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Altenburg: Riesige Interesse an Debatte zu Flucht und Asyl

Altenburg: Riesige Interesse an Debatte zu Flucht und Asyl

So etwas hat das Landratsamt seit der Wende nicht mehr erlebt: Der Landschaftssaal, in den der Kreisjugendring zusammen mit der Diakonie, der Caritas und dem Migrationsbeauftragten des Landkreises am Montagabend zur Diskussion zum Thema Flucht und Asyl eingeladen hatte, war hoffnungslos überfüllt.

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Keiner der rund 200 aufgestellten Stühle bleibt am Montagabend im Landratsamt leer.

Quelle: Mario Jahn

Die dort aufgestellten gut 200 Stühle reichten bei weitem nicht, so dass sich die Gäste sogar bis in den Lichthof stauten. Am Ende dürften Schätzungen zufolge knapp 500 Menschen zu der Debatte gekommen sein.

Doch bevor sie ihre Sorgen und Nöte vorbringen und Fragen stellen konnten, war Geduld gefragt. Denn bis zur Diskussion vergingen fast zwei Stunden, ehe alle eingeladenen Verantwortlichen ihre Statements und Referate zu dem brisanten Thema gehalten und ein Asylbewerber aus Eritrea über seine Fluchtmotive berichtet hatte.

So schnellten gleich, nachdem Moderator Bernhard Stengele, Schauspieldirektor am Altenburg-Geraer Theater, gegen 20.15 Uhr die Diskussionsrunde für alle freigab, die ersten Arme nach oben. "Ich bin vor vielen Jahren gegen HartzIV auf die Straße gegangen, und bei uns leben auch viele Menschen auf der Straße oder sind drogenabhängig. Andere werden von der einen Maßnahme in die andere gestopft. Und für die Flüchtlinge soll jetzt alles da sein?", sagte eine sichtlich aufgebrachte Besucherin. Oder: "Was kostet denn ein Migrant konkret? Rechnet doch mal zusammen, macht einen Strich drunter und nennt eine Zahl", forderte ein anderer. Dies gipfelte in der Behauptung eines weiteren Besuchers, dass die Verkäuferinnen der Spätschicht im Kaufland in Altenburg-Nord Angst vor Übergriffen durch Asylbewerber hätten.

"Was kostet ein Hartz-IV-Empfänger?", konterte Landrätin Michaele Sojka (Linke) bewusst ein wenig provokativ. "Ich will hier aber beileibe nicht den einen Bedürftigen gegen den anderen ausspielen", stellte sie klar und erntete dafür Beifall. Die Behauptung über die Ängste der Verkäuferinnen wies Sojka scharf zurück: "Davon ist mir überhaupt nichts bekannt. Das sind Gerüchte, von denen heute leider viele in die Welt gesetzt werden."

Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) argumentierte ähnlich. "Wir müssen helfen, und wir wollen auch helfen", sagte er. Aber vor allem sieht er bei der Umsetzung auch Land und Bund in der Pflicht, ebenso wie andere Kommunen: "So muss der bei uns gängige Verteilungsschlüssel europaweit gelten. Und wenn sich im Landkreis andere weiter gegen eine Aufnahme von Asylbewerbern sträuben, werden wir soziale Brennpunkte schaffen. Deshalb hebe ich heute den Finger und mahne."

Selbstverständlich gab es im Saal auch Befürworter der derzeitigen Asylpolitik: "Zu allen mir bekannten Flüchtlingen in Altenburg-Nord habe ich ein sehr gutes Verhältnis und werde auch sehr freundlich und zuvorkommend aufgenommen. Alle anderen Behauptungen sind reine und gefährliche Stimmungsmache", meinte eine Besucherin und bekam ebenfalls Beifall.

Derweil wuchs die Schlange der Redewilligen am einzigen aufgestellten Saalmikrofon immer weiter an. Als Bernhard Stengele gegen 21.20 Uhr und damit schon 20 Minuten später als geplant die Veranstaltung schloss, hagelte es wütende Proteste von vielen, die noch nicht das Wort erhalten hatten. Kurzerhand verlängerte Michaele Sojka als Hausherrin die Debatte um eine halbe Stunde. "Ich wollte niemanden heimschicken, der dann sagen kann, nicht zu Wort gekommen zu sein", begründete sie. Es waren rund 60 Leute, die noch bis kurz vor 22 Uhr blieben. Dann musste auch die Landrätin abbrechen, weil der Wachschutz für das Objekt zuständig sei.

Ein Wintersdorfer zeigte sich dennoch zufrieden. Vor allem mit Blick auf die Demo in seinem Ort am Samstagabend (die OVZ berichtete) habe die Veranstaltung einiges an Klarheit gebracht. Denn es herrsche eine große Unkenntnis und Unsicherheit. Er würde sich freuen, wenn es weitere solche Runden gebe. Der Kreisjugendring zumindest sagte selbiges zu. Allerdings sollen die Gespräche dann in kleinerem Rahmen stattfinden, so Geschäftsführerin Heike Kirsten.

Aus der Osterländer Volkszeitung vom 30.09.2015

Jörg Wolf

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