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Altenburg – für einen Tag das Mekka der Akkordeonfreunde

Brüderkirche zweimal ausverkauft Altenburg – für einen Tag das Mekka der Akkordeonfreunde

„Veranstaltung ausverkauft – keine Abendkasse“ stand an der Brüderkirche am Sonnabend zum Konzert des Thüringer Akkordeonorchesters. Dies ist ein Teil des „Altenburger Wunders“, das sich jährlich in der Weihnachtszeit in dieser kulturverrückten Stadt wiederholt: ausverkaufte Veranstaltungen wohin man blickt.

Das Thüringer Akkordeonorchester und der Volkschor Schmölln unter Leitung von Conrad Haase.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. „Veranstaltung ausverkauft – keine Abendkasse“ stand an der Brüderkirche am Sonnabend zum Konzert des Thüringer Akkordeonorchesters, zusammengesetzt aus Altenburger, Jenaer und Erfurter Akkordeonisten. Dies ist ein Teil des „Altenburger Wunders“, das sich jährlich in der Weihnachtszeit in dieser kulturverrückten Stadt wiederholt: ausverkaufte Veranstaltungen wohin man blickt. Doch der Ansturm auf die Eintrittskarten für dieses Konzert war so überwältigend, dass es am Sonnabend eines zweiten bedurfte. Und auch dafür gab es am Nachmittag nur noch Restkarten. In Summe minimum 1300 Gäste.

Das ist phänomenal und lässt natürlich die Frage aufkommen: Woher rührt das Faible der Altenburger für das Akkordeon? Die Skatstadt liegt ja nicht am Meer und hat keinen Hafen, wo der Hein abends immer so schön mit seinem Schifferklavier aufspielt. Es hat aber seit über 60 Jahren kontinuierlich ein Akkordeonorchester und in der Musikschule einen Ausbildungsbereich für dieses Instrument, und damit Nachwuchs, der den Wettbewerb „Jugend musiziert“ gut bedient und das Akkordeonorchester bei bester musikalischer Gesundheit hält. Ab 1850 bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges galt der Bereich Gera-Altenburg zudem zu den wichtigsten deutschen Standorten der Harmonikaproduktion.

Auf welche Weise wurden die Liebes-Gene für das Akkordeon in Altenburg bis in die heutige Zeit weitergegeben? Die Frage wird uninteressant, wenn man die Begeisterung in der Brüderkirche miterlebt hat. Sie sind einfach da.

Die Thüringer Akkordeonorchester hat sich den Volkschor aus Schmölln für sein Konzert eingeladen und ist mit diesem, wie in den Jahren zuvor auch, eine wunderbare musikalische Symbiose eingegangen. Die Leiterin Antje Herrmann hält diesen Chor nun schon seit Jahren auf einem guten Niveau und war gleichberechtigter Garant für den Erfolg dieser Veranstaltung. Der Dirigent Conrad Haase, Chef des Jenaer Akkordeonorchesters und Arrangeur der meisten Lieder, hielt seine 50 Musikerinnen und Musiker immer in der Rolle der wohldosierten Chorbegleitung und deckte diesen nie zu – was ihm bei dem letzten Programmtitel, Adolphe Adams Weihnachtshymne nicht ganz gelang. Diese schöne melodiöse Musik ist seit einigen Jahren auf dem besten Weg, „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder „O, du fröhliche...“ vom Platz der beliebtesten und am meisten gesungenen Weihnachtslieder zu verdrängen. Die berühmtesten Sängerinnen und Sänger und Chöre haben das schon 1847 entstandene Lied in ihrem Programm und kosten dabei die Steigerung vom innigen Beginn bis zum opernhaften Finale aus. So auch hier Chor und Orchester.

Davor gab es eine wohl abgestimmte Balance zwischen reinen Orchesterstücken und Chorliedern. Das Orchester führte das Publikum anfangs mit einem „Conzerto grosso“ im Stile Vivaldis in die Zeit des Barocks, brachte von Karl Jenkins Suite „Paladio“, nach dem Renaissance-Architekten benannt, nicht nur den inzwischen berühmten rhythmisch bewegten 1. Satz, sondern die anderen beiden auch, was selten genug ist. Der Dirigent ließ seine Leute „marktschreierisch“ auf einem persischen Markt agieren, bei Leroy Andersons „Lustiger Schlittenfahrt“ zarte Glöckchen erklingen und spanisches Temperament beim Zigeunertanz „Espana cani“ zeigen, mit feurigen Rhythmen einen der großartigsten Pasodobles.

Dem orchestralen Glanz setzte Conrad Haase die Krone auf mit seinem Xylophon-Solo, was ihm tosenden Beifall einbrachte. Dieser musikalischen Ausgelassenheit hielt der Chor weihnachtliche Innigkeit entgegen. Die Lieder reichten von Händels „Tochter Zion“ über die Weihnachtsnachtigall, die stille heilige Nacht bis zu dem Lied „Hört der Engel frohe Kunde“. Das wunderschöne „Sind die Lichter angezündet“ wird mit seinem „überall soll Freude und Frieden sein“ zur programmatischen Aussage in der jetzigen unruhigen und unsicheren Zeit.

Am Ende brachen sich Jubel und Begeisterung Bahn, die nicht enden wollten, auch nicht nach der Zugabe von „O, du fröhliche...“, die wiederholt werden musste wie die „Lustige Schlittenfahrt“. Sie sind Lohn und Anerkennung für alle Beteiligten und für die Organisatoren vom Altenburger Akkordeonorchester, einem ehrenamtlich tätigen Verein!

Von Manfred Hainich

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