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Abschaffung und Neubildung der Länder

Abschaffung und Neubildung der Länder

Die Kreisstruktur Sachsens, wie sie mit der Bildung der Amtshauptmannschaften im Jahre 1873 entstanden war, bestand im Wesentlichen bis zum Jahr 1952. Mit der Verwaltungsreform im Juli 1952 wurden die Länder in der DDR (1945 neu gebildet) aufgelöst.

Sachsen wurde in die Bezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz (1953 Namensänderung in Karl-Marx-Stadt) aufgeteilt. Neue Kreise wurden gebildet. Außer den bisherigen sächsischen Kreisstädten Leipzig, Borna, Wurzen (neue Kreisstadt), Grimma, Döbeln, Geithain (neue Kreisstadt) und Oschatz gehörten nun die vormals thüringischen Kreise Altenburg und Schmölln (ebenfalls neue Kreisstadt) zum Bezirk Leipzig.

 

Das Land Sachsen-Anhalt, das 1952 in die beiden Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt wurde, verlor bei der Kreisreform 1952 die Städte Delitzsch, Eilenburg und Torgau. Sie wurden nun Kreisstädte im Bezirk Leipzig. Rochlitz, bisher Leipzig, kam zum Bezirk Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Diese Kreisreform mit ihren bedeutendsten Änderungen seit 1874 brachte eine Reihe gebietsmäßig neuer Zuordnungen mit sich. Diese Kreise waren kleiner als die von 1874 bis 1939 bestehenden Amtshauptmannschaften und seit 1939 existierenden Landkreise.

 

Der Kreis Oschatz verlor 1952 unter anderem Strehla, Lorenzkirch, Kreinitz, Seerhausen, Stauchitz und Schrebitz/Kiebitz, erhielt aber wieder Börln und Bortewitz. Im Jahre 1900 hatte die Fläche der Amtshauptmannschaft Oschatz 573 Quadratkilometer betragen; der neue Kreis Oschatz war 458 Quadratkilometer (1981) groß.

 

Wieder vergingen fast 40 Jahre. Mit der Wiedervereinigung 1990 wurden in der ehemaligen DDR die im Jahre 1952 aufgelösten Länder als Bundesländer wieder gebildet. Dabei konnte die Bevölkerung in einigen Kreisen entscheiden, zu welchem Bundesland sie in Zukunft gehören wollte. Das waren zum Beispiel jene Kreise, die 1952 von einem Land in Bezirke anderer Länder eingegliedert worden waren. Das letzte entscheidende Wort aber musste die Volksvertretung im jeweiligen Kreis sprechen. In Sachsen betrafen demzufolge Volksbefragungen die drei angrenzenden Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. In den drei Kreisen Delitzsch, Eilenburg und Torgau des Bezirkes Leipzig hatte die Bevölkerung die Wahl zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt. Delitzsch, Eilenburg und Torgau entschieden sich mit 94 Prozent (Torgau), 90 Prozent (Eilenburg) und 89 Prozent (Delitzsch) für Sachsen.

 

Die Volksvertreter der drei Kreis-Parlamente stimmten dem Bürgerwillen zu, ebenso die Kreistage Hoyerswerda und Weißwasser - im Gegensatz zum Bürgerwillen in anderen Kreisen, in denen die Parlamente den Bürgerwillen zur Eingliederung nach Sachsen ignorierten und diese Kreise Thüringen beziehungsweise Brandenburg anschlossen (Altenburg, Bad Liebenwerda, Senftenberg). Wäre es nach dem Willen der Bürger gegangen, dann wären diese Kreise vor 24 Jahren ebenfalls sächsisch geworden.

 

Im Jahre 1994 trat in Sachsen eine Kreisgebietsreform in Kraft. Die Zahl der Landkreise wurde verringert. Oschatz ging die Kreis-Ehe mit dem ursächsischen Torgau ein; es entstand der Kreis Torgau-Oschatz. Den vorläufig Abschluss bildete die Kreisreform des Jahres 2008. Unser Kreis Torgau-Oschatz wurde mit Delitzsch (Eilenburg gehörte zu diesem Kreis) zum neuen Kreis Nordsachsen im Direktionsbezirk Leipzig zusammengeschlossen.

 

Der Kreis Döbeln, seit jeher zu Leipzig gehörig, wurde dem Kreis Mittelsachsen und damit dem Direktionsbezirk Chemnitz zugeordnet. Mit einer Fläche von 2020 Quadratkilometer nimmt unser Kreis Nordsachsen - also dieses ursächsische Gebiet in seiner ganzen Ausdehnung von Schkeuditz über Delitzsch, Düben, Dommitzsch und Torgau bis Oschatz - von den zehn sächsischen Kreisen flächenmäßig den vierten Platz und von der Einwohnerzahl den letzten Platz ein.

Werner Breitenborn

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