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Altenburg Affenschaukeln und Piratenboote aus Fockendorf für die halbe Welt
Region Altenburg Affenschaukeln und Piratenboote aus Fockendorf für die halbe Welt
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05:00 08.12.2016
Die Firma Holzwelten ist weltweit die einzige, die sich auf spezielle Affennetze spezialisiert hat. Das Knowhow wurde gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut erarbeitet. Quelle: Holzwelten
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Fockendorf

Eigentlich ist Firmenchef Frank Heilemann Zimmerer. Aber seine Fockendorfer Firma Holzwelten hat mit der herkömmlichen Zimmerei wenig zu tun. Seine neun Angestellten arbeiten zwar meist mit Holz – und das sogar auf sehr traditionelle Art und Weise von Hand, doch Fenster, Türen oder Dachstühle fertigen sie nicht. Vielmehr entstehen in den Werkstätten in der alten Papierfabrik Kletter-Burgen, Spiel-Schiffe, Hängematten für Affen oder „Dschungelpfade“. Denn das Spezialgebiet von Heilemann sind Sonderanfertigungen und Spielgeräte aus Robinienholz sowie Seil- und Netzkonstruktionen.

Mit dieser Nische hat Heilemann seit fast zehn Jahren von Fockendorf aus Erfolg. Außergewöhnliche Projekte wie etwa ein 20 Meter langes Spielplatzpiratenboot für das arabische Doha, ein Pavillon für die Expo in Mailand oder Besucherpfade durchs Pongo- und Gondwanaland im Leipziger Zoo finden sich in den Auftragsbüchern der Holzwelten. Und Heilemann kann stolz von einer 36 Meter langen Hängebrücke in Erdigen erzählen, die seine Firma kürzlich montierte – dafür wurden sogar Kletterer und Taucher gebucht – ebenso wie von der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem Leipziger Max-Planck-Institut.

Mit den Primaten-Forschern entwickelt Heilemann Netze und Hängematten für Menschenaffengehege. „Wir sind weltweit die einzige Firma, die spezielle Affennetze herstellt“, meint Heilemann. Was einfach klingen mag, ist aber durchaus anspruchsvoll. Denn die Konstruktionen, die es mittlerweile in etlichen Zoos in Europa gibt, müssen affenfest sein. „Die Tiere sind nicht nur schwer, sie haben auch sehr viel Kraft, sind neugierig, intelligent und haben dazu noch viel Zeit und Ausdauer fürs Kaputtmachen“, erläutert Heilemann die Herausforderungen. Darüber hinaus müssen gerade die Hängematten auch bequem für die Tiere sowie für die Zoobesucher natürlich hübsch anzusehen sein.

Diese Spezialaufträge – meist erledigen Heilemanns Experten-Teams diese als Subunternehmer – , bereiten sehr viel Freude, sind gut fürs Prestige und es können wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. „Aber unserer Kerngeschäft ist der Bau von großen Spielgeräten“, stellt Heilemann klar. Seine Firma errichtet Spielanlagen namhafter Hersteller oder entwickelt und fertigt eigene Konstruktionen aus Robinie. Auf das Holz des ursprünglich aus Amerika stammenden Laubbaums, hat er sich wegen dessen Langlebigkeit spezialisiert. Jedoch kann es nicht mit Automaten bearbeitet werden, weil die Äste dafür zu krumm wachsen. Dies hat zum einen viel Handarbeit zur Folge, in die auch das gesamte Knowhow der Spezialaufträge einfließt und zum anderen, dass die Fockendorfer Spielgeräte Unikate und Maßanfertigungen sind.

Darauf hat er sein Unternehmen ausgerichtet und dafür seine Leute geschult. Dazu gehören unter anderem auch vier Mitarbeiter, die die zertifizierte Befähigung zur Abnahme sowie Jahreshauptuntersuchung von Spielgeräten haben. „Mein Ziel ist es, vor allem hier in der Region Arbeit zu finden“, so Heilemann. Denn alles andere bedeutet, dass seine Leute auf Montage müssen. Für die Angestellten gerade mit Familie und kleinen Kindern ist das aber meist wenig attraktiv, was der Firmenchef gut versteht.

„Aber so richtig funktioniert es mit regionalen Aufträgen nicht. In diesem Jahr war es besonders schwierig“, beklagt der Unternehmer. Zwar gebe es von Doha über Prag bis Leverkusen und Köln Interessenten für Spielgeräte aus Fockendorf. Jedoch vor der Haustür in Thüringen oder im Kreis sei es schwer, an Aufträge zu kommen. „Anders als etwa in Sachsen. Aber auch in Thüringen müssen doch Spielgeräte in Kindergärten oder auf öffentlichen Plätzen gewartet werden und brauchen regelmäßig neuen Tüv“, sagt Heilemann und denkt dabei an seine Leute, die er unbedingt in der Firma halten möchte.

Von Jörg Reuter

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