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700 "Bayern" feiern in Altenburg

700 "Bayern" feiern in Altenburg

Ein Prosit auf die Gemütlichkeit, gesungen aus 700 Kehlen, das gibt es nur einmal im Jahr in Altenburg. Nämlich dann, wenn der Rotary Club zum Oktoberfest einlädt.

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Der eine trägt die Hendl, der andre die Haxn: Rotary-Präsident Holger Frenzel (l.) und Mike Langer sind am Sonnabend gut zu Fuß.

Quelle: Klaus Peschel

Am Sonnabend war es wieder so weit.

18 Uhr rollt auf dem Brauereihof ein Bus vor, die Tür öffnet sich, Frank Quaas steigt aus. Er ist Mitglied des Altenburger Rotary Clubs. In seinem Gefolge befinden sich 40 Rotarier aus Gera. "Wir sind zum dritten Mal dabei, so etwas wie hier in Altenburg, das gibt es nicht noch einmal", sagt der Geraer Rotarier Frank Klabunde. Damit scheint er Recht zu haben.

"Ich glaube, wir sind der einzige Rotary Club, der zu Benefizzwecken ein Oktoberfest veranstaltet", meint Holger Frenzel, Präsident des Altenburger Clubs. Und das Biermaßstemmen für einen guten Zweck findet in diesem Jahr bereits zum 14. Mal statt. "Der Erlös aus dem Oktoberfest geht an die Jugendfeuerwehren des Landkreises, an die Stadtrallye Altenburg und an Kinder aus Weißrussland, die noch immer unter den Folgen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl zu leiden haben und jährlich einen erholsamen Ferienaufenthalt in Altenburg erleben", sagt Frenzel. Das sind drei Projekte, die der Club schon über mehrere Jahre unterstützt. Wie viel Geld dieses Mal zusammengekommen ist, steht noch nicht fest, vermutlich sind es aber mehr als die 11000 Euro, die im vorigen Jahr gezählt wurden.

Auf die Idee, für wohltätige Zwecke in Altenburg ein Oktoberfest zu organisieren, kam vor Jahren ein Bayer. Er heißt Konrad Selder, stammt aus Holzkirchen, lebt und arbeitet seit 1993 in Altenburg und ist Rotarier. "Unser Oktoberfest kommt dem Original immer näher", meint er. Präsident Frenzel fügt hinzu: "Am Anfang war alles etwas holprig. Seit wir seit sechs Jahre in der Tenne der Altenburger Brauerei feiern, zieht langsam Niveau ein." Auch was das Outfit der Oktoberfestgäste betrifft, hat sich im Laufe der Jahre etwas getan. Dieses Mal ist jeder darauf bedacht, sich schon an der Kleidung als Hobbybayer erkennen zu geben. Die Herren zeigen Wade und Lederhose, die Damen Dirndl und Busen.

Seit drei Jahren stehen auf jedem Tisch auch zwei Bretter echter bayerischer Brotzeit, bestehend aus Leberkäs', Regensburger, Emmentaler, Radieschen und Essiggurken. Dazu gibt es original Oktoberfestsenf aus Altenburg und frische Brez'n aus Starkenberg. "So eine Brotzeit ist wichtig", sagt Selder, "denn bis zum Hauptgericht vergeht schon einige Zeit bei so vielen Leuten." Die Brotzeitbretter werden von den Rotariern selbst hergerichtet, und die halben Hendl und halben Haxn für den großen Hunger bringen sie persönlich an jeden Tisch. Das sind 140 Tabletts mit je fünf Tellern, die über weite Strecken bewegt werden müssen. Der Rotary Club Altenburg hat derzeit 39 Mitglieder, alle Achtung vor der Laufleistung der Damen und Herren.

Nach allgemeiner Sättigung schwingt man das Tanzbein. Die Musik dazu kommt nicht aus der Konserve, sie kommt aus Bayern. Genauer gesagt aus Oberbayern, aus Arget. "Ich glaube, wir spielen in diesem Jahr schon zum zehnten Mal in Altenburg", sagt Hans Gröbmair. Er ist der Mann mit der Trompete bei den Argeter Buam. Nach dem Unterschied zum Oktoberfest in München gefragt, antwortet der Musiker: "Hier ist es viel gemütlicher, auf der Wiesn herrscht nur Stress und Hektik." Und was den Preis für ein Maß Bier betrifft, da hinkt das Altenburger Oktoberfest dem in München noch weit hinterher.

Also ein Prosit auf die Gemütlichkeit, auf die Jugendfeuerwehren, auf die Stadtrallye, auf die Kinder aus Weißrussland und die anderen Projekte, die der Rotary Club Altenburg unterstützt.

Aus der Osterländer Volkszeitung vom 29.09.2015

Klaus Peschel

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