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Altenburg führt Mietschulungs-Kurs ein

Flüchtlingsintegration Altenburg führt Mietschulungs-Kurs ein

Es gibt erfolgreiche Projekte, die Migranten eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Allerdings ist der Zulauf noch überschaubar. Außerdem gibt es logistische Probleme, unter anderem bei der Wohnungssuche. Vor diesem Hintergrund startet das Landratsamt in diesem Monat eine sogenannte Mietschulung für die Neuankommenden.

Flüchtlinge im Unterricht. In Altenburg soll es für Migranten ab diesem Monat eine Mietschulung geben.

Quelle: Archiv

Altenburg. Die Auswirkungen der deutschen Flüchtlingspolitik waren kürzlich auch Thema im Altenburger Familienbeirat. Mehrere Aktive, die nahezu täglich mit Integration zu tun haben, waren als Gesprächspartner eingeladen. Ihre Berichte machten deutlich: Es gibt bereits erfolgreiche Projekte, die Migranten eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Allerdings ist der Zulauf noch überschaubar, und insbesondere die Einbeziehung Einheimischer in diese Angebote fällt schwer. Außerdem gibt es logistische Probleme, unter anderem bei der Wohnungssuche. Vor diesem Hintergrund startet das Landratsamt in diesem Monat eine sogenannte Mietschulung für die Neuankommenden, die unter anderem das Miteinander von Vermietern und Geflüchteten erleichtern soll.

Initiatorin dieser Schulung ist Ivy Bieber, die Integrationsbeauftragte des Landkreises. „Der Kurs beinhaltet eine ganze Reihe grundlegender Informationen – zum Mietrecht, zum richtigen Lüften und Heizen und zur Müllentsorgung“, schilderte Bieber im Familienbeirat. Am Ende steht eine Prüfung. Die Schulung soll verpflichtend sein – sowohl für Geflüchtete, die in nächster Zeit in den Landkreis ziehen als auch für jene Migranten, die schon da sind. „Als Teilnahmebestätigung gibt es ein Zertifikat, dass zum Beispiel Vermietern signalisiert, dass sie mit dem Absolventen bedenkenlos einen Mietvertrag abschließen können.“

Eine Entscheidungshilfe für die Wohnungseigentümer, die auch den Asylberechtigten nützen soll. Denn geeignete Wohnungen zu finden, wird für sie speziell in Altenburg immer schwieriger. „Hinsichtlich Ein-Raum-Wohnungen ist der Markt bereits abgegrast“, berichtete Katrin Vogler, die als städtische Integrationsbeauftragte Ausländer auf Wunsch bei der Suche unterstützt. Die kleinen Quartiere, die gerade bei jungen Männern gefragt sind, müssen in den Kostenrahmen des Jobcenters passen. Ebenfalls rar seien die sehr großen Wohnungen – für Familien mit sechs, sieben Personen.

Und die Situation dürfte sich in nächster Zeit nicht entspannen. Von den rund 1200 Flüchtlingen, die in der Stadt Altenburg leben, wohnen mehrere Hundert noch in Unterkünften, die das Landratsamt angemietet hat, obwohl sie bereits einen Aufenthaltsstatus haben. „In den nächsten drei bis sechs Monaten werden sich also noch viele eine eigene Wohnung suchen müssen“, sagte Vogler. Verschärfend komme hinzu, dass es auch Flüchtlinge aus den ländlichen Regionen des Landkreises nach Altenburg zieht, „weil sie hier finden, was ihnen wichtig ist: Anschluss an die Gemeinschaft ihrer Landsleute, schnell erreichbare Einkaufsmöglichkeiten und die gute Zugverbindung nach Leipzig“.

Umso mehr wächst in der Skatstadt der Bedarf an speziellen Angeboten. Wie etwa im Weltcafé, das seit Oktober 2015 Geflüchteten als Anlaufstelle dient. In den Räumlichkeiten in der Friedrich-Ebert-Straße ist Woche für Woche was los. „Wir haben Syrer-, Eritreer- und Afghanistanpartys gefeiert, jeweils mit gemischtem Publikum“, schildert Erika Überbach, die Vorsitzende des Betreibervereins. „Wir haben Sprach- und Gitarrenkurse, es wird gemeinsam gekocht und gegessen, zu Weihnachten haben die Kinder zusammen Sterne gebastelt.“ Es sei wichtig, dass die Landsleute nicht nur unter sich bleiben, sondern auch mit Deutschen und anderen Nationalitäten zusammenkommen, betonte Überbach. Nur so funktioniere Integration. An dieser Stelle sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten, gerade auch bei den Einheimischen. „Wir würden gern viel mehr auch für deutsche Familien in sozial angespannten Verhältnissen tun, denn die Angebote des Weltcafés sind ausdrücklich für alle da.“

Mehr Einheimische gewinnen, das möchte auch Katrin Vogler. Wenn sie mittwochs im Bürgerzentrum in der Otto-Dix-Straße arabische Frauen betreut, mit ihnen kocht, bastelt, Musik macht, hätte sie gern auch deutsche Frauen dabei. „Ein paar kommen schon, aber es ist noch verhalten“, schilderte die Integrationsbeauftragte. Doch Katrin Vogler, Ivy Bieber und Erika Überbach eint die Überzeugung, dass sich in den nächsten Monaten noch einiges bewegen wird. Die bereits vorhandene Unterstützung von zahlreichen Anwohnern stimmt optimistisch. Die aktuelle große Aufgabe fürs Weltcafé sei es, neue Räume zu finden, wo dann wieder fünf Tage pro Woche geöffnet sein soll. Im Moment steckt der Verein im Interim. „Und ein weiterer Schwerpunkt ist die Schwangerschaftsprävention.“ Die Zahl junger Frauen aus Flüchtlingsfamilien, die offenbar unbedacht schwanger werden, sei auffallend, so Überbach.

Von Kay Würker

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