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Altenburg 500 Jahre alter Kirchturm von Ziegelheim wird runderneuert
Region Altenburg 500 Jahre alter Kirchturm von Ziegelheim wird runderneuert
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00:21 11.09.2017
Pfarrer Ulrich Becker und Kirchenvorstand Hartmut Bartlick (v.l.) besprechen die anstehende Sanierung des Turmes der Ziegelheimer Kirche. Quelle: Jörg Reuter
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Ziegelheim

Exakt vor 500 Jahren stand der Bau der Ziegelheimer Kirche, die dann 1518 geweiht wurde, kurz vor den Abschluss. Trotz einiger Sanierungsmaßnahmen vor allem im 20. Jahrhundert ist ein großer Teil der Bausubstanz heute ein halbes Jahrtausend alt, weshalb das Gotteshaus nun grundhaft saniert werden muss. So sind beispielsweise die Natursteine der Fassade stark verwittert, das Gebälk der Dach- und Deckenkonstruktionen ist teils morsch, zudem haben Baufachleute Schwammbefall diagnostiziert und nicht zuletzt muss das Kircheninnere einschließlich des wertvollen Altars und der uralten Kanzel aufgearbeitet werden. Nachdem im vergangenen Jahr gewissermaßen mit der Erneuerung des vorderen Teils der Fassade des Kirchenschiffs der erste Bauabschnitt abgeschlossen wurde, steht nun das Gerüst am Turm.

„Letztlich ausschlaggebend, die Sanierung anzugehen, war, dass 2009 die Turmkrone abgenommen werden musste, weil sie nach einem Sturm herunterzufallen drohte“, erklärt Pfarrer Ulrich Becker. Nicht zuletzt bei der Untersuchung der Bausubstanz in diesem Zusammenhang offenbarte sich die dringende Reparaturnotwendigkeit der gesamten Kirche. „Geplant wurde die Sanierung als Gesamtmaßnahme, aufgegliedert in einzelne Abschnitte. Anders wäre das auch nicht zu finanzieren. Nachdem wir nun vor einigen Wochen die Fördermittelzusage endlich kommen haben, konnten wir mit dem zweiten Abschnitt beginnen.“ Bis wenigsten Mitte des kommenden Jahres werde der Turm saniert, so der Pfarrer weiter. Dazu gehören die Erneuerung des Gebälks des Dachstuhls samt Schalung und das anschließende Neu-Eindecken des Daches. Außerdem werden der Turm frisch verputzt und die Porphyrschmucksteine ausgebessert.

Allein dieser Bauabschnitt schlägt mit insgesamt deutlich über 350 000 Euro zu Buche. „Bund und Land tragen davon 234 765 Euro, und 15 000 Euro schießt die sächsische Landeskirche zu“, rechnet der Pfarrer vor und räumt ein, dass eine solche bundesländerübergreifende Finanzierung durchaus aufwendig sei.

Hintergrund dieser ungewöhnlichen Kompetenzverteilung ist, dass die Ziegelheimer Kirchgemeinde seit über 500 Jahren zu Sachsen gehört. „Wir kamen erst 1952 zum Kreis Altenburg“, erläutert Kirchenvorsteher Hartmut Bartlick. Davor bis ins 20. Jahrhundert hinein zählte Ziegelheim samt Kirche zum Hoheitsbereich derer von Schönburg, deren Wappen noch heute die Bleiglasfenster schmückt.

Die Zugehörigkeit zum Schönburgschen Gebiet führte auch dazu, dass die Reformation erst 1542 in Ziegelheim ankam, während in den meisten umliegenden Ortschaften bereits seit 1533 nach den Lutherschen Lehren gepredigt wurde.

In seinen katholischen Anfängen erlangte das Ziegelheimer Gotteshaus schnell große Bekanntheit, weil es als Marien-Wallfahrtskirche Ziel vieler Pilger war. „Die Marienstatue, die das begründete, existiert übrigens noch. Wir haben sie nur jetzt wegen der Bauarbeiten ausquartiert “, so Bartlick.

Spuren ihrer bewegten Vergangenheit gibt es in der Ziegelheimer Kirche übrigens etliche. So zeugt eine Bank des historischen Chorgestühls vom Katholizismus, eine Tafel in der Sakristei erinnert an den 30-jährigen Krieg und berichtet, dass Soldaten seinerzeit samt Pferden in der Ziegelheimer Kirche hausten. Und im Kirchturm steht eine alte Karre, von der überliefert ist, dass damit die Toten der letzten Pest-Epidemie im 17. Jahrhundert zum Friedhof gebracht wurde.

Natürlich ist die Kirche in Ziegelheim kein Museum, sondern das Gebetshaus der örtlichen Kirchgemeinde. Dies besteht derzeit aus rund 200 Mitgliedern, sagt Pfarrer Ulrich Becker. Zweimal im Monat lädt sie zum Gottesdienst in der Ziegelheimer Kirche ein. „Darüber hinaus finden regelmäßig auch Konzerte statt“, verweist Bartlick auf die bereits restaurierte Orgel.

Wann das restliche Interieur aufgearbeitet wird, steht indes noch nicht fest. Nach dem Abschluss der Arbeiten am Turm stehe erst einmal die Reparatur und das Verputzen des hinteren Teils der Fassade an. Doch auch dafür ist momentan weder die Finanzierung geklärt, noch gebe es einen konkreten Zeitplan, so Becker.

Von Jörg Reuter

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