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Altenburg-Nord: Anwohner in Angst vor Flüchtlingen

Auseinandersetzung wegen Müll Altenburg-Nord: Anwohner in Angst vor Flüchtlingen

In Altenburg-Nord geht die Angst um. Grund ist ein Vorfall, bei dem Flüchtlinge einen Anwohner provoziert, beleidigt und bedroht haben sollen, weil er sie wegen illegalem Müll und Lärm angesprochen hat. Die Polizei schätzt das Vorkommnis anders ein. Die Probleme mit Müll flammen jedoch an verschiedenen Stellen immer wieder auf.

So sieht es zur schlimmsten Zeit an einigen Ecken in Altenburg-Nord aus. Hier am Müllplatz zwischen den Häusern der Otto-Dix-Straße 41 und 42.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg. In Altenburg-Nord ist derzeit einiges in Bewegung. Das Landratsamt will die Anzahl der Wohnungen für Asylsuchende bis Jahresende auf etwa 135 herunterfahren und 2018 noch weiter verringern. Das teilte Sprecherin Jana Fuchs mit. Der Grund für den Rückzug: Die Behörde ist aufgrund von Aufenthaltstiteln oder Ähnlichem für immer weniger Flüchtlinge zuständig. „Derzeit haben wir noch etwa 300 Asylbewerber in laufenden Verfahren“, so Fuchs. Termine für weitere Kündigungen in der Siegfried-Flack-Straße und anderswo gebe es aber noch nicht, so Fuchs. Anders in der Eschenstraße, wo man bereits 22 Wohnungen „gekündigt und beräumt“ hat.

In diesem Zusammenhang sorgt bei Anwohnern in Südost und Nord ein Schreiben für Aufsehen und Ärger, das in Treppenhäusern gehangen wurde. „Bei der Räumung dieser Wohnungen kam und kommt es zu Sperrmüllansammlungen, die aus dem Bereich der Unterbringung des Landratsamtes angemeldet werden“, heißt es darin. „Leider kann diese nicht immer zeitnah erfolgen.“ Das sei jedoch nicht als vorauseilende Entschuldigung gemeint, sagt Fuchs. Es gebe auch keine Hinweise, dass es der Entsorger nicht schaffe.

Das sehen Bewohner der Flack-, Otto-Dix- oder Albert-Levy-Straße anders. Insbesondere dort flammt das Müllproblem immer wieder auf. Zum Teil liegt Unrat wochenlang herum. Zudem bleibt angemeldeter Sperrmüll zuweilen länger als fünf Tage liegen, bekommt Beine oder Zuwachs. Auch räumt Altenburgs Ordnungsamtschef Lutz Meyner ein, dass man bei illegalem Müll nicht immer sofort reagieren könne, es aber versuche oder den „kurzen Dienstweg“ zu den Zuständigen bemühe.

Im Landratsamt sieht man allerdings nicht die Flüchtlinge als Kern des Problems. So wurden jüngst Einheimische dabei beobachtet, wie sie mit dem Auto vor den Asylunterkünften in der Dix-Straße 41 und 42 illegal Müll entsorgten. Da wolle offenbar jemand Stimmung machen, so Fuchs. „Wir gehen dem nach und sind in der Ermittlungsphase.“

Doch auch ohne diese mögliche zusätzliche Provokation ist die Stimmung in Teilen von Altenburg-Nord angespannt. Dabei hatte Anwohner Gerald Erdmann* eigentlich gerade wieder Hoffnung geschöpft. Er und andere Anwohner sehen sich seit Längerem mit Müllecken, Lärm und Auseinandersetzungen konfrontiert (die OVZ berichtete), für die sie Flüchtlinge zumindest mitverantwortlich machen. Daher nahm man positiv auf, dass das Landratsamt eine der größten Unterkünfte, das Haus Nummer 43, auf das vor knapp zwei Jahren ein Brandanschlag verübt worden war, bis Jahresende leer zieht – und die Städtische Wohnungsgesellschaft als Eigentümerin den Abriss plant. Erdmann glaubte, dass damit die Probleme in seinem Wohnumfeld in der Siegfried-Flack-Straße und anderen Teilen Altenburgs bald abnehmen würden.

Doch seine Hoffnung sei zerstört, er habe Angst, erzählte der Mittfünfziger der OVZ – und verwies auf einen Vorfall am 3. November. Als er nach Hause kam, habe er zwei Schwarzafrikaner an seinem Auto vorgefunden – „einer auf der Stoßstange, der andere lehnte am Wagen“, erzählt der Mann, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das Duo habe dabei mit einem spitzen Gegenstand hantiert. Als er sie aufforderte, das zu lassen, eilten weitere Männer hinzu. „Einer davon war äußerst aggressiv, hat mich auf das Übelste beschimpft.“ Dabei seien Worte wie A...loch, Saudeutscher und Sätze wie „Ich hau’ dir ein paar in die Schnauze“ gefallen.

Also rief der Altenburger die Polizei, für die sich die Situation jedoch anders darstellte. „Jemand soll verfolgt und beschimpft worden sein“, beschrieb eine Sprecherin den Auslöser des Einsatzes. „Auch nach Befragung nicht involvierter Zeugen konnten die Kollegen den Sachverhalt so nicht bestätigen.“ Zwar habe eine Person am Auto gelehnt, sich aber nach Aufforderung entfernt. Beleidigungen habe man keine feststellen können. Da Erdmann weder Anzeige erstatten noch eine Gegenüberstellung wollte, nahm die Polizei nur Personalien auf.

Der Anwohner begründet sein Verhalten mit Angst. „Unterm Strich ist der eine, der mich beschimpft hat, das Problem“, sagt Erdmann. „Dieser Rädelsführer hetzt andere auf.“ Den Vorfall mit dem Auto sieht er als Provokation, weil er und andere die Zugezogenen schon öfter wegen illegalen Mülls und Ruhestörungen angesprochen und beim Landratsamt angezeigt haben. „Geändert hat sich aber nichts.“ Auch andere Anwohner sprechen von einem einzelnen Aggressor, der maßgeblich Probleme bereite. „Die Kollegen versuchen herauszubekommen, um welche Person es sich handeln könnte“, sagte Behördensprecherin Jana Fuchs.

*Name geändert

Von Thomas Haegeler

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