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Altenburg-Geraer Theater stellt Klassenzimmerproduktion "Freitag & Robinson" vor

Altenburg-Geraer Theater stellt Klassenzimmerproduktion "Freitag & Robinson" vor

Man muss nicht die sozialhistorische Keule schwingen, um ein brisantes Thema wie Kolonisation und Kampf der Kulturen geschickt und in seiner Vielschichtigkeit anzupacken.

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Wer beobachtet hier wen? Freitag (Quelgo Téné, l.) schaut sich die sozialen Merkwürdigkeiten des Weißen ebenso an, wie Robinson (Ralph Jung) ihn genau studiert. Im Stück erzählt Freitag die Geschichte von Robinsons Landung auf der Insel aus seiner Perspektive.

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg. Von Tatjana Böhme-Mehner

Mit Fellmütze unter dem Sonnenschirm - so kennt man ihn. Robinson, jenen Sonderling, den es als Schiffbrüchigen auf eine einsame Insel verschlug. Man verbindet etwas mit dem Helden aus Daniel Defoes Roman. Dieses Buch ist Sinnbild einer ganz spezifischen kulturellen Selbst- und Fremdkonstruktion. Es ist Robinson, der meint, dem schwarzen Eingeborenen als Heilsbringer Kultur beibringen zu müssen. Doch ist das wirklich so? In der Inszenierung erzählt Freitag seine Geschichte den Menschen seines Stammes - das ist der Rahmen, aus dem sich eine sonderbare Beziehungsgeschichte entspinnt.

Vielsagend und bildend ist die Handlung, die den Zuschauer so unmittelbar erreicht, dass es keiner großen Erklärung und keines erhobenen Zeigefingers bedarf. Nanna Przetaks Inszenierung ist frisch und bis aufs letzte Detail durchgearbeitet, diskutiert auf wenig Raum große kulturelle Konflikte - mit Tiefgang, doch ohne dass man dabei einen dicken Kopf bekommen muss. Das funktioniert, weil Geschichte und Spiel die jungen Zuschauer ernstnehmen, sie im Perspektivwechsel mitnehmen, ohne vorzugeben, dass man es besser wüsste als die Schüler, für deren Klassenzimmer das Stück gedacht ist.

Ohnehin ist es eine Form von Besserwisserei, um die es hier geht: Xenophobie, die Angst vor dem Fremden, die dazu führt, dass jemand sich für etwas Besseres hält, ist das Thema dieses Stückes. Und die Ungewissheit, die Menschen dazu bringt, den Anderen die eigene Kultur aufzuzwingen, wird thematisiert.

Witzig entwickeln die Darsteller die absurden Situationen kultureller Begegnung. Themen wie Konflikt und Religion werden in diesem frechen Spektakel geschickt angepackt. Sport, Sportsgeist, der Wettkampfgedanke als kulturelles Problem - vieles wird hier auf sympathische Weise thematisiert. Und wie immer, wenn Ouelgo Téné aus Burkina Faso auf der Bühne steht, wird Spiel zu Rhythmus, Sprache zu Bewegung und Theater zu einer neuen Form kollektiver Erfahrung. Liebenswert und intensiv gestaltet er die Rolle des vom Eroberer als "Wilden" wahrgenommenen Ureinwohners, der den Weißen wiederum mit all dessen sozialen Merkwürdigkeiten beobachtet. Das ist vergnüglich und aufschlussreich.

Ralph Jung als Robinson stellt dem ebenso originell den Prinzipienreiter aus der christlichen Zivilisation entgegen. Da werden die Extreme zwischen urkomisch und erschreckend ausgereizt, wobei die Grenzen manchmal verblüffend fließend sind.

Das Stück kann die Schüler packen - eben weil es in seiner Vielschichtigkeit unterschiedliche Zugänge ermöglicht. Nicht oft gelingt es so wirkungsvoll, gleichermaßen pädagogischen Anspruch und richtig gutes temporeiches Theater zu verbinden. Ein großer Spaß nicht nur für die jungen Zuschauer, an die sich dieses Angebot besonders richtet.

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