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Akten voller Schicksale und eine Maxime:"Wir müssen hinschauen"

Akten voller Schicksale und eine Maxime:"Wir müssen hinschauen"

Der neue Schreibtisch von Dirk Nowosatko hat es in sich: Denn hier wird nicht über Kostenstellen, Etatplanungen oder Bauvorhaben entschieden, wie in den meisten Verwaltungen, sondern über Schicksale.

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Der Neue in seinem neuen Büro: Dirk Nowosatko ist Fachbereichsleiter für Soziales, Jugend und Gesundheit im Landratsamt.

Quelle: Mario Jahn

Seit Monatsbeginn ist der 44-Jährige der neue Leiter des Fachbereiches Soziales, Jugend und Gesundheit im Landratsamt. Über zwanzig Jahre Berufserfahrung in sozialen Einrichtungen und Unternehmen sollen nun helfen, soziale Probleme vor allem in Familien der Region in den Griff zu bekommen.

 

"1990 habe ich angefangen, als Erzieher in einem Kinderheim zu arbeiten", erinnert sich Dirk Nowosatko. Dass er später seine ganze Karriere im sozialen Bereich absolvieren würde, hätte er als Kind nicht geglaubt. Als junger Mensch wollte er immer in die Landwirtschaft. "Das war mein Traum. Aber ich bin in der Zeit der politischen Veränderung in Ostdeutschland erwachsen geworden und musste mich nach der Wende neu orientieren", erklärt der gebürtige Werdauer.

 

"Mir war ganz klar, dass die Landwirtschaft nicht die Zukunft haben wird, wie es in der DDR geplant wurde." Zufällig kam er in Kontakt mit einem Kinderheim. Er studierte Heil- und Rehabilitationspädagogik mit Schwerpunkt auf von Behinderung bedrohten Menschen. Später machte er eine Ausbildung als Familientherapeut und absolvierte einen Master in Sozialmanagement.

 

"Nach dem Kinderheim habe ich als Sozialarbeiter und als Leiter bei einem Jugendzentrum sechs Jahre lang in Werdau gearbeitet. Danach war ich im SOS-Kinderdorf in Zwickau als Sozialarbeiter und als Bereichsleiter für Kinderdorffamilien, Wohngruppen und flexibles Helfen tätig", sagt Nowosatko.

 

Parallel engagierte er sich auf der sozialen Ebene und gründete 2005 den Verein "Systemion" in Werdau mit, in dem er als Familientherapeut sowie als Referent für Weiterbildungsveranstaltungen arbeitete. Dieser Verein ist noch heute ein anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe und bietet Hilfen vor allem in der sogenannten aufsuchenden Familientherapie und in Erziehungsstellen im Landkreis Zwickau an.

 

Sein soziales Engagement zeigte Dirk Nowosatko ebenso im privaten Leben. Mit seiner Frau nahm er einen jungen Mann in seinem Haus auf. Der 16-Jährige wurde sein Pflegesohn. "Er kam auf die schiefe Bahn. Seine Ausbildung wollte er nicht mehr machen und wohnte dann eine Zeit lang auf der Straße", erzählt Nowosatko. "Ich kannte ihn schon, weil er sehr lange im SOS-Kinderdorf lebte, und ich wollte nicht, dass er auf der Straße ohne Ausbildung endet. Für ihn war es nicht leicht, sich in einer Familienstruktur einzufügen. Aber es war erfolgreich." Heute hat Dirk Nowosatko zwei eigene Kinder: ein zweijähriges Mädchen und einen vierjährigen Jungen. Mit seiner Familie wohnt er im Landkreis Zwickau und pendelt jeden Tag nach Altenburg.

 

Engagiert zu sein, ist für ihn ein Teil seines Berufs. "Das ist nicht so ein Acht-Stunden-Job, wo man am Ende des Tages eine Maschine ausschaltet, sondern eine Arbeit mit Menschen. Es ist nicht möglich, Schluss zu machen, wo ein Paragraf aufhört. Wir müssen hinschauen, was die Leute brauchen und wie wir helfen können", erklärt der 44-Jährige. "Nicht nur eine Ausbildung ist für die Arbeit im sozialen Bereich nötig, sondern auch eine Menge Erfahrung und Umgang mit Menschen. Sowie ein bisschen Enthusiasmus und eine kleine Portion Verrücktheit."

 

Auch wenn Dirk Nowosatko lange im sozialen Bereich gearbeitet hat, war er bis jetzt immer nur bei freien Trägern tätig. Seit Kurzem steht er nun auf der Seite öffentlicher Träger als neuer Fachbereichsleiter im Landratsamt. "Vorher hatte ich nur Kontakt mit den öffentlichen Trägern durch die Verwaltung und die Ausschüsse, mit denen ich als Vertreter des freien Trägers zu tun hatte. Diese neue Stelle ist also eine sehr spannende Herausforderung", sagt Nowosatko.

 

Über seine neue Aufgabe freut er sich sehr. Er muss die Arbeit zwischen sieben Fachdiensten koordinieren, steuern und weiterentwickeln. Ebenso wichtig ist ihm, die Qualität dieser Arbeit zu sichern. "Ich erwarte von mir selbst und von meinen Kollegen, den Anspruch an Qualität zu stellen", betont Nowosatko.

 

Die größte zukünftige Herausforderung seines Jobs hat mit der Demografie zu tun. "Wir haben eine zunehmend älter und kleiner werdende Bevölkerung in Mitteldeutschland. Wie werden wir diesen demografischen Wandel mitgestalten? Wir werden ihn nicht aufhalten können und müssen uns viele Gedanken darüber machen."

 

Zurzeit verschafft er sich einen genauen Überblick über seinen neuen Verantwortungsbereich. "Jeden Tag lerne ich neue Sachen und Menschen kennen. Und die Ahnung wird größer, wie viele Aufgabe auf mich warten. Das ist nicht erschreckend, sondern eher beeindruckend. Alle Kollegen geben sich sehr viel Mühe mit mir, um mich mitzunehmen, um mich einzuführen. Das ist ein gutes Gefühl, so gut unterstützt zu werden."

 

Auch Altenburg gefällt ihm. "Was ich bis jetzt gesehen habe, finde ich sehr beeindruckend. Altenburg ist eine sehr schöne Stadt mit einer sehr vielfaltigen Architektur und geschichtlich anspruchvollen Gebäuden." Gern möchte er das Spielkartenmuseum besuchen, weil er regelmäßig Skat seit seiner Kindheit spielt. "Auch das Lindenau-Museum interessiert mich, da muss ich meine Familie mal hinschleppen. Und meinen Kindern die Stadt zeigen, in der ihr Vater die ganze Woche arbeitet."

Adeline Bruzat

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