerüchte kursieren – angefangen von der Behauptung, dass dort eine Tankstelle gewesen sei, über die Vermutung, die Russen hätten hier nach dem Krieg Diesel schwarz gehandelt, bis dahin, dass vor der Elektrifizierung dort Gas für die Beleuchtung der Gastwirtschaft erzeugt wurde, und dies die Rückstände davon seien. „Es ist alles möglich, wir wissen es einfach nicht. Selbst die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben keine Erkenntnisse gebracht“, berichtet Eichhorn. Jedoch werde inzwischen davon ausgegangen, dass die Umweltsauerei mindestes 60 Jahre alt gewesen sei.

Weil es keinen Verursacher gibt, bleibt die Gemeinde eben auf dem Großteil der Kosten sitzen. Eichhorn: „Es ist nach Rositz der zweitgrößte Umweltschaden im Kreis. Ich verstehe nicht, dass es keinen Fonds gibt, der Kommunen hilft. Es kann ja keiner was dafür.“ Die geplante Sanierung einer Wohnung musste nun schon aufgegeben werden. Um nicht auch noch auf das Dorffest vom 24. bis 25. Juni verzichten zu müssen, bittet Eichhorn alle Einwohner um tatkräftige Unterstützung.

Geldspenden: Gemeinde Göhren, Sparkasse Altenburg, IBAN: DE74830502001111002220; Sachspenden für die Versteigerung: Frank Eichhorn Telefon/Fax: 03447 311441 oder info@goehren-thueringen.de

Von Jörg Reuter

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