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Altenburg „Adam und Evelyn“ feiert in Altenburg Premiere
Region Altenburg „Adam und Evelyn“ feiert in Altenburg Premiere
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18:41 11.01.2019
Kehrte für die Filmpremiere von „Adam und Evelyn“ in seine Heimat zurück: Schriftsteller Ingo Schulze im Altenburger Capitol. Quelle: Maike Steuer
Altenburg

Wäre dieser Artikel dem Film nachempfunden, würden hier grob drei Sätze stehen und ansonsten Leerzeilen. Sehr viele Leerzeilen. Denn anders als die Buchvorlage von Autor Ingo Schulze lässt Regisseur Andreas Goldstein in seinem ersten Spielfilm eher Bilder sprechen als die Protagonisten selbst. Ein Film „gegen alle Sehgewohnheiten“, wie Ingo Schulze nach der Premiere in der Diskussion mit den rund 40 Zuschauern selbst anmerkte. Dabei blickte der einstige Dramaturg des Altenburger Landestheaters und Mitbegründer des Altenburger Wochenblatts sowie des Anzeigers in viele bekannte Gesichter. „Euch kenn ich ja fast alle. Hallo, hallo, hallo“, freute sich der 56-jährige Schöpfer von „Adam und Evelyn“. Es ist sein erster Roman, der den Sprung auf die Leinwand geschafft hat, auch wenn dieser Prozess lange acht Jahre brauchte. „Dieses Projekt wurde mit unglaublich wenig Geld realisiert. Sozusagen low low budget.“ Es sei ein Trugschluss, dass in einem Roman bereits das Drehbuch stecke, so Schulze.

Wenig Text, viel Bild

„Mir hat die Leichtigkeit gefehlt“, kritisierte eine Zuschauerin. In der Tat verlangte das Werk seinen Betrachtern jede Menge Geduld und Willen zur freien Interpretation ab. Die Schnitte: Ungewöhnlich lang. Das Tempo: Wie in Zeitlupe mit Großaufnahmen von schweigenden Akteuren, die man öfter mal anstupsen möchte, damit sie doch endlich was sagen. Denn zu erzählen hätten sie eigentlich jede Menge. Stattdessen setzt Goldstein eher auf das Kombinationsgeschick des Zuschauers und zeichnet die Figuren viel weniger facettenreich, als Ingo Schulze sie ursprünglich beschrieb.

Der Sommer 1989 war ein Stehgewässer

Trotzdem betonte Schulze: „Mir fehlte am Ende nichts. Auch wenn ich manchmal dachte, warum hören sie jetzt kurz vor der Pointe auf zu erzählen? Das hat dem Film gut getan.“ Man müsse sich auf den Film einlassen, weil er gerade anfangs die Bilder sehr langsam setze. „Aber gerade dieses andere Zeitmaß ist eine Art Schlüssel zum Sommer 1989. Es gab schon Veränderungen in der DDR, man denke nur an die Kommunalwahl im Mai 89, aber trotzdem war das alles eher ein stehendes Gewässer als ein Bach oder gar Fluss. Das veränderte sich dann schnell. Das vollzieht der Film nach.“

„Warum willst du in den Westen?“

1989: Ingo Schulze wohnte in Altenburg und „Adam und Evelyn“ stecken als Paar in einer Krise. Adam (Florian Teichtmeister) lebt in seinem persönlichen Paradies, tut, was ihn glücklich macht und versteht nicht, warum seine Freundin Evelyn (Anne Kanis) a) in den Urlaub an den Balaton und b) plötzlich noch weiter will, als sich die Grenzen öffnen und der Westen real ist wie nie. „Was willst du denn im Westen?“, fragt er auch seine Mitfahrerin Katja (Lena Lauzemis), die er im Kofferraum über die ungarische Grenze schleust. „Leben! Besser leben!“, sagt sie. „Hast du bisher nicht gelebt?“

Einen Makel gibt es doch

Auch wenn Schulze aufgrund der Podiumsdiskussion „Die globalen Krisen und die Kunst der Gegenwart“ im Lindenau-Museum nicht selbst seinen Film im Capitol sehen konnte, empfand er die Premiere in seiner alten Heimat als „besondere Freude“.

So sehr ihm die Fassung gefällt, er den Mut schätzt, den Goldberg hatte, diese Geschichte auf diese Weise durchzuziehen – einen Makel hat sie für ihn doch: „Ähnlich wie Hitchcock wollte ich mit meiner Familie auch im Film sein. Aber diese Szene wurde leider rausgestrichen“, bedauert er schmunzelnd.

Von Maike Steuer

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