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Altenburg: Flüchtlingskinder lernen Deutsch

Altenburg: Flüchtlingskinder lernen Deutsch

An diesem Mittwochmorgen singen die fünf Schüler zum ersten Mal ohne Lern-CD. "Wir sagen Guten Morgen. Und hören gut zu. Wir möchten gerne wissen, wer bist denn du?", geht der Text.

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Daz-Lehrerin Nana Mekokishvili (r.) und Schulassistentin Bärbel Pohl gestalten mit den Flüchtlingskindern eine Unterrichtsstunde an der Wilhelm-Busch-Grundschule.

Quelle: Mario Jahn

Auch wenn die Worte noch sehr zaghaft aus den kleinen Mündern kommen, sie finden ihren Weg.

Mehr als 150 Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden seit Beginn des neuen Schuljahres im Landkreis unterrichtet. An der Wilhelm-Busch-Grundschule in Altenburg-Nord drücken besonders viele die Schulbank, derzeit sind es 19. Sie kommen aus dem Irak, Syrien, Albanien, Palästina und Tschetschenien. Die meisten sind zwischen sechs und sieben Jahre alt und gingen bereits in ihren Heimatländern zur Schule.

Bei der Betreuung von Kindern mit Migrationshintergrund ist die Busch-Grundschule recht sattelfest. Seit vielen Jahren würden hier Mädchen und Jungen, die in der Bundesrepublik geboren wurden, aber lediglich einen befristeten Aufenthalt genießen, mit gleichaltrigen Deutschen zusammen lernen, sagt Schulleiterin Bärbel Bruns. "An unserer Schule zählen wir heute 15 ausländische Nationen." Doch die derzeit große Flüchtlingswelle stellt auch die Busch-Grundschule vor neuen Herausforderungen, für die sich die Schulchefin gewappnet fühlt: "Momentan sind wir gut vorbereitet, weil eben auch Personal da ist." Lange sei mit Schulamt und Stadtverwaltung, die sich um die Belange der Flüchtlingskinder kümmern, gekämpft worden, so Bruns. Der Hilferuf hat Resonanz gefunden: Das Lehrerteam wird mittlerweile von zwei Lehrerinnen für das Fach "Deutsch als Zweitsprache" (Daz) unterstützt, die den Knirpsen in einer Art Vorbereitungsklasse Sprachkompetenzen vermitteln. Zusätzlich ist eine Schulassistentin für Kinder mit Migrationshintergrund im Einsatz. Sie betreut die Klassen und fördert den Kontakt zu den Eltern.

Das Tagespensum ist bunt gemischt. Zwei bis drei Unterrichtsstunden verbringen die Flüchtlingskinder, aufgeteilt in kleinen Gruppen, in Daz-Kursen. Im weiteren Verlauf des Vormittags geht es für sie in die sogenannten Stammgruppen - ein spezielles Unterrichtkonzept der Grundschule, in dem die Schüler jahrgangsübergreifend lernen. Maximal vier Flüchtlingskinder kommen in so eine Stammgruppe. "Die Kinder helfen sich in den einzelnen Fächern untereinander, bilden aber auch separate Lerngruppen oder werden zum selbstständigen Lernen angeleitet", sagt Bruns. Nach dem Unterricht wechseln die Flüchtlingskinder wie die anderen Schüler zum Hort.

Die Knirpse haben sichtlich Spaß. Ihm gefalle es hier, sagt Ahmed aus Syrien. Der Sechsjährige mag Sport am liebsten, weil man dort nicht schreiben müsse. Für Maria aus Palästina ist das einerlei. Wenn sie eine Aufgabe habe, mache sie das gerne, egal was, so die Siebenjährige.

"Die Kinder sind so ehrlich und bringen Freude mit. Das ist wie bei einem Handyakku. Man kommt leer her und geht aufgeladen nach Hause", sagt Daz-Lehrerin Nana Mekokishvili. Aber es gibt auch Momente, da fällt die Arbeit schwer. Immerhin haben die Flüchtlingskinder schlimme Dinge erlebt, waren lange Zeit auf der Flucht und sind teilweise traumatisiert. Unter ihren Schützlingen gebe es beispielsweise einen Jungen, erzählt Mekokishvili, der die Erschießung eines Verwandten mitbekommen hat. "Ruckartige Bewegungen sind gar nicht gut. Man muss ihn dann ganz sanft anfassen, damit er sich nicht erschreckt", sagt sie. Auch Belustigung spielt bei Ablenkungen von Schmerz und Ängsten eine bedeutende Rolle. Das muss Mekokishvili aber nicht mit Händen und Füßen machen. Die gebürtige Georgierin beherrscht vier Fremdsprachen. Neben Georgisch sind das Arabisch, Russisch und Türkisch. Ein Glücksfang auf beiden Seiten - für die Schüler und Lehrer.

Victoria Graul

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