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Altenburg: Betriebe bleiben auf Lehrstellen sitzen

Ausbildungsmarkt Altenburg: Betriebe bleiben auf Lehrstellen sitzen

Die Arbeitsagentur Altenburg-Gera hat jetzt Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2014/15 gezogen. Danach sind so gut wie alle Bewerber, die über die Arbeitsbehörde einen Ausbildungsplatz suchten, unter den Hut gekommen. In ganz Ostthüringen waren zum Ende des Ausbildungsjahres Ende September noch 87 Jugendliche unversorgt, im Altenburger Land gerade mal sieben.

Bei Fräger wird der Beruf des Zerspaners gelehrt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Die Arbeitsagentur Altenburg-Gera hat jetzt Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2014/15 gezogen. Danach sind so gut wie alle Bewerber, die über die Arbeitsbehörde einen Ausbildungsplatz suchten, unter den Hut gekommen. In ganz Ostthüringen waren zum Ende des Ausbildungsjahres Ende September noch 87 Jugendliche unversorgt, im Altenburger Land gerade mal sieben. Während die Situation für die Schulabgänger und Altbewerber wie schon im Vorjahr komfortabel war, haben die Unternehmen mit dem demografischen Knick zu kämpfen. In Ostthüringen blieben 226 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt, im Altenburger Land waren es 52. Dabei wurden sogar deutlich weniger Lehrstellen über die Agentur angeboten als im Jahr zuvor. Zwischen Lucka und Ponitz standen 64 Ausbildungsstellen weniger zur Verfügung, ein minus von 10,4 Prozent. In Ostthüringen waren es 259 weniger.

In und um Altenburg standen rein statistisch pro Bewerber 1,5 Stellen zur Verfügung, wobei über die Arbeitsagentur nur ein Teil des Ausbildungsmarktes abgebildet wird. 377 junge Leute hatten sich von Oktober 2014 bis September 2015 im Altenburger Land an die Behörde gewandt (Ostthüringen: 1811), um beruflich durchzustarten. Dem standen 552 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber (Ostthüringen: 2368). „Das ist komfortabel für die jungen Leute, nicht aber für die Unternehmen“, sagt Agentursprecher Carsten Rebenack. Es habe viele Bemühungen gegeben, Personalchefs dazu zu bringen, auch Bewerbern mit schlechteren Zensuren eine Chance zu geben. „Durch Motivation können Jugendliche an schulischen Leistungen viel wettmachen.“ Zudem könne die Agentur Unternehmen durch Ausbildungsplatz begleitende Maßnahmen unterstützen.

Was auffällt: Etwa ein Drittel derjenigen, die im zurück liegenden Jahr im Altenburger Land via Agentur einen Ausbildungsplatz suchten (31,6 Prozent), waren sogenannte Altbewerber. Jugendliche also, die nicht zum ersten Mal anklopfen. „Das mag hoch klingen, wir waren aber schon mal bei fast 50 Prozent“, sagt der Agentursprecher. Zudem sei das differenziert zu betrachten. Seinen Worten zufolge handelt es sich nicht nur um leistungsschwache und unmotivierte Jugendliche, die es schwer haben, eine Lehrstelle zu finden. Es gebe vielmehr viele Gründe. Manche würden zunächst ein freiwilliges Jahr absolvieren, andere das Studium abbrechen oder die Entscheidung auf die lange Bank schieben. Zwei Drittel der Ausbildungsplatzsuchenden hatten aber in diesem Jahr die Schule beendet.

Vermutlich blieben auch deshalb so wenige Bewerber unversorgt, weil die jungen Leute keinen Blütenträumen nachjagen. Bei ihren Berufswünschen orientieren sie sich nach wie vor am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Im Altenburger Land standen diese Berufswünsche an erster Stelle: Kaufmann/frau für Büromanagement, Verkäufer/in, Kfz-Mechatroniker/in, Fachlagerist/in, Koch/Köchin, Kaufmann/frau im Einzelhandel, Medizinische/r Fachangestellte/r, Zerspanungsmechaniker/in. Rebenack weiß, das etwa bei den Kfz-Berufen die Nähe zu den Autoherstellern in Zwickau eine große Rolle spielt. Aber auch Modeberufe würden durchschlagen. „Die TV-Shows sind nicht zu unterschätzen“, sagt Rebenack mit Blick darauf, dass etwa recht viele junge Leute an den Herd wollen. Er empfiehlt aber, sich mit Hilfe eines Praktikums vorab einen Einblick in die reale Berufswelt zu verschaffen. Jedenfalls stimmen die Wunschvorstellungen der Jugendlichen mit dem Angebot überein. Im Altenburger Land gehörten dieses Mal folgende Berufe zu den meist angebotenen Ausbildungsstellen: Gießereimechaniker/in, Zerspanungsmechaniker/in, Koch/Köchin, Kaufmann/frau für Büromanagement, Industriemachaniker/in, Fachkraft für Lageristik, Elektroniker/in, Verkäufer/in.

Das Geschlecht drückt bei der Berufswahl indes nach wie vor durch. Laut Agentur wählen Jungen vor allem technische und handwerkliche Berufe, während Mädchen Büro- und Verkaufs- sowie medizinische Berufe favorisieren.

Noch bis Jahresende setzt die Arbeitsagentur mit den Kammern und Verbänden ihre Vermittlungen fort. „Allen jungen Leuten, die das möchten, kann ein Angebot unterbreitet werden, auch wenn sich der Wunschberuf nicht immer realisieren lässt“, so Rebenack. Auch Unternehmen, die noch einen Lehrling suchen, sei der Vermittlungsdienst der Agentur empfohlen.

Von Frank Prenzel

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