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Altenburg-Geraer Theater rüstet sich für ungewisse Zeiten

Gewinn für drohende Verluste Altenburg-Geraer Theater rüstet sich für ungewisse Zeiten

Das Altenburg-Geraer Theater bereitet sich auf ungewissere Zeiten vor. Um für „Unwägbarkeiten bis 2021“ besser gerüstet zu sein, wie es heißt, will die Intendanz die rund 859 000 Euro Gewinn aus dem Jahr 2016 in die Rücklage einstellen. Dem muss der Kreistag des Altenburger Landes noch zustimmen. Im Altenburger Stadtrat wurde das bereits heiß diskutiert.

Weil das Theatergebäude in Altenburg ab 2019 saniert wird und für anderthalb Jahre schließt, rechnet die Intendanz mit Verlusten. Um diese aufzufangen, will man nun Geld zurücklegen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Der Kreistag des Altenburger Landes hat heute unter anderem über den Geschäftsbericht des Altenburg-Geraer Theaters für das Jahr 2016 zu befinden. Dieser weist mit rund 859 000 Euro einen leicht niedrigeren Gewinn aus als im Vorjahr (knapp 876 000 Euro). Diesen will die TPT Theater und Philharmonie Thüringen GmbH wiederum in die Gewinnrücklage einstellen, um für „Unwägbarkeiten bis 2021“ besser gerüstet zu sein „und/oder ein Polster für die nächste noch unbekannte Finanzierungsperiode“ zu haben, wie es in dem Dokument heißt.

Was darunter konkret zu verstehen ist, erklärte Volker Arnold. „Ein Risikofaktor ist die unbekannte Tarifsteigerung ab Februar 2018“, so der kaufmännische TPT-Geschäftsführer. „Wir gehen von 2,5 Prozent aus, aber es geistern Zahlen herum, die deutlich höher sind.“ Zudem gebe es Umsatzrisiken aus Baumaßnahmen. So solle das Altenburger Haus ab 2019 umfänglich saniert und umgebaut werden und auch im Geraer Puppentheater sind Arbeiten geplant, die jedoch zeitlich noch nicht feststehen. „Hinzu kommt noch der Fachkräftemangel, vor allem im technischen Bereich.“

All das könnte dazu führen, dass die TPT ab 2019 trotz steigender Zuschüsse vom Land und den Gesellschaftern Verluste in Millionenhöhe einfährt. Genau dafür will man gerüstet sein, um die Existenz des Theaters nicht zu gefährden. Stimmt der Kreistag zu, wandert der Überschuss in die Rücklage und erhöht diese auf gut 3,8 Millionen Euro. Denn die Ausschüsse des Geraer Stadtrats und der Altenburger Stadtrat haben dem Geschäftsbericht samt Gewinnverwendung bereits zugestimmt. Das musste sein, weil das Theater zu 60 Prozent der Stadt Gera und zu je 20 Prozent der Stadt Altenburg und dem Landkreis Altenburger Land gehört.

Allerdings entzündete sich im Gremium der Skatstadt eine Diskussion. Diese drehte sich jedoch nicht um das abgelaufene Geschäftsjahr, sondern vielmehr um die Zukunft. Denn neben der Bilanz sowie dem Wirtschafts- und Stellenplan 2018 stand dort vergangene Woche auch die Planung für die Geschäftsjahre bis 2022 zur Debatte.

„Mit der Mittelfristplanung habe ich ein großes Problem“, sagte FDP-Stadtrat Detlef Zschiegner angesichts des relativ unsicheren Zahlenwerks. So könne niemand sagen, wie der Landeshaushalt 2022 aussehe, und dennoch gehe man von deutlichen Steigerungen der Zuschüsse des Landes und der Gesellschafter aus. „Das sehe ich kritisch. Zumal wir nicht wissen, wann die Bauarbeiten fertig sind.“ Derzeit geht die TPT von einer anderthalbjährigen Schließung des Hauses in Altenburg ab Anfang 2020 aus. Vorher soll es nur Einschränkungen geben.

Was Zschiegner jedoch überhaupt nicht gefiel, sind die ausgewiesenen Verluste. Demnach plant das Theater von 2019 bis 2022 mit einem Minus von insgesamt etwa 5,7 Millionen Euro. „Das ist relativ heftig und lässt den Weg zum Flächentarifvertrag unrealistisch erscheinen“, kritisierte der Liberale, der am Ende aber als einziger gegen den Mittelfristplan stimmte. Außerdem würden die Verluste noch größer, wenn die Gesellschafter die Zuschüsse nicht steigern können. „Dann wären es allein in drei Jahren 7,6 Millionen Euro Verlust. Da müssen wir ab sofort versuchen gegenzusteuern.“

Eine Forderung, die Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) auf den Plan rief. „Der Fakt ist korrekt“, sagte der TPT-Aufsichtsratschef. „Aber die Schlussfolgerungen kann ich nicht nachvollziehen.“ Zugleich warnte er davor, Stimmung gegen das Theater zu machen. Man könne nur den Weg gehen, „die überaus erfolgreiche Arbeit fortzusetzen, mit der wir Rücklagen gebildet haben und die in Richtung 2019/20 aufgebraucht werden. Wir liegen voll im Plan und es gibt keinerlei Anzeichen, dass dieser nicht umsetzbar ist.“

Trotz des etwas geringeren Gewinns, der jedoch nur bilanzielle Gründe hat, war 2016 für die TPT ein erfolgreiches Jahr. So übertraf man den eigenen Wirtschaftspan beim Kartenverkauf, Abonnement und Gastspielen um 39 Prozent. Im Ergebnis besuchten knapp 143 000 Menschen die 929 Veranstaltungen des Altenburg-Geraer Theaters – ein Plus von über 2500 Besuchern bei über 60 Veranstaltungen mehr als 2015. Damit blieb die Auslastung mit 76,6 Prozent fast identisch (2015: 76,9 Prozent). In der Folge wuchsen die Umsatzerlöse um gut 300 000 Euro auf knapp 2,04 Millionen Euro, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die TPT auch 2016 fast 18,4 Millionen Euro an Zuschüssen vom Land und den Gesellschaftern brauchte.

Von Thomas Haegeler

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