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Altenburg Alles nur eine Verwechslung?
Region Altenburg Alles nur eine Verwechslung?
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21:08 13.05.2013

Im Fall von Jens H., der sich seit gestern für solche Straftaten vor dem Landgericht Gera verantworten muss, hätte ein Geständnis mit Sicherheit erhebliche Auswirkungen auf die Länge der Haftstrafe. Denn der 48-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt und würde bei einer erneuten Verurteilung für sehr lange Zeit hinter Gittern verschwinden. Der Altenburger saß schon wegen Raubes und schwerer Körperverletzung. In Altenburg hatte er einem Mann mit einem Faustschlag den Kiefer gebrochen.

Nun kommt der Vorwurf hinzu, die Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht zu haben. Und zwar in 117 Fällen. Trotz der eindringlichen Ermahnung des Gerichts lehnt der Angeklagte aber ein Geständnis ab. Er könne sich die Anschuldigungen nicht erklären, sagt er und: "Ich habe nichts Unrechtes getan." Ein Satz freilich, den sein Verteidiger angesichts der Vorstrafen sofort relativiert und nur auf die jetzt vorliegende Anklage bezieht.

Als Tatzeitraum wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten September 2009 bis Oktober 2012 vor. Sein Opfer müsste demnach zwischen fünf und acht Jahren alt gewesen sein. Die detaillierte Schilderung dessen, was dem Mädchen in dieser Zeit widerfahren sein soll, ist nichts für zarte Gemüter. Ihrer Aussage bei der Polizei zufolge soll der Angeklagte verschiedene sexuelle Handlungen, stellenweise unter Schmerzen, über Jahre an ihr vorgenommen haben. Auch habe der Mann Aktivitäten von seinem Opfer an ihm selbst verlangt und wohl auch erhalten. Verletzungen können nicht ausgeschlossen werden, sind aber nun auch nicht mehr zu beweisen.

Das Mädchen berichtet zwei Schulfreundinnen von den Übergriffen und auf deren Drängen hin endlich der Mutter, die ihr aber offenbar nicht glaubt und wohl auch selbst genügend eigene Probleme hat. Der Angeklagte berichtet etwa von einem dreimonatigen Aufenthalt der Frau im Jahr 2011 in der Psychiatrie, währenddessen Jens H. mit der Minderjährigen allein zu Hause ist.

Bei einem Besuch des Mädchens beim leiblichen Vater in Sachsen geht dieser mit ihr zur Polizei und erstattet Anzeige. Am 3. November klicken bei Jens H. erneut die Handschellen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Jens H. selbst schildert eine andere Version. Er berichtet, wie sich das anfangs schwierige Verhältnis zu dem Kind seiner Freundin nach und nach bessert, wie er auf Regeln, wie beim Fernsehen, besteht, wie er die Probleme seiner Partnerin, beispielsweise mit ihrem Ex-Mann, zu lösen hilft. H. erzählt auch von seiner Alkoholsucht, die er mittels einer Therapie in den Griff bekommen habe.

Und schließlich bringen er und sein Verteidiger einen zweiten Mann ins Spiel, der für den Missbrauch ebenso verdächtigt werden könne. Einen Jens T. aus Bad Lausick, ein Bekannter der Mutter des Mädchens.

Der Verteidigung zufolge pflegte "dieser etwas ältere Herr eine etwas seltsame Beziehung" zu dem Opfer. Da ist die Rede von einem Video, auf dem der Bad Lausicker dem noch nicht mal zehnjährigen Mädchen seine Liebe gesteht und von mehreren Briefen gleichen Inhalts. Diese Beweisstücke könnten im Prozess noch eine Rolle spielen.

Allerdings passen die Vielzahl der Übergriffe und die zahllosen Tatzeiten nicht mit den viel geringeren Besuchstagen von Jens T. bei seinem vermeintlichen Opfer in Altenburg zusammen. Höchstens einmal im Monat sei er da gewesen, hieß es. Und sollte Jens T. und nicht Jens H. der Täter sein, hieße dass, dass sich das Opfer geirrt, ihren jahrelangen Peiniger verwechselt haben müsste.

Zwei Polizeibeamte schließen das aus, beide hatten das Mädchen unmittelbar nach der Tat nacheinander vernommen, zuerst in Grimma und dann in Altenburg. Ihnen hatte die Kleine zuerst die zahllosen Übergriffe detailliert geschildert. An ihrer Aussage gebe es keinen Zweifel, eine Verwechslung sei unmöglich, gaben gestern beide Beamte zu Protokoll.

Aufschluss soll nun die Vernehmung von Jens T. aus Bad Lausick bringen, der auf Antrag der Verteidigung als Zeuge vorgeladen und möglicherweise schon zum nächsten Verhandlungstag, dem 23. Mai, gehört werden könnte. Sofern er tatsächlich aus freien Stücken kommt.

Jens Rosenkranz

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