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Abfischen in Altenburg: Alles andere als Gaudi

Großer Teich Abfischen in Altenburg: Alles andere als Gaudi

"Vorsicht heiße Fischsuppe", ruft Michael Putze. Er steht am Sonnabend am Großen Teich in Altenburg, auf Höhe des Kinos Capitol. Sein Ruf ist nicht allzu ernst gemeint, aber auch kein Scherz. Was an einem Kran durch die Luft schwebt, ist ein großer verschließbarer Trichter voller quicklebendiger Fische.

Aus dem Großen Teich werden Zander, Schleie, Karpfen, Hechte und Weißfisch in einem verschließbaren Trichter auf das Festland gebracht.

Quelle: Klaus Peschel

Altenburg. Putze ist einer der Helfer beim diesjährigen Abfischen des Großen Teiches. "20 Männer sind im Einsatz", sagt Stefan Schröer. Er ist Chef des Unternehmens Fischerei Altenburger Land in Wilchwitz und Pächter des Gewässers. Unterstützt wird Schröer auch dieses Jahr vom Fischereibetrieb Jürgen Etzold aus Deutzen. Beide Firmen bieten zum 3. Fischgeflüster auch frische Ware an. Nicht direkt aus dem Teich, sondern frisch aus einem Plastebehälter mit sauberem Wasser. "Was wir an diesem Wochenende abfischen, kann noch nicht gegessen werden", so Schröer. Grund sei der Schlamm. Deshalb werden die verkaufsreifen Fische in Wilchwitz gehältert. Nach zehn Tagen in sauberem Wasser können sie über den Ladentisch gehen. Oder, wenn es Karpfen sind, dann hat der eine oder andere noch eine Schlachtfrist bis Ende Dezember. "Die kleinen Fische bleiben bis zum Frühling in Winterteichen und werden dann wieder ausgesetzt", erklärt Schröer. So kann es sein, dass manch halbwüchsiger Karpfen, der am Wochenende per Auto die Reise nach Wilchwitz antrat, im nächsten Jahr wieder seine Runden um den Inselzoo dreht.

Dass der Große Teich im Herbst zu 80 bis 90 Prozent abgefischt werden muss, hat seinen Grund. "So ein Teich braucht bei niedrigem Wasser Winterfrost, das ist gut für den Sauerstoff im nächsten Jahr", erklärt der Fischwirt aus Wilchwitz. Nach den Aktivitäten des Vereins "Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co." befragt, der erreicht hat, dass das Federvieh auf dem Großen Teich nicht unkontrolliert und unsachgemäß gefüttert wird, meint Schröer: "Ich habe die Schilder an den Bäumen gesehen, das ist eine gute Sache." Hobbyfischer Michael Putze fügt hinzu: "Lassen Sie mal schimmliges Brot in den Teich kommen, und das fressen dann die Fische, das kann deren Tod sein." Die Züchter verwenden Weizenfutter für die Flossentiere. Das fällt nach unten, da kippt das Wasser nicht um, seine Qualität bleibt erhalten.

Es lag wohl am fantastischen Herbstwetter, am zugleich stattfindenden Flohmarkt und am Fischgeflüster, dass am Wochenende Tausende am Teich flanierten. Hunderte sahen den Fischern auf die Finger, schauten, wie die Schuppentiere in sieben Wassercontainer sortiert wurden. Doch das Abfischen in Altenburg ist kein Gaudi, es ist harte Arbeit. Unter denen, die ganz vorn am rot-weißen Absperrband stehen, ist auch Manuela Seeber. "Das ist irre mit den Fischen", sagt sie. "Für mich ist das ein schönes Erlebnis und für die Stadt ein tolles Ereignis." Die 49-jährige Verkäuferin aus Altenburg verkauft zwar keinen Fisch, mag ihn aber und will ihn auch kaufen. Ganz frisch.

Bei der Firma Etzold steht Steffi Etzold an der Kasse. Sie ist die Mutter des Chefs, Altenburgerin und Rentnerin. Etwas bedauert sie: "Wenn heute junge Leute Karpfen essen möchten, dann gehen sie zur Oma, und wenn es die nicht mehr gibt, dann gehen sie zum Fischessen in den Ratskeller." Auf Marcel Teichmann trifft das nicht zu. Der 28-jährige Bäcker aus Altenburg steht stundenlang bei den Fischern und wartet. Warum? Er nennt drei Gründe: "Erstens ist mein Sternzeichen der Fisch, zweitens bin ich Angler. Und drittens habe ich einen kleinen blauen Eimer deponiert, da kommen Köderfische für mich rein, der Abfall vom Abfischen." Mit kleinen Plötzen und Karauschen will der junge Mann dann im Haselbacher See auf die Jagd nach Hechten gehen.

Zu den Neugierigen gehört auch die Rentnerin Renate Staude. Die 68-jährige Altenburgerin will wissen, was denn so an Fischen im Großen Teich herumschwimmt. "Es ist der Zander, die Schleie, der Karpfen, der Hecht und viel Weißfisch, der sich hier wohl fühlt", informiert Pächter Stefan Schröer. Über den Daumen gepeilt wurden am Sonnabend und Sonntag zehn Tonnen zappelnder Fische geerntet.

Klaus Peschel

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