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Altenburg Altenburg: Viel Abwechslung zum 8. Philharmonischen Konzert
Region Altenburg Altenburg: Viel Abwechslung zum 8. Philharmonischen Konzert
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18:01 14.05.2018
Der Trompeter Simon Höfele war der Solist des 8. Philharmonischen Konzertes im Landestheater Altenburg unter Leitung von Michael Helmrath. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Solch ein Philharmonisches Konzertprogramm war schon lange nicht mehr. Drei außergewöhnliche stilistisch konträre Kompositionen, die jeweils für eine ganze Musikepoche stehen können, schufen einen ganz breit gefassten musikalischen Kosmos, dem sich das Philharmonische Orchester stellen musste – und das Publikum auch. Zu Hilfe kam ihnen dabei als Gastdirigent GMD Michael Helmrath vom Theater Nordhausen, der dem Orchester wie dem Publikum kein Unbekannter war und viel Erfahrung für solch ein Programm mitbrachte.

Zwiespältiges Werk

Mit der Uraufführung von Claude Debussys musikgeschichtsträchtigem Werk „Nachmittag eines Faun“ – voller musikalischer Raffinessen und melodischer Klangfülle – begann am 22. Dezember 1894 die Epoche des Impressionismus in der Musik. Wie in der Malerei verschwimmen auch hier die Grenzen zwischen den Darstellungsformen.

Das an ein Gedicht des französischen Poeten Stéphane Mallarmé angelehnte Werk beschreibt die Atmosphäre eines heißen Sommertags irgendwo in einem antiken Hain. In der schwülen Atmosphäre gibt sich ein Faun nach aussichtsloser Jagd auf furchtsame Nymphen müde dem Schlaf hin. Im Traum wird ihm sein Verlangen erfüllt.

Das Werk wurde zwiespältig aufgenommen. Der Komponist und Dirigent Pierre Boulez erklärte es zum Ausgangspunkt der modernen Musik und befand: „Mit der Flöte des Faunes hat die Musik neuen Atem zu schöpfen begonnen.“

Der „Nachmittag eines Faun“ fordert wenig Tutti und besteht aus vielen solistischen Teilen. Das Orchester brauchte – trotz eines Hängers gleich zu Beginn – nicht lange, um sich dieser Musik anzunehmen, die vor allem durch Klarinetten, Celli und zwei wunderbar gespielte Harfen geprägt wird. Michael Helmrath dirigierte mit leichter Hand und forderte vom Orchester dennoch, sich rasch in die nicht einfache Harmonik einzufinden und das undeutlich Visionäre dieser Musik, die aus dem Nichts zu kommen scheint und nach expressiver Verdichtung wieder ins Nichts zurückfällt, deutlich zu machen.

Jazz, ganz und gar untypisch

Der musikalische Schritt zum zweiten Programmpunkt ist sehr groß. Doch gibt es auch etwas Verbindendes zwischen den beiden Werken: die Sehnsucht nach Leben. In Debussys Werk erfüllt sie sich im erotischen Traum, in dem Werk „Pieta in memoriam Chet Baker“ des bekannten modernen Komponisten Christian Jost – Jahrgang 1963 – im Drogenrausch.

Dessen Werk für großes Orchester und Trompete ist das eigentliche Ereignis dieses Konzertes. Es erinnert an den Jazz-Trompeter Chet Baker (1929-1988), der auch als Sänger und Komponist glänzte. Er nahm den gleichen Weg wie viele seiner Jazz-Kollegen – vom genialen Musiker zum drogenberauschten Künstler, der nur noch unter Heroinzwang zu akzeptablen musikalischen Leistungen in der Lage ist. In Parkers Leben wechselten sich musikalische Glanzzeiten, tiefe Lebenskrisen mit Gerichtsprozessen mit Inhaftierungen ab. Es endete mit einem Sturz aus einem Hotelfenster.

All das ist in „Pieta“ nicht musikalisch gestaltet. Christian Jost ist einer der großen heutigen Komponisten. Seine Orchesterwerke und Opern weisen ihn als echten Musikdramatiker aus. Nicht so seine halbstündige „Pieta“. Diese ist eine einzige Meditation für Trompete und großes Orchester.

Da werden keine Erinnerungen aufgewärmt und auch keine klassischen Jazzthemen variiert. Jost beschwört den Geist der „himmlischen Trompete“, ihren wunden Ton, ihre gedämpfte, belegte Stimme, die er himmelwärts entschweben lässt. Von flirrenden Triller- und Glissandoflächen des Orchesters getragen, bewegt sich das Konzert ganz leise im trägen Fluss eines Lamentos. Die Röhrenglocken am Ende gaben alldem eine sakrale Weihe.

Klassiker zum Abschluss

Der Solist Simon Höfele, 23 und schon Träger wichtiger Auszeichnungen, beherrscht die Trompetentechnik vollkommen, phrasiert sehr elegant und farblich so nuanciert mit der gestopften Trompete, dass man intensiv hinhören muss. So leise war selten eine Musik im Konzert zu hören. Es gab langen, starken Beifall und auch zwei Bravos. Höfele revanchierte sich mit Bakers bekanntestem Song „My Funny Valentine“.

Die 8. Sinfonie von Antonin Dvorak war normaler Abschluss eines Philharmonischen Konzertes. Sie gehört mit ihrem Reichtum an wunderschönen musikalischen Motiven zu den meistgespielten Werken des böhmischen Meisters und überragt andere Werke durch ihre ungeheure melodische Vielfalt und virtuose Ausarbeitung. Dirigent und Orchester steigerten sich von Satz zu Satz bis hin zu einem Finale furioso, das sich im jubelnden Beifall fortsetzte.

Von Manfred Hainich

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