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Altenburg Altenburg: Nur in einem Fall war 2016 Organspende möglich
Region Altenburg Altenburg: Nur in einem Fall war 2016 Organspende möglich
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00:19 05.06.2017
Auf dem Organspendeausweis wird vermerkt, ob im Ernstfall gespendet werden soll oder nicht. Quelle: picture alliance / dpa-tmn
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Altenburg

Nur noch 28 Organspender hat es im vergangenen Jahr in Thüringen gegeben. Das teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) diese Woche mit. Dem gegenüber stehen allein in Thüringen rund 300 Menschen, die auf eine lebensrettende Organspende warten. Ein wichtiger Aspekt auch für das Klinikum Altenburger Land, wo das Thema Organspende und -transplantation im Alltag regelmäßig auftaucht.

Bundesweit sind es etwa 10  000 Personen, die auf Hilfe durch eine Spende hoffen. Um auf die Thematik aufmerksam zu machen, begeht die DSO heute den Tag der Organspende. Auf dem Erfurter Domplatz findet dazu ein ökumenischer Gottesdienst und ein ganztägiges Programm mit Infoständen und Diskussionsrunden statt.

Grundsätzlich werden nur Organe von Patienten, bei denen ein Hirntod festgestellt wurde, für eine Spende in Erwägung gezogen. Im Klinikum Altenburger Land gab es im vergangenen Jahr zehn Fälle, in denen ein Patient als potenzieller Spender in Frage kam. Doch nur in zweien gab es eine Einverständniserklärung für eine Organentnahme, und nur ein Patient war – aufgrund der nötigen körperlichen Voraussetzungen – dafür geeignet. Transplantiert werden die Organe dann in den Transplantationszentren – etwa die Universitätsklinik Jena oder die Uniklinik Leipzig.

Auch wenn im Klinikum derzeit keine Patienten in Behandlung sind, die auf ein Spenderorgan warten, ist das Thema im Klinikalltag nicht wegzudenken. Generell würden aber sehr wenige Patienten oder Angehörige Fragen zu Organspenden stellen. Aufgrund der fehlenden Bereitschaft, sich mit der Angelegenheit auseinanderzusetzen, entstünden viele Missverständnisse und es käme zu Fehlinformationen, heißt es aus dem Klinikum. „So kommt es auch zu bedauerlichen Vorurteilen“, sagt Anett Stoll, leitende Oberärztin der neurologischen Intensivstation am Altenburger Klinikum. „So wird fälschlicherweise vermutet, dass Leberspenden für Alkoholiker verwendet werden.“ Dieser Fall werde aber schon dadurch ausgeschlossen, dass es für Transplantationen einen konkreten Anforderungskatalog für mögliche Empfänger gibt.

Auch die Thüringer Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (Vdek) ist sich der Problematik bewusst. „Vielen Menschen sind die Detailabläufe einer Organspende nicht bekannt“, sagt Armin Findeklee, Leiter der Vdek-Thüringen, im OVZ-Gespräch. Genauso wie die Unwissenheit hätten auch die Organspende-Skandale, die in jüngerer Vergangenheit nach und nach bekannt geworden sind, die Skepsis der Menschen erhöht. „Das schlägt sich leider auch auf die Spenderzahlen nieder“, resümiert Findeklee.

Seit Jahren sind die Zahlen der Organspender rückläufig. Gab es 2011 in Thüringen noch 53 Spender, waren es 2012 noch 34 und in 2016 nur noch 28. Dabei gaben rund 81 Prozent der Deutschen in einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) an, dass sie grundsätzlich für eine Organspende zur Verfügung stehen würden.

„Die wartenden Patienten sind die Leidtragenden der zurückgegangenen Spenderzahlen“, sagt Anett Stoll in Altenburg. „Hinter den hohen Zahlen der Wartenden stehen auch Kinder und Jugendliche.“ Allein 2016 starben laut DSO bundesweit 937 Patienten, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ gefunden wurde.

Wichtig sei, selbst klar zu machen, ob man seine Organe spenden möchte oder nicht. Denn gibt es keine Verfügung oder einen Organspendeausweis, müssen die Hinterbliebenen entscheiden. „In anderen Ländern, etwa Österreich, wird mit der Widerspruchslösung ein völlig anderer Ansatz verfolgt“, erklärt Armin Findeklee. Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, der kommt nach seinem Tod automatisch als Organspender in Frage.

Von Tatjana Kulpa

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