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Altenburg Altenburg: Hilfe für Süchtige reicht nicht
Region Altenburg Altenburg: Hilfe für Süchtige reicht nicht
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00:36 17.07.2015
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Zu diesem Ergebnis kommen Fachleute sowohl in der Altenburger Klinik für Psychiatrie als auch im psychosozialen Diakoniezentrum Horizonte, das Drogenkranke seit vielen Jahren betreut.

Die Mängel auf diesem Gebiet sind dem Kreistag bekannt. Denn bereits im Bericht des Psychiatriebeirats, der den Volksvertretern kürzlich verlesen wurde, schlugen die Experten Alarm. Der Drogenmissbrauch beginne bereits mit 13 oder 14 Jahren. "Geeignete Strukturen für junge Suchtmittelkonsumenten sind derzeit im Landkreis nicht vorhanden", redete Klinik-Chefarzt Dr. Christian Schäfer Klartext, der den Bericht verfasst hatte. Diese Sucht lasse Menschen zurück, die unfähig sind, für sich oder für ihre Kinder das Leben einigermaßen zu meistern. Sie werden von einer Hilfseinrichtung zur anderen weitergereicht und vom Amtsgericht des Öfteren einfach für nicht betreuungsfähig erklärt. Diese unheilige Allianz von Sucht, frühen Strukturstörungen und der Weitergabe an verschiedene Leistungsträger führe zu hohen Kosten, "ohne dass oft ein Erfolg gesehen werden kann. Zeichen dieser Strukturstörung sind auch in der hohen Beschaffungskriminalität in Altenburg zu sehen", sagte Schäfer.

Über ungeeignete Betreuungsstrukturen wurde kurz darauf auch der Jugendhilfeausschuss des Kreistages informiert. "Sucht und Drogen sind kein neues Thema, sondern begleiten uns schon viele Jahre", sagte Frank Böhning, Geschäftsführer der evangelischen Lukas-Stiftung Altenburg, zu der Klinik und Horizonte gehören. Allerdings sei das Thema erst seit zwei, drei Jahren in der Öffentlichkeit angekommen. "Sucht und Drogen sind zu weit weg von unserer Lebenswirklichkeit", mahnte er. Nun müsse es darum gehen, nachhaltige Angebote für Behandlung, Hilfe und Perspektiven zu etablieren.

Doch hier gibt es Lücken, wie Jan Westphal, Geschäftsführer der Horizonte, betonte. Wohnortnahe Angebote zur Entgiftung für unter 18-Jährige seien nicht vorhanden, die Patienten müssten dafür weite Wege auf sich nehmen. Probleme gebe es ebenso in der ambulanten Rehabilitation. Die Therapie mittels Ersatzdrogen (Substitution) sei nur in Leipzig möglich. Hier wolle man einen Hausarzt motivieren oder ein Angebot in einem medizinischen Versorgungszentrum schaffen, sagte Westphal.

Auf eine problematische Behandlungslücke von bis zu drei Monaten zwischen der Entlassung aus einer Suchtklinik und dem Beginn der Entwöhnung machte Dr. Stefan Krüger aufmerksam. Der Experte für Suchterkrankungen in der Altenburger Klinik für Psychiatrie erklärte auch, warum dies bei ihm bekannten Fällen so war: Der von den Krankenkassen verlangte Motivationsnachweis konnte von den Patienten nicht beigebracht werden.

All diese ungelösten Fragen bezeichnete Frank Böhning als sehr ernstes Thema, bei dem die Verantwortlichen zu wenig Ideen austauschen würden und wo es zu viel Angst vor Widerständen gebe.

Jens Rosenkranz

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