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Alles nur ein böser Traum - Weihnachtsmärchen-Premiere am Altenburger Landestheater

Alles nur ein böser Traum - Weihnachtsmärchen-Premiere am Altenburger Landestheater

"Das kalte Herz" war 1950 der erste Defa-Märchenfilm. Er begründete den Ruhm einer langen Reihe und lief so oft in Kinos und im Fernsehen, dass ihn eigentlich jeder einmal gesehen haben müsste.

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Jochen Paletschek in der Rolle des Peter Munk, der sein Herz verkauft, und Jürgen Bierfreund als Glasmännlein.

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg. Um so erfreulicher, dass das Theater in diesem Jahr eine Dramatisierung der Geschichte von Wilhelm Hauff als Weihnachtsmärchen anbietet. Es hatte gestern Vormittag Premiere.

Hauffs Werk ist ein Kunstmärchen, seine Aussage von kleineren Kindern nicht leicht zu erfassen. Ihm fehlt die kindliche Naivität der Grimmschen Volksmärchen. Seine Aussage ist eigentlich aktuell. Ein armer Köhler, Peter Munk, will aus seiner Armut heraus. Er kann noch so viel arbeiten. Er wird arm bleiben. Als er beim Glasmännlein Wünsche frei hat, wählt er finanziellen Reichtum, tänzerische Anerkennung und ein Unternehmen, von dem er keine Ahnung hat.

Als er damit Pleite geht, verkauft er dem Holländermichel sein Herz gegen einen Stein, der ihm lebenslangen Reichtum sichert, keinen Schmerz und keine Angst empfinden lässt, aber auch keine Freude und Liebe. Nun ist er steinreich, aber äußerst herzlos. Welch eine aktuelle Parabel!

Wenn man das Hauffsche Märchen noch einmal unter dem Blickwinkel einer eventuellen Bühnenfassung liest, glaubt man an eine Realisierung nur bei Kürzung des handlungsreichen Inhalts. Aber Christoph Schwarz ist es gelungen, ein Stück zu verfassen, in dem nichts von den Hauffschen Intentionen verloren geht. Und Regisseur Frank Voigtmann hat mit seiner Bühnen- und Kostümausstatterin Hannah Hamburger auch alles davon auf die Bühne gebracht.

Die Handlung spielt auf zwei Ebenen: im wildromantischen Schwarzwald mit Glasmännlein und Holländermichel sowie im Gasthaus und Wohnzimmer mit seiner Lisbeth und den reichen "Geldsäcken" des Dorfes. Das verläuft alles klar und logisch und lässt Peters Handlungsweise immer deutlich und verständlich erscheinen. Das ist mit dem reichen Gedankengeflecht dieses Märchens, das den Haupthelden nach seiner Haltung und Rolle in der ihn umgebenden Gesellschaft, nach seinem Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen und nach seinem eigenen Lebensanspruch fragen lässt, nicht immer einfach.

Dem Regisseur gelingt dies am besten, wo er auf Poesie und Verzauberung setzt - in allen Szenen, die im Wald spielen. Diese sind märchenhaft schön. Es beginnt damit, dass das Glasmännlein klein wie ein Gnom und der Holländermichel groß wie ein Riese wirkt. Da staunen die Kinder ungläubig. Höhepunkt dieser Inszenierung ist die Szene in der Höhle des Holländermichels mit seiner Sammlung menschlicher Herzen und mit dem chirurgischen Eingriff beim zweimaligen Herz- und Steintausch. Da wird keine blutrünstige Folterkammer gezeigt. Das erfolgt medizinisch so geschmackvoll und braucht keinen Vergleich mit den Operationen in der Sachsenklinik der wöchentlichen Fernsehserie "In aller Freundschaft" zu scheuen. Die zweite digitale Darstellung des Austausches ist ein Wahnsinnseinfall.

Der Tod der Lisbeth, deutlich gemacht durch ihr Hereintragen auf den Armen ihres Mannes Peter, ist die bestmögliche Lösung für Kinder. Problematisch sind einige Dialogszenen zwischen Peter Munk und den Reichen. Sie wirken etwas trocken und verlieren die Fassbarkeit für jüngere Zuschauer. Gleiches gilt auch für die satirisch überzogene Eingangsszene.

Dafür ist das Ende überraschend optimistisch. Die Lisbeth ist wieder zum Leben erwacht. Alles war nur ein Traum und endet mit dem Nana-Mouskouri-Lied "Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen, Sonnenschein", so gut gesungen vom Chor aller Darsteller wie sie ihre Rollen gesprochen und gespielt haben: Nora Undine Jahn als Lisbeth, Jochen Paletschek als Peter Munk, Manuel Kressin als dessen Widersacher Ezechiel, Bruno Beeke als Schlurker, Steffan Berkel als Holländermichel und Jürgen Bierfreund als Glasmännlein. Der begeisterte Applaus der Kinder und ihrer erwachsenen Begleiter ist verdient. Manfred Hainich

Nächste Vorstellungen heute, 9 und 11 Uhr, sowie am Sonntag, 14.30 Uhr. Infos zu weiteren Aufführungen im Internet oder an der Theaterkasse, ☎ 03447 585160. Online-Buchungen unter www.tpthueringen.de

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