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Altenburg: Kinderkombi ist verkauft

Altenburg: Kinderkombi ist verkauft

Daran hat selbst Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) nicht mehr geglaubt: Das Grundstück Albert-Levy-Straße 59a im Norden der Stadt fand doch noch einen Käufer.

War schon für den Abriss freigegeben - der Gebäudekomplex in der Levystraße. Jetzt wird er saniert.

Quelle: Mario Jahn

Dabei waren die Fördergelder für den Abriss schon genehmigt. Denn die 1975 in Plattenbauweise geschaffene Kinder-Kombination - man erinnert sich: der DDR-Begriff für Krippe und Kindergarten unter einem Dach - steht seit fünf Jahren leer. Keine der Nachwende-Nutzungen, von der Umweltbibliothek bis hin zu verschiedenen Sozialeinrichtungen, war von Dauer. Mehrfach kam es zu Einbrüchen und Beschädigungen.

 

Jetzt aber hat der Gebäudekomplex - ein miteinander verbundener Ein- und Dreigeschosser - doch eine Zukunft. Er wird zu einer Einrichtung für betreutes Wohnen umgebaut. Investor ist der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, der sich sein Vorhaben rund zwei Millionen Euro kosten lässt.

 

"Wir sehen im nahe gelegenen Nordplatz ein großes Potenzial für die Zukunft. Erstens will ihn die Stadt bekanntlich deutlich aufwerten, und zweitens haben wir dort seit vielen Jahren unser Pflegeheim", begründet Kreisverbands-Geschäftsführer Ulf Müller die Kauf-Entscheidung, die nach einer positiv ausgefallenen Machbarkeitsstudie getroffen wurde.

 

Die erst vor acht Wochen im DRK-Heim neu eröffnete Tagespflege mit 18 Plätzen, die schon jetzt fast alle belegt sind, heißt nicht von ungefähr "Tagespflege am Nordpark". Es gebe sehr viele Leute, die vor 30 oder mehr Jahren in das ehemalige Neubaugebiet gezogen sind und nun auch ihren Lebensabend dort verbringen, aber nicht in ein Heim wollen. "Ihnen machen wir jetzt ein Angebot", sagt Müller.

 

Und zwar ein besonderes. Das Rote Kreuz will zurück zur ursprünglichen Form des betreuten Wohnens. Das heißt: Soviel Betreuung wie nötig, nicht wie möglich. "Wir wollen keine Sozialleistungs-Verkaufseinrichtung sein. Den Menschen soll ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden, auch wenn sie schwer krank sind und eine Pflegestufe haben", erläutert der Geschäftsführer. Deshalb werden entgegen dem aktuellen Trend alle 26 Wohnungen zwei Zimmer haben und rund 60 Quadratmeter groß sein. Jede hat Balkon oder Terrasse und ist barrierefrei, selbst die Bäder werden behindertengerecht gebaut.

 

"Die Gruppenzimmer für die Kinder hatten zu DDR-Zeiten rund 40 Quadratmeter. Hier knapsen wir nur wenig ab, so dass wirklich schöne, große Wohnzimmer entstehen", gerät Ulf Müller selbst ins Schwärmen. So werde die Privatsphäre der älteren Menschen geschützt, ein Gast beim Besuch beispielsweise nicht direkt mit dem Pflegebett konfrontiert. Selbstverständlich gebe es auch Gemeinschaftsräume, Angebote zur Freizeitgestaltung sowie Platz für Friseur oder Physiotherapie.

 

Derzeit ist das DRK in der Planungsphase. Mit einem Baubeginn wird, wenn alles klappt, im ersten Quartal 2016 gerechnet. Auf einen möglichen Fertigstellungstermin aber will sich Müller noch nicht festlegen.

 

"Ich freue mich sehr, dass das DRK das Grundstück gekauft hat. Es wertet das Areal auf, und wir können die Fördermittel nun für den dringend notwendigen Abriss des Gebäudes am Nordplatz 13 verwenden", sagt ein sichtlich zufriedener Oberbürgermeister. "Manche Dinge dauern eben etwas."

Ellen Paul

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