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Altenburg: Bio-Landwirtschaft stagniert

Altenburg: Bio-Landwirtschaft stagniert

Nach einer aktuellen Studie des Vereins Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft nimmt in Deutschland der Bio- oder Ökolandbau weiter stetig zu. Demnach sei die heimische Öko-Fläche im Jahr 2014 um 28 331 auf 1 089 000 Hektar gewachsen.

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Hans-Jörg Schäffner, vom gleichnamigen Bio-Betrieb in Garbus, begutachtet den Dinkel.

Quelle: Mario Jahn

Das entspricht einem Anstieg um 2,7 Prozent. In ähnlichem Umfang sei die Zahl der Betriebe deutschlandweit gestiegen, ist dieser Studie ebenso zu entnehmen. Das bestätigt auch der Arbeitskreis Biomarkt und rechnet vor, dass er 2014 ein Umsatzplus bei Bio-Lebensmittel und -Getränken von rund 4,8 Prozent erreicht hat. Insgesamt würden mit Bio-Produkten jährlich etwa 7,91 Milliarden Euro umgesetzt.

 

Jedoch scheinen diese Trends einen Bogen um das Altenburger Land zu schlagen. Denn hier sind die Zahlen der Betriebe und mithin der Anbauflächen in den vergangenen zehn Jahren nahezu stabil geblieben. So ist nach wie vor nur ein einziger Landwirt im Kreisbauernverband organisiert, der wenigstens teilweise Bio-Produkte herstellt. "Ich kenne auch keinen weiteren Landwirt in unserem Verband, der plant, seine Produktion auf Bio umzustellen", so Kreisbauernverbandschef Bernd Apel auf OVZ-Anfrage.

 

Insgesamt gebe es im Altenburger Land derzeit nicht mehr als ein halbes Dutzend Bio-Bauern, sagt Karin Schäffner. Sie wirkte lange Zeit im Vorstand des Verbands Bio-Land und im Verein Thüringer Öko-Herz mit und führt mit ihrem Mann seit 2002 in Garbus einen der Biobetriebe im Landkreis. "Als wir angefangen haben, gab es hier nur zwei Bio-Bauern, insofern ist eine Steigerung im kleinen Rahmen schon zu erkennen."

 

Demgegenüber betont Hanjörg Bahmann: "Der Bio-Markt wächst derzeit viel schneller als die Anbaufläche." Der Pressesprecher des Großhändlers Bio-Laden, der auch das gleichnamige Geschäft in Altenburg beliefert, bestätigt den Trend, dass Verbraucher mehr und mehr bei Bio-Produkten zugreifen. Auf OVZ-Nachfrage erklärt er, sein Unternehmen hätte keine Lieferanten aus dem Altenburger Land. "Aber das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn die meisten Bio-Betriebe sind Selbstvermarkter." Beispielsweise müssten Kartoffeln nicht von Altenburg aus einmal quer durch Deutschland gefahren werden, um letztlich wieder in Altenburg zu landen. Ungeachtet dessen weiß Bahmann aus Erfahrung, dort, wo es gute Böden wie im Altenburger Land gibt, kann die Landwirtschaft sehr gute Erträge erzielen. "Damit haben die Betriebe dann aber wenig Druck, ihre Produktion umzustellen."

 

Das bestätigt im Grunde auch Ludwig Berthold. Ebenfalls seit 2002 betreibt er in Göhren eine Bio-Rinderzucht. Darüber hinaus führt er dort seit der Wende einen normalen Agrarbetrieb. "Der konventionelle Ackerbau ist einfach ertragreicher", sagt der frühere Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Alle paar Jahre stelle er beide Betriebe auf den Prüfstand und rechne aus, was am günstigsten ist. Offensichtlich hat er seit 13 Jahren mehr oder weniger das gleiche Ergebnis. Bei der Zucht von Rindern zur Fleischproduktion lohnt sich ein Bio-Betrieb, im Ackerbau eher weniger. "Die Rinderhaltung nach Bio-Anforderungen ist aber auch einfacher als Ackerbau. Vorausgesetzt, man hat die nötigen Flächen", so Berthold, der als einziger der Bauernverband-Mitglieder die Bio-Fahne hoch hält. Seine rund 400 Mutterkühe, Kälber und Bullen lässt er auf Flächen grasen, die anders landwirtschaftlich nicht nutzbar sind, etwa weil sie schlecht erreichbar sind. "Dazu bauen wir auf 308 Hektar Futter an. Auch Bio, das ist so vorgeschrieben."

 

Berthold würde schon gern den gesamten Ackerbau auf Bio-Basis betreiben. "Ich bin ja noch in einer Zeit groß geworden, in der es nur Bio-Landwirtschaft gab", meint der gebürtige Bayer. Doch das gehe heute nicht, weil es seiner Einschätzung nach eben bei Getreide und dergleichen nicht lukrativ ist. Was für ihn aber nicht unbedingt bedeutet, dass konventionell hergestellte Feldfrüchte schlechter sein müssen. Dagegen räumt er ein, dass Tiere in Bio-Betrieben durchaus ein viel besseres Leben als ihre Artgenossen in der konventionellen Haltung genießen. Wenn Berthold einkaufen geht, dann am liebsten dort, wo er weiß, wie die Lebensmittel hergestellt werden. "Da ist mir dann Bio oder Nicht-Bio ziemlich egal."

 

Regionalität ist auch das Pfund, mit dem der Bio-Betrieb Schäffner wuchert, denn er setzt seine Produkte hauptsächlich im eigenen Hofladen ab. "Wir sind noch nie auf unseren Waren sitzen geblieben, aber ich denke, das Bewusstsein der Verbraucher im Landkreis muss noch wachsen", so Schäffner. Denn mit Städten wie Jena oder gar Leipzig könne sich der Landkreis, was die Nachfrage an Bio-Produkten betrifft, noch lange nicht messen.

Jörg Reuter

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