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Altenburg: Kleingärtner wollen junge Nachbarn nicht mehr missen

Gartenarbeit Altenburg: Kleingärtner wollen junge Nachbarn nicht mehr missen

Einer Arbeit gingen sie bislang allesamt nicht nach, Lehren haben sie abgebrochen, so sie überhaupt eine begonnen haben. Im Institut für Sozialarbeit haben in den zurückliegenden zwei Jahren rund 20 junge Leute sozusagen wieder einen strukturierten Tagesablauf gelernt. Und sie konnten am praktischen Objekt eigene schlummernde Talente entdecken.

Sind mit Feuereifer dabei, „ihren“ Garten zu gestalten : Daniel (l.) und Matias. Immer mit dabei ist auch Betreuer vor Ort Joachim Rohland (M.).

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Das trübe Herbstwetter mit eisigem Schneeregen passt so gar nicht zu der ausgemacht sonnigen Stimmung, die im Garten mit Nummer 20 in der Altenburger Kleingartenanlage „Bergmannsfreud“ herrscht. Hier sind Nachbarn, Vorstand, Projektträger und die in dem ganz speziellen Programm betreuten jungen Leute zusammen gekommen, um nach knapp zwei Jahren Laufzeit eine Art Zwischenbilanz zu ziehen. Eigentlich stand diese Parzelle Nummer 20 wie andere in der Sparte gleich am Jüdenbach seit langem leer. „Einen entsprechend traurigen Eindruck machte der Garten, war halt verlassen und verwildert“, erinnert sich Spartenchef Hans-Joachim Schön an den Zustand Ende März 2015.

Eine mögliche Lösung der Misere versprach jenes Projekt vom Institut für Sozialarbeit Schmidt, das eine Außenstelle im Gewerbepark „Alte Fabrik“ in der hiesigen Ebertstraße betreibt und dort versucht, jungen Leuten aus sozialen Randschichten einen einigermaßen geordneten Start ins Ausbildungs- und Berufsleben zu ermöglichen, nachdem sie zuvor bereits ein- oder mehrfach damit Schiffbruch erlitten. Schwierige Verhältnisse also.

Und deshalb sei es auch nicht verwunderlich gewesen, dass andere Kleingärtner in der Anlage alles andere, als begeistert waren, als diese Pläne bekannt wurden. Immerhin stand da ein Trupp junger Leute vor dem Anlagentor, der nicht selten auch Bekanntschaft mit der berühmten schiefen Bahn gemacht hat.

Zwei Jahre später scheinen sich diese Vorbehalte regelrecht in Luft aufgelöst zu haben. „Wir wollen die jungen Leute, die hier in ungenutzten Gärten mit anpacken, nicht mehr missen. Sie sind eine Bereicherung in unserer Anlage und vielleicht haben sie durch ihre praktische Arbeit auch die Lust an einem eigenen Kleingarten für sich entdeckt“, sagt der Spartenchef – und alle Nachbarn bestätigen dies.

Was die dort beschäftigten jungen Männer in dem Garten geschaffen haben, kann sich wirklich sehen lassen: Die Wege sind ordentlich angelegt, der Rasen akkurat gestutzt, neue Bäume gepflanzt und ein Gewächshaus neu gebaut. Auch die Laube erstrahlt in frischem Anstrich und ist im Inneren sogar mit Wandmalereien verziert. Auch so ein verborgenes Talent, das ein Teilnehmer der Maßnahme beim Werkeln für sich entdeckte. „Am praktischen Objekt haben sie hier wieder gelernt, was man alles mit eigener Hände Arbeit schaffen kann und haben einen strukturiertes Leben gehabt“, sagt der zuständige Lehrmeister Norbert Dorn, den Ausbilder Joachim Rohland vor Ort als dauerhaft präsenter Bezugspunkt unterstützt. „Und es war wirklich bemerkenswert, welche Kreativität die Schüler hier entfaltet haben, wie sie sich in die Aufgabe hinein knieten. Ja, und wie stolz sie letztendlich waren, als alles geschafft war. Das war ihre Sache“, ergänzt Rohland, während er frisch gebackenen Kuchen anbietet, den der 26-jährige Daniel höchstpersönlich gebacken hat. „Dass der Junge mal bäckt, konnte zuvor auch niemand glauben.“

Gemeinsam mit dem 23-jährigen Martin übernimmt Daniel an diesem trüben Tag den gewichtigen Part des Grillmeisters: „Na ja, jeden Tag hat es schon nicht unbedingt Spaß gemacht. Aber insgesamt war das schon eine recht coole Sache. Und einen Job habe ich auch in Aussicht“, sagt Martin.

Und solche Erfolgserlebnisse seien das Idealziel, das das Institut für Sozialarbeit für insgesamt 20 junge Leute in so einem Durchgang anstrebt. „Die teilnehmenden Frauen und Männer erlernen in unseren Werkstätten so grundlegende Dinge, wie Holz- und Metallbearbeitung, Malen einer Küche oder den Umgang mit Computern“, erklärte der Geschäftsführer des Instituts, Hendrik Böhme. Natürlich halte nicht jeder diese Maßnahme erfolgreich durch. „Aber am Ende zählen die, die es schaffen und die einen Weg in ein geregeltes Leben finden.“

Auf jeden Fall ist eine Verlängerung des Projektes um weitere zwei Jahre schon beim Jobcenter der Agentur für Arbeit beantragt. Nur wenn von dort grünes Licht kommt, gibt es auch weiter die dafür nötigen Zuschüsse. Doch das große Bangen, dass von Seiten des Jobcenters eine Ablehnung und damit das Aus kommen könnte, ist nicht zu befürchten. Denn die Zustimmung zur Verlängerung wurde schon mündlich gegeben, liegt nur noch nicht schriftlich vor.

„Wir wären auf jeden Fall froh, wenn es weitergehen würde“, meint Spartenchef Schön und weiß sich da mit seinen Mitgliedern und Regionalverbandschef Wolfgang Preuß auf einer Wellenlänge. „Ihr habt hier gezeigt, was in euch steckt. So etwas muss weitergehen.“ Potenzielle Arbeitsobjekte, sprich leer stehende Gärten, finden sich nicht nur in der Sparte „Bergmannsfreud“ noch genügend.

Von Jörg Wolf

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