Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Altenburg 2030: Mehr Grün, mehr Fahrräder, mehr Selbstvertrauen
Region Altenburg Altenburg 2030: Mehr Grün, mehr Fahrräder, mehr Selbstvertrauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 12.04.2019
Eine Arbeitsausstellung zeigt im Rathaus erste Ergebnisse, wo Altenburg Stärken und Schwächen hat. Die Schau wurde am Freitagabend eröffnet. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Neue Phase in der Altenburger Stadtentwicklungsplanung: Zehn Jahre ist es her, dass der Stadtrat ein Konzept beschlossen hat, um Altenburg strategisch voranzubringen. Nun liegt das 80-seitige Nachfolge-Papier im Entwurf vor. Rund ein Dreivierteljahr lang hat ein Leipziger Fachbüro daran gefeilt – in Abstimmung mit einem lokalen Beirat aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Doch bevor erneut der Stadtrat beschließt, soll die Öffentlichkeit beteiligt werden. Seit Freitagabend ist im Rathaus eine Arbeitsausstellung zu sehen, in der die Planer den Handlungsbedarf in der Stadt skizzieren, der sich im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) widerspiegeln wird.

„Ich wünsche mir, dass sich hier viele Altenburger einbringen“, sagte Wolfram Georg, Isek-Verfasser und Mitinhaber des Leipziger Büros für urbane Projekte. Kommentare und Ideen sind willkommen – Einwohner können in der Ausstellung zum Beispiel markieren, welche Stadträume aus ihrer Sicht vordringlich entwickelt werden müssen.

In der Arbeitsausstellung werden die Altenburger um Mitwirkung gebeten. Quelle: Kay Würker

Im Vergleich zu 2009 ist das Konzept inhaltlich viel breiter aufgestellt. Es geht nicht mehr nur ums „Gesundschrumpfen“, sondern um insgesamt neun Themenfelder.

Zusammenarbeit mit dem Umland

Altenburg muss stärken mit dem Umland zusammenarbeiten. So lautet eine wesentliche Botschaft der Planer. Ein Kirchturmdenken helfe nicht. „Nur durch gemeinsames Handeln lassen sich die Potenziale der Region effektiv nutzen.“ Zugleich müsse Altenburg mehr Selbstvertrauen entwickeln, als Aushängeschild des Landkreises. „Die Stadt hat viel mehr zu bieten, als von außen wahrgenommen wird“, konstatiert der Leipziger Wolfram Georg.

Bildungsstandort

Altenburg hat eine vergleichsweise starke Bildungslandschaft im Bereich der öffentlichen Berufsschulen und privaten Bildungsträger. „Die Schulen sind gut ausgestattet und werden gut nachgefragt. Es kommt nun darauf an, die Berufsschüler nach Ende der Ausbildung in der Stadt zu halten“, unterstreicht Wolfram Georg. Altenburg müsse mehr unternehmen, um sich jungen Fachkräften als Arbeitsstandort zu präsentieren. Eine intensivere Kooperation zwischen Bildungsträgern, Stadt und lokaler Wirtschaft sei dafür nötig, vielleicht auch ein interkommunales Fachkräfteportal.

Wolfram Georg hat an der Stadtentwicklungsplanung maßgeblich mitgewirkt, eröffnete am Freitag die Ausstellung. Quelle: Mario Jahn

Kultur und Freizeit

Altenburg hat ein enormes Kulturkapital – da können andere Kommunen dieser Größe nicht mithalten“, schwärmt Wolfram Georg. „Doch dieses Angebot muss besser vernetzt und vermarktet werden.“ Die Leipziger Planer sehen drei räumliche Schwerpunkte: Das Museumsquartier mit Schlossberg und Roten Spitzen, die Altstadt und das Areal von Großem Teich, Hellwiesen und Inselzoo. „Die Verbindung dieser drei Schwerpunktquartiere ist ausbaufähig. Besuchern fällt dies schwer, ob sie nun mit dem Auto oder mit der Bahn anreisen. Wie komme ich zum Zoo, wo gibt’s einen Kaffee? Solche Fragen kommen auf.“ Und in der Altstadt fehlt ein Anker als Anlaufpunkt, um sie als eigenständige Kultur-Adresse zu qualifizieren.

Wohnungsmarkt im Stadtkern

Die Innenstadt und die historischen Vorstadtgebiete seien klarer Profiteur der jüngsten Wanderungsbewegungen. „Dort hat die Zahl der Einwohner und auch die Zahl der Kinder zugenommen. Handlungsbedarf besteht aber im Umgang mit privaten Immobilieneigentümern. Die sollten über ein Quartiersmanagement gezielt kontaktiert werden. Anders als etwa in Nord, wo sich der Leerstand verteilt, sind im Stadtkern meist einzelne Gebäude von Leerstand betroffen, was unter anderem an der Eigentumsstruktur liegt. Andere Kommunen haben gute Erfahrungen mit aufsuchender Beratung gemacht, verbunden mit kommunaler Förderung von Altbaugutachten.“ Oft wüssten auswärtige Eigentümer gar nicht, welches Potenzial ihre Immobilie hat angesichts der anhaltenden Nachfrage nach Wohnungen in guten Lagen. Der Fokus der Stadtentwicklungsplaner liegt insbesondere auf den Gründerzeit-Vorstädten, dem Areal am Josephinum und dem Bereich von Hill- und Kesselgasse.

Wohnungsmarkt in den großen Wohngebieten

In Nord wird der Abriss so schnell nicht enden. Die 2009 im vorangegangenen Isek beschlossene Rückbau-Strategie behalte ihre Gültigkeit, stellt Wolfram Georg fest. Allerdings sei eine bessere Abstimmung der drei Großvermieter SWG, AWG und WAG nötig, um den Rückbau – einschließlich Versorgungs-Infrastruktur – konzertierter anzugehen. Auch die Aufwertung der neuen Freiflächen müsse wieder mehr in den Blick genommen werden. In Südost halten die Planer Abriss ebenfalls für sinnvoll – allerdings in deutlich geringerem Maße als in Nord. „Zusätzliche Freiräume steigern die Wohnqualität, bieten Raum etwa für einen Südostpark. Südost hat starkes Potenzial, es lohnt sich, dort zu investieren.“ Und das sei auch nötig: Der Bestand ist in weiten Teilen unzureichend saniert und wird von einer Mieterschaft mit einem vergleichsweise hohen Durchschnittsalter bewohnt. In den nächsten Jahren stehen in großem Umfang Mieterwechsel an – die Wiedervermietung wird aber schwierig, wenn Wohnqualität und -umfeld nicht stimmen.

Mehr Grün, mehr Wasser, mehr Fahrräder

„Wir glauben, dass die Blaue Flut und der Deutsche Bach großes Potenzial haben, aber stärker erlebbar gemacht werden müssen“, schildert Georg. Die Blaue Flut sei speziell zwischen Kleinem Teich und Bahnhof zu viel verrohrt und verborgen, zu wenig ins Stadtbild integriert. Dabei hätten offene Flussläufe – ebenso wie begrünte Dächer und Innenhöfe – eine nennenswerte Wirkung auf das Mikroklima, wirkten kühlend in zunehmend heißen Sommern. „Ideal wären flankierende Rad- und Fußwege entlang der Flussläufe. Neue Achsen abseits der Straßen sind ein Gewinn für Pendler und Touristen. Im Moment ist es für Radfahrer ja eher beschwerlich, von den Ortsteilen in die Kernstadt zu kommen.“

Straßenverkehr

Altenburg braucht dringend ein Verkehrsentwicklungskonzept, mahnen die Planer. Die Verkehrsführung, insbesondere in der Innenstadt und rund um den Schlossberg, sei „vielfach verwirrend“. Damit einhergehen müsse auch ein Radverkehrskonzept. „Altenburg braucht Radwege, die die Stadt durchdringen“, ist Wolfram Georg überzeugt. „Auch wenn die Topografie beschwerlich ist: Die Zahl bequemer E-Bikes nimmt rapide zu.“

Die Ausstellung im Altenburger Rathaussaal ist bis 17. April zu sehen – geöffnet 8.30 bis 12 Uhr, am Dienstag auch 13.30 bis 18 Uhr. Außerdem werden die Inhalte sowie ein Mitwirkungsbogen am Samstag ins Internet gestellt: altenburg.eu, dort unter Rubrik Bauen und Wohnen.

Von Kay Würker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Während des Zweiten Weltkriegs mussten Tausende KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter für Sachsens größten Rüstungskonzern in der Poststraße schuften. Bei einer Gedenkveranstaltung zeigte der Altenburger Geschichtsverein Besuchern die letzte erhaltene Baracke auf dem ehemaligen Firmengelände – auch ein Zeitzeuge war gekommen.

12.04.2019

Als er 2004 die Leitung des 1. Thüringer Blasorchesters übernahm, sah dessen Zukunft nicht rosig aus. Doch Maik Gräfe krempelte erfolgreich das Repertoire um und feiert beim großen Jahreskonzert am Sonntag mit einem vielfältigen Programm sein 15. Jubiläum.

12.04.2019

Das Klinikum Altenburger Land hat die Macher des Skatstadtmarathons herausgefordert. Demnach wettet ein zehnköpfiges Team des Krankenhauses, dass es den Halbmarathon schneller absolviert als die bisher schnellste Walkerin. Eine Wette, die vor allem durch die Begleitbedingungen spannend wird.

12.04.2019