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Alarm in Schelditz: Gift-Cocktail trifft immer mehr Flächen und Häuser

Alarm in Schelditz: Gift-Cocktail trifft immer mehr Flächen und Häuser

Die Ursache für die massiven und gefährlichen Umweltverseuchungen liegen im einstigen Teerverarbeitungswerk. "Das ist der Fakt, dass es keine anderen Schadstoffquellen außer das TVW gibt" sagte Kathleen Zuber, verantwortliche Gesellschafterin des Ingenieurbüros UEZ-Consult, am Freitagabend.

Rositz.

Im schwül-heißen Vereinshaus der Rositzer Gartenanlage "Pflaumenberg" informierte sie mit ihrem Kollegen Maik Harles vom Projektbüro Sakosta SKB auf Einladung der Bürgerinitiative anderthalb Stunden über die Befunde der Untersuchungen zur detaillierten Situation in dem Ortsteil.

 

Sicher war diese Erkenntnis für die rund 50 betroffenen Anwohner keine Neuigkeit. Aber ein anderer Befund, den Zuber und Harles wegen des in Schelditz weiter ansteigenden Grundwassers mitteilten, sorgte dann doch für einige Betroffenheit. Denn mit dem wachsenden Pegel wird sich dort auch die Lage weiter zuspitzen, werden größere Flächen und noch mehr Gebäude von dem hoch drückenden und oft mit einem gefährlichen Gift-Cocktail verseuchten Grundwasser betroffen sein.

 

Insgesamt 47 Gebäude hatten die beiden für das Projekt zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossenen Ingenieurbüros im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau Verwaltung (LMBV) sowie dem Thüringer Umweltministerium unter die Lupe zu nehmen. LMBV und Ministerium sind auch die Geldgeber für das Sanierungsprojekt. Circa ein dreiviertel Jahr hatten zuvor die Experten akribisch den Schelditzer Grund mitsamt des Grundwasserspiegels im Bereich zwischen Bundesstraße, Talstraße und Straße der Chemiearbeiter bis hinauf zum Neubaustandort An der Hohle in Augenschein genommen. "Es gibt schon heute teilweise erhebliche Überschreitungen der Grenzwerte bei Stoffen wie Benzol, Tulol und anderem, was man als rositztypische Schadstoffe deklariert", sagte Harles. "Der Zustand wird sich weiter verschärfen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden."

 

Kathleen Zuber ging im Anschluss in die Details: In 20 Gebäuden drückt das Grundwasser bereits in die Keller. Bei 16 in der Talstraße sowie in der Straße der Chemiearbeiter sei es in einem Maße verseucht, dass sofort Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig werden. Bei den meisten anderen seien diese Phänomene zwar noch nicht oder nicht so extrem feststellbar. Aber es sei dort zu erwarten, dass dort Wasser hoch drücken wird.

 

Das Gift im Boden sucht sich auch Wege, die durch Menschenhand geöffnet wurden. Nicht nur die im Zweiten Weltkrieg verursachten Bombentrichter, die die abdichtende Lehmschicht zerstörten. Als Ende der 1990er-Jahre der ZAL in der Talstraße einen neuen Abwasserkanal verlegte, sei diese Dichtungsschicht ebenso durchbrochen worden. Jetzt wird der flüssige Giftmix in der Sandschicht um den Kanal gedrückt. Zudem würden die aus der Benzinproduktion bekannten Benzole und Phenole aufgrund ihrer löslichen Eigenschaften auch die dort verbauten Gummidichtungen löchrig machen und könnten einsickern.

 

"Ich bin jetzt zwar ein halber Grundwasserexperte. Aber eigentlich war ich heute hier, um konkrete Aussagen zu bekommen, welche Gesundheitsgefahren uns drohen", sagte Anwohner Helmut Braschke verbittert.

 

Dazu und wie es weitergeht, wurde allerdings am Freitagabend nichts gesagt. Konnten die Grundwasserfachleute auch nicht. Und die Fachleute aus dem Umweltministerium und der LMBV, die für das Projekt und deren Umsetzung die Verantwortung tragen und das Geld geben, hatten wenige Stunden vor der Versammlung am Freitag ihre Teilnahme telefonisch abgesagt.

 

Der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange (parteilos) war erst einmal darüber froh, dass man zumindest ein Stückchen vorwärts gekommen ist. "Allerdings passiert das 13 Jahre zu spät. Denn so lange sind diese Probleme bekannt." Mit Spannung sehen die Betroffenen nun dem 30. September entgegen. Denn dann wollen die Ingenieur-Büros ihre konkreten Sanierungsvorschläge für Schelditz präsentieren.

Jörg Wolf

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