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5,8 Prozent der 16-Jährigen im Altenburger Land haben schon Crystal konsumiert

Schülerbefragung 5,8 Prozent der 16-Jährigen im Altenburger Land haben schon Crystal konsumiert

Im Auftrag des Landkreises wurden 934 Schüler an Gymnasien, Regelschulen und Berufsschulen zu ihrem Drogenkonsum befragt. 5,8 Prozent gaben an, schon mindestens einmal Crystal Meth konsumiert zu haben. Auch Cannabis, Ecstasy und Kokain haben die Jugendlichen probiert. Amtsarzt Prof. Dr. Stefan Dhein fordert eine Anpassung der Präventionsmaßnahmen.

Wer einmal Crystal Meth genommen hat, kommt nur schwer davon los. Die Rückfallquote der Konsumenten liegt bei 77 Prozent.

Quelle: Archiv

Altenburg. 5,8 Prozent der Heranwachsenden im Altenburger Land im Alter von rund 16,5 Jahren nehmen Crystal Meth. Das geht aus einer Befragung hervor, die Amtsarzt Prof. Dr. Stefan Dhein und seine Mitarbeiter unter 1000 Schülern im Landkreis durchgeführt haben. 934 Fragebögen konnten ausgewertet werden.

„Bisher lagen uns keine Zahlen zu dieser Thematik vor“, so der Mediziner. „Mit den Ergebnissen dieser anonym durchgeführten Befragung können wir nun die Präventionsmaßnahmen in Schulen an die Erfordernisse anpassen.“

Befragt wurden die Schüler schriftlich. An den fünf Gymnasien die 10. Klassen, an den elf Regelschulen die 9. und 10. Klasse und an den zwei Berufsschulen das erste und zweite Lehrjahr. „Mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die angab, Crystal zu konsumieren, sagte, dass sie es regelmäßig nehmen. Nur 40 Prozent sagten, es sei beim einmaligen Gebrauch geblieben“, erläutert Dhein die Ergebnisse.

Außerdem fragten Dhein und seine Mitarbeiter nach anderen Drogen. 25 Prozent gaben an, Cannabis zu konsumieren, knapp 30 Prozent rauchen Zigaretten, rund 4 Prozent nehmen Ecstasy und 1,5 Prozent greifen zu Kokain. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nur rund 43 Prozent der Jugendlichen gar nichts konsumieren, außer Alkohol. Opiate – wie Heroin – würden bei den Jugendlichen heute keine Rolle mehr spielen.

„Eine ähnliche Studie gab es bereits 2011 unter Schülern der selben Altersgruppe in Frankfurt am Main. Dort gaben ein Prozent an, Crystal zu konsumieren.“ In einer Jugendstudie aus dem Jahr 2015 aus Leipzig gaben 27 Prozent an zu rauchen, und 19 Prozent regelmäßig Cannabis zu konsumieren. „Bundesweit gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an, dass etwa 16 Prozent der Jugendlichen Cannabis konsumieren“, so Dhein weiter.

Die Zahlen für das Altenburger Land seien aus seiner Sicht ein klares Signal dafür, die Aufklärungsmaßnahmen zu erhöhen. „Zwar gaben Crystal-User und Nicht-User an, die Nebenwirkungen von Crystal gleichermaßen zu kennen, dennoch schreckt es die Konsumenten nicht ab.“ Für ihn ist eine Lösung, enger mit ehemaligen Abhängigen zusammenzuarbeiten. „Bilder von fahler Haut und ausgefallenen Zähnen helfen nicht. Schüler müssen aus erster Hand erfahren, wie schrecklich die Droge wirkt.“ Denn vor allem im adoleszenten Gehirn können Crystal und auch Cannabis große Schäden anrichten. „Bei Crystal-Usern kommt es vermehrt zu Psychosen, Schizophrenie und weitere Suchterkrankungen. Cannabis verhindert die Neuverknüpfung der Nervenzellen im Gehirn. Es bleiben Schäden beim Langzeitgedächtnis“, erklärt der Arzt. Außerdem kann die Folge sein, dass man Probleme mit der Strukturierung seines Tagesablaufes und der Arbeit bekommt.

Woher die Jugendlichen ihr Crystal Meth beziehen war, ebenfalls eine Frage in der Erhebung. „19,2 Prozent gaben an, die Drogen über einen Dealer zu beziehen.“ Die User kommen laut Dhein aus der Mittelschicht. „55 Prozent der Eltern sind Angestellte und 10 Prozent sind leitende Angestellte. Nur 6 Prozent der Jugendlichen kommen aus einem Hartz-IV-Haushalt.“

Dieses Muster lässt sich auf alle Konsumenten jeglicher Drogen in der Befragung umlegen. „Die Jugendlichen schätzen sich selbst als ärmer ein.“ Eine weitere Rolle spielen die Eltern. In der Crystalgruppe kommen 55 Prozent der Jugendliche aus Trennungshaushalten. Bei den Nicht-Usern sind es 30 Prozent. „Der Crystalkonsument hat eine Trennung der Eltern erlebt. Geld ist zwar da, aber nur wenig Zeit für das Kind, so dass dieses sich zurückgesetzt fühlt und für Drogen empfänglicher wird“, fasst Dhein die Ergebnisse zusammen. In fünf Jahren, so der Plan, soll die Befragung wiederholt werden, um zu eruieren, ob die angepassten Präventivmaßnahmen Wirkung zeigen.

Von Tatjana Kulpa

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