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Altenburg: Liebeskranker Zündler bekommt drittes Mal Bewährung

Acht Monate wegen Sachbeschädigung Altenburg: Liebeskranker Zündler bekommt drittes Mal Bewährung

Ein 27-Jähriger ist vor dem Altenburger Amtsgericht mit einem blauen Auge davongekommen. Obwohl der Vorbestrafte aus Liebeskummer einen Brand in einer Wohnung verursachte und gleich unter doppelter Bewährung stand, bleibt ihm erneut das Gefängnis erspart.

Zu acht Monaten auf Bewährung wegen Sachbeschädigung hat das Amtsgericht Altenburg einen liebeskranken Zündler verurteilt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Diese Geschichte handelt von großen Gefühlen. Marcel S. ist braun gebrannt, muskulös, tätowiert und gepierct – und einer vom Typ ganz oder gar nicht. Deshalb vergehen bei dem 27-Jährigen zwischen himmelhochjauchzendem Glück und zu Tode betrübtem Absturz in einer Beziehung oft nur Wochen. Der traurige Tiefpunkt Ende 2014: Aus Liebeskummer zündet er Wäsche an, will sich gar umbringen. Aber es misslingt. Für die dabei entstandene Sachbeschädigung verurteilte ihn das Amtsgericht Altenburg nun zu acht Monaten Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er noch 1200 Euro an die Freunde und Förderer der Grundschule Wintersdorf zahlen.

Kurz vor dem Jahreswechsel auf 2015 steht S.’ Leben in Flammen. Seine damalige Freundin hat offenbar einen anderen. Als sie mit einem ihm unbekannten Typen in der gemeinsamen Wohnung steht, schließt er sich am Tag vor Silvester ins Bad in der Zwickauer Straße in Altenburg ein und zündelt. Zuvor hatte er getrunken und Tabletten genommen. Weil ein ähnlich gelagerter Selbsttötungsversuch tags zuvor bereits schief gegangen war, macht er sich im Internet schlau und will mit einer Rauchgasvergiftung ganz sicher gehen. Obendrein schneidet er sich mit einem Küchenmesser auch noch die Arme auf. Allerdings ruft er zwischendrin die Polizei. Die Beamten retten ihn und verhindern Schlimmeres.

Der Suizidversuch sei ein appellativer Hilferuf gewesen, urteilte die Psychiaterin daher in ihrem Gutachten. Sie bescheinigt S., ein „impulsiver Typ“ und eine „emotional instabile Persönlichkeit“ zu sein. Er habe Defizite bei der Selbstkontrolle und in Konfliktsituationen, neige da zum Alkoholkonsum, den er herunterspielt. Aber krank im psychiatrischen Sinn sei er nicht. Allerdings reichten die Konzentration von Medikamenten und über 1,5 Promille Alkohol zur Tatzeit aus, um vermindert schuldfähig zu sein. Das ist dann auch ein Grund, warum Richter Reichenbach so urteilt, wie eingangs beschrieben.

Dass das Schöffengericht weder versuchte schwere Brandstiftung, wie Oberstaatsanwalt Horst Sauerbaum angeklagt hatte, noch eine einfache Brandstiftung, wie Verteidiger Christian Stünkel meinte, sah, begründete Reichenbach ausführlich. Das Anzünden eines Gebäudes oder eines Teils davon habe es nicht gegeben, so der Richter. Auch habe man nicht klären können, ob erst der Brand gelegt und dann die Polizei gerufen wurde oder umgekehrt. So spreche vor allem die fehlende Zerstörung von Mobiliar oder Gebäudeteilen für Letzteres. Zudem sei der Angeklagte von seinem Versuch freiwillig zurückgetreten. „Das setzt nicht voraus, dass man selbst einen Feuerlöscher in die Hand nimmt“, so Reichenbach. „Es genügt ein Telefonanruf.“

Zugute hielt der Richter dem Angeklagten außerdem „seine verzweifelte Situation“ und seine positive Entwicklung. So gerät seine Bewährungshelferin in ihrem Bericht geradezu ins Schwärmen ob der Zuverlässigkeit und des Willens des Delinquenten. Auch hat er eine Therapie gemacht, einen neuen Lebensmittelpunkt, eine neue Beziehung und wird wohl bald erneut Vater. Zu seinen Lasten gingen vor allem sieben Vorstrafen und die doppelte Bewährung, unter der er zur Tatzeit stand. „Normalerweise bricht einem das das Genick“, sagte Reichenbach. „Zumindest am Amtsgericht Altenburg.“

Obwohl Verteidiger Stünkel, der für „keine allzu hohe Freiheitsstrafe“ plädierte, als auch Staatsanwalt Sauerbaum, der zwei Jahre auf Bewährung forderte, die Sache anders beurteilten, legte niemand Berufung ein. Damit ist das Urteil bereits rechtskräftig und S. kann sich weiter darauf konzentrieren, sein Leben zu ordnen.

Von Thomas Haegeler

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