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Altenburg Altenburg: Alte Armeehäuser verschwinden
Region Altenburg Altenburg: Alte Armeehäuser verschwinden
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19:50 25.01.2015
Parteifreunde: OB Michael Wolf begrüßt Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Quelle: Mario Jahn

Michael Wolf (SPD) habe Visionen für die Stadt entwickelt und konkrete Projekte benannt, meinten beide unisono.

Der Rathauschef, der seine wohl wichtigste Rede im Jahr in Nachtarbeit zu Papier gebracht hatte, sparte Freitagabend im Goldenen Pflug vor mehr als 500 Gästen den Blick zurück weitgehend aus und sprach stattdessen von den Herausforderungen des neuen Jahres. Und er nahm Kreis, Land und Bund in die Pflicht, die Kommunen endlich auf finanziell sichere Füße zu stellen. Denn auch 2015 stehe Altenburg vor einer "schmerzhaften Haushaltskonsolidierung", beklagte Wolf. Trotz Sparmaßnahmen könne die Stadt derzeit keine neuen Mitarbeiter einstellen, frei gewordene Stellen müssten wegfallen oder unbesetzt bleiben. "Dies führt natürlich zu Qualitätseinschnitten in der Arbeit der Stadtverwaltung." Wolf forderte von der neuen rot-rot-grünen Regierung "einen fairen und auskömmlichen kommunalen Finanzausgleich" und vom Landkreis, die Aufwärtsspirale der von den Städten und Gemeinden abzuführenden Kreisumlage zu stoppen.

Wichtigen Unternehmen der Stadt reichte Wolf die Hand. Der Schlachthof der Südost-Fleisch GmbH als größter privater Arbeitgeber in Altenburg werde "nach allen Kräften" unterstützt, um die Schlachtmenge von täglich 660 Tonnen nachhaltig zu sichern. Handlungsbedarf bestehe auch bei der Spielkartenfabrik, die am jetzigen Standort an der Kapazitätsgrenze sei. "Im Gespräch sind die ehemalige Fräger-Immobilie oder ein Neubau im Gewerbegebiet", sagte Wolf. Auch für die Erweiterung der Senffabrik würden die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen.

Ein Investor sei für den Einzelhandelsstandort Nordost gefunden worden, informierte Wolf. Die Unternehmensgruppe Saller plane dort einen großflächigen Neubau und wolle zugleich den innerstädtischen Bereich gegenüber dem Areal am Markt bebauen, einschließlich eines Parkhauses. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht des Investors würden beide Projekte einander bedingen, so Wolf. "Der Stadtrat hat es in der Hand, den Einzelhandelsstandort Altenburg durch beide Großinvestitionen nachhaltig aufzuwerten und gegenüber dem sogenannten Speckgürtel der Stadt wettbewerbsfähiger zu machen." In dem Zusammenhang sprach sich der Rathauschef auch dafür aus, Reglementierungen in der Innenstadt abzuschaffen, "um einen neuen Investitionsschub zu bekommen".

Wolf kündigte an, dass sich die Stadt im Schloss erstmals an die Sanierung einer Außenfassade heranwagen wolle. Die Erneuerung der Wand gegenüber dem Landestheater werden 2015 planerisch vorbereitet und im Jahr darauf umgesetzt. Von den drei großen Bauprojekten Ernestinum, Marstall und Schlosskirche könne die Stadt aber nur eines "konsequent fortführen", sagte der OB mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Städtebaufördermittel. Er schlage den Ausbau des Ernestinums mit Bibliothek, Barbarossa-Stiftung und einer eventuellen Nutzung durch das Familienzentrum der Brüderkirche vor. "Alles auf einmal geht nicht, so groß die Wunschliste auch sein mag." Den drei Millionen Euro für das Ernestinum stünden über zehn Millionen Euro für den Ausbau des Marstalls und fünf Millionen Euro für die Sanierung der Schlosskirchenfassade gegenüber.

Nachdem 2014 in der Kauerndorfer Allee das alte Armeegebäude von der Bildfläche verschwand, hat die Stadt Wolfs Worten zufolge nun auch "den letzten Schandfleck zerfallender Armee-Liegenschaften erwerben können": die ruinösen Häuser in der Leipziger Straße. Sie sollen in den nächsten Monaten abgerissen werden. Das Gelände sei danach zur Aufforstung vorgesehen.

Offenbar sind die Weichen auch für den Verkauf von Hallenbad und Freibad gestellt. Wie Wolf erklärte, wolle die Stadt beide Freizeiteinrichtungen in diesem Jahr an die Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) veräußern, die auch das Personal übernehmen soll. Neben steuerlichen Aspekten sei damit der Weg für weitere Investitionen frei.

Altenburg habe große Potenziale im kulturellen und touristischen Bereich, schwenkte der OB auf ein anderes Thema. Ohne den zweiten Arbeitsmarkt seien das Schloss und dessen Museum in seiner Attraktivität aber ernsthaft gefährdet. Wolf ermahnte das Jobcenter, mehr Engagement an den Tag zu legen. Bezüglich des Lindenau-Museum appellierte er an den Landkreis, sich an der Sanierung zu beteiligen, und an den Freistaat, endlich eine auskömmliche Finanzierung zu sichern. Auch das Theater stehe vor einem Schicksalsjahr, sagte Wolf. Ohne zusätzliches Geld vom Freistaat bei gleichzeitig klammen Kassen der Gebietskörperschaften sei es in seiner jetzigen Form nicht zu erhalten.

© Kommentar

Frank Prenzel

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