Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Altenburg am Tag danach – zwischen Ohnmacht und Polizeipräsenz

Weihnachtsmarkt Altenburg am Tag danach – zwischen Ohnmacht und Polizeipräsenz

Der Weihnachtsmarkt in Altenburg läuft weiter – auch nach dem Terrorakt von Berlin. Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Unter anderem hat seit Dienstag die Polizei ihre Präsenz deutlich erhöht. Uniformierte mit Maschinenpistolen sind vor Ort.

Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche patroullierte die Polizei am Dienstag auf dem Altenburger Weihnachtsmarkt mit Machinenpistolen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Der Altenburger Weihnachtsmarkt am Tag nach dem Anschlag in Berlin. Ein paar Dutzend Menschen schlendern zwischen den Buden – morgens um halb elf kurz nach der Eröffnung. Die Händler und Gastronomen bereiten sich auf einen weiteren langen Markttag vor, auf dem Grill brutzeln die ersten Bratwürste, nebenan rückt einer den Ständer mit den Fellmützen zurecht. Eine Szenerie wie am Vortag. Als sei nichts gewesen. Und doch beginnt dieser Weihnachtsmarkt am Dienstag anders, als er am Montag um 19 Uhr endete. Es sind die Details, die einige Stunden nach dem Terrorakt in Berlin den Unterschied machen. Plötzlich tauchen Polizisten in Uniform auf, zeigen Präsenz – und Maschinenpistolen.

„Wir nehmen die Situation sehr ernst. Um den Altenburger Weihnachtsmarkt zu schützen, sind ab sofort Polizeibeamte permanent zugegen“, schildert Sebastian Hecker, Sprecher der zuständigen Landespolizeiinspektion Gera. Hinzu kommen weitere Kräfte, die in Abständen das Veranstaltungsgelände aufsuchen: „Der Markt wird jetzt stärker bestreift. Das gilt auch für den Geraer Märchenmarkt“, so Hecker. Konkrete Zahlen hinsichtlich der Einsatzkräfte will Hecker nicht nennen, auch nichts sagen zu weiteren Maßnahmen und Taktiken. „Ich möchte keine sensiblen Informationen preisgeben. Ich bitte da um Verständnis.“

Ähnlich im Thüringer Innenministerium, wo Sprecher Oliver Löhr am Dienstag über Stunden hinweg Presseanfragen beantwortet. Keine Details. Aber die Versicherung, dass „im Freistaat alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Weihnachtsmärkte zu schützen“. Mehr Polizeipräsenz und -kontrollen gehören dazu. „Eine Schließung der Märkte ist aus Sicht des Innenministeriums nicht nötig. Wir empfehlen, die Veranstaltungen offen zu halten. Die Antwort des Staates auf einen Anschlag kann nicht sein, das öffentliche Leben lahmzulegen“, erklärt Löhr.

Außerdem steckt das weihnachtliche Treiben ohnehin in der finalen Phase. Die Märkte im Altenburger Land sind – bis auf Altenburg – allesamt Geschichte. In der Skatstadt endet der Budenzauber am Donnerstag um 18 Uhr. Gleich danach beginnt der Abbau. Trotzdem gehört Lutz Meyner, Leiter des Ordnungsreferats im Rathaus, am Dienstag zu den ersten, die sich auf dem Markt einfinden und sich unter anderem mit der Polizei abstimmen. „Wir haben ein Sicherheitskonzept, in das sowohl Stadt und Polizei als auch private Security eingebunden sind“, sagt Meyner. „Auch schon vor dem Anschlag war während der Marktöffnung zu jeder Zeit mindestens ein Ordnungsamts-Mitarbeiter vor Ort, an den gut besuchten Wochenendtagen zwei, unterstützt durch den Sicherheitsdienst.“ Die Präsenz der Ordnungskräfte habe sich bewährt, um Störungen zu vermeiden. Aber ein Rundum-Schutz gegen mögliche Anschläge sei nirgendwo möglich. Das funktioniere einfach nicht.

Möglich ist allerdings, bestehende Sicherheitskonzepte zu überdenken. Das passiert, noch am Dienstag. Erste Besprechungen finden im Altenburger Rathaus statt. Ebenso in Meuselwitz. Er nehme die Geschehnisse ernst, sagt dort Bürgermeister Udo Pick (Bürger für Meuselwitz), auch wenn der Weihnachtsmarkt in seiner Stadt für dieses Jahr schon vorbei ist. „2017 kommen wieder neue große Veranstaltungen auf uns zu. Das Stadtfest, das Dorffest Wintersdorf, die Kindertagsfeiern. Wir müssen generell über Sicherheit reden und bestehende Konzepte nach neuen Erkenntnissen überarbeiten.“

Haltet die Augen offen, seid vorsichtig – das gibt Spediteur Mirko Schatz am Dienstag seinen Mitarbeitern auf den Weg. Vielmehr kann er nicht tun. „An der Stelle sind wir hilflos. Es hätte auch einer von meinen Fahrern sein können, der überwältigt wird, um das Fahrzeug für einen Anschlag zu missbrauchen“, konstatiert Schatz, der im Windischleubaer Ortsteil Remsa seit 25 Jahren ein Fuhrunternehmen betreibt. „Die technischen Möglichkeiten, solch einem Fall vorzubeugen, sind begrenzt. Ich sehe zwar online, welcher Fahrer draufsitzt und wo es sich befindet, aber ich müsste zum Beispiel permanent auf Routenabweichungen achten. Und dann ist es vielleicht schon zu spät. Man kann sich darauf nicht vorbereiten. Vielleicht ist es das nächste Mal ja ein Linienbus?“

So bleibt am Tag nach dem Anschlag auch ein Gefühl der Ohnmacht. In Deutschland, in Ostthüringen, im Altenburger Land. Manche Kirche, wie etwa St. Trinitatis in Gera, wird an diesem Dienstag extra für zweimal eine Stunde geöffnet. Als Ort der Stille, des Gebets und des Gedenkens für die Opfer von Berlin.

Von Kay Würker

Altenburg Markt 50.9852925 12.4328232
Altenburg Markt
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr