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Altenburg: Deutschlehrer helfen Flüchtlingen

Altenburg: Deutschlehrer helfen Flüchtlingen

Behutsam fragt Katja Stiel noch einmal nach: "Was macht Graziano? Was ist er?" Doch den vier Männern am Tisch fällt es sichtlich schwer, die Antwort in dem vor ihnen liegenden Text zu finden.

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Landrätin Michaele Sojka (M.) verfolgt, wie Deutschlehrerin Katja Stiel den vier Schülern aus Afghanistan die deutsche Sprache näherbringt.

Quelle: Mario Jahn

Dann kommt es zögernd: "Ein Experte für Demenzkranke." Genau diesen Satz hat die Deutschlehrerin erwartet, jetzt klärt sie gemeinsam mit ihren Schülern, was ein Experte ist. Auch dabei brauchen die jungen Männer aus Afghanistan noch ihre Unterstützung, wenngleich sie die Erklärung schon recht flüssig lesen können.

 

Diese Situation war am Dienstag nur ein Eindruck, den Landrätin Michaele Sojka (Linke) von ihrem Besuch an der Johann-Friedrich-Pierer-Schule in Altenburg mitnahm. In gut eineinhalb Stunden bekam sie Einblicke, wie Flüchtlinge an der Einrichtung im Berufsvorbereitungsjahr die deutsche Sprache erlernen. "Ich bin erstaunt, wie gut sie sich schon verständlich machen können", sagte sie anschließend. "Ich finde gut, dass sie sich bemühen, deutsch zu lernen und einen Schulabschluss zu machen."

 

Genau dies ist das große Ziel der rund 20 Schüler, die in zwei Klassen auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Im Idealfall erlernen sie innerhalb von zwei Jahren nicht nur die deutsche Sprache, sondern haben am Ende den Hauptschulabschluss in der Tasche. Dafür stehen neben Deutschunterricht auch Allgemeinbildung, Mathematik, Sport und Fachkunde wie zum Beispiel Ernährung oder Textilverarbeitung auf dem Programm. Der Unterricht gestaltet sich, auch wenn dies gestern nicht zu sehen war, nicht immer einfach. Denn nicht kontinuierlich seien alle Schüler anwesend, beschrieb Stiel. "Die Männer müssen zum Teil ihr Leben in Deutschland organisieren und können deshalb nicht zum Unterricht kommen."

 

Wie schwierig das Leben als Asylsuchender mitunter ist, schilderte gestern der 21-jährige Anvar der Landrätin. Das Wohnen zu sechst und die Finanzen bereiten ihm zum Teil Probleme. So könne er kein Konto eröffnen, weshalb es kompliziert sei, die Rechnungen für das Internet zu zahlen. "Und wenn wir bar bezahlen wollen, müssen wir sieben bis acht Euro mehr zahlen", machte er deutlich und beschrieb, dass der Weg in die berufliche Zukunft für ihn ein steiniger ist. Zwar macht ihm das Lernen an der Piererschule Spaß, aber um ein Praktikum zu finden, sei er zu zahlreichen Läden gegangen, und keiner habe ihm einen Platz einräumen wollen. Lediglich ein Dönerladen gab ihm schließlich die Chance. Eigentlich strebt der junge Mann, der vor gut zwei Jahren nach Deutschland kam, eine Ausbildung in der KFZ-Branche an. Auf diese soll er sich an der Piererschule vorbereiten.

 

Wie groß das Interesse im Landkreis für diesen Unterricht ist, zeigte sich gestern bei einer Informationsveranstaltung. Mehr als 50 Interessierte waren gekommen, um mehr über den Bildungsgang zu erfahren. Ralf Herzer, stellvertretender Schulleiter, stellte fest: "Die Anzahl der ausländischen Schüler in den Berufsvorbereitungsklassen nimmt zu. Und auch die Bedeutung innerhalb unserer Schule wird immer größer." Auch im kommenden Jahr sollen zwei Klassen im Berufsvorbereitungsjahr für Ausländer gebildet werden. Wie viele Schüler die Schule aufnehmen wird, steht aber noch nicht fest.

Jenifer Hochhaus

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Von Redakteur Jennifer Hochhaus

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