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Altenburg streitet um Landesgartenschau: OB und SPD dagegen, alle anderen dafür

Bewerbung oder nicht Altenburg streitet um Landesgartenschau: OB und SPD dagegen, alle anderen dafür

Die Bewerbung um die Landesgartenschau 2024 hat das Potenzial, Altenburg zu spalten. Das ist die Erkenntnis der Einwohnerversammlung am Dienstagabend in der Music Hall. Dabei stimmen Gegner wie Befürworter sogar darin überein, dass dies für die Skatstadt eine große Chance wäre. Die Skeptiker sehen jedoch nicht, wie das Großprojekt finanziert werden soll.

So bunt wie 2015 in Schmalkalden könnte es zur Landesgartenschau 2024 auch in Altenburg werden, wenn man sich bewirbt und den Zuschlag bekommt.

Quelle: dpa

Altenburg. Die Bewerbung um die Landesgartenschau 2024 (Laga) hat das Potenzial, Altenburg zu spalten. Das ist die Erkenntnis der Einwohnerversammlung am Dienstagabend in der Music Hall. Dabei stimmen Gegner wie Befürworter sogar darin überein, dass die Ausstellung eine Chance wäre, die Skatstadt binnen kürzester Zeit immens nach vorn zu bringen. Die Skeptiker sehen jedoch nicht, wie das Großprojekt finanziert werden soll. Praktikable Antworten blieben aber auch die Befürworter schuldig, die unter den gut 60 Anwesenden klar in der Mehrheit waren.

41,8 Millionen Euro kostet die Laga, wenn das von Verwaltung, Stadtrat, Stadtplaner Ingo Quaas und Landschaftsarchitekt Steffen Witosseck entwickelte Konzept (siehe unten) umgesetzt würde. Das entspricht dem Volumen eines Altenburger Haushalts von einem Jahr. Wie Bürgermeisterin Kristin Moos vorrechnete, kalkuliert man mit 23,7 Millionen Euro Fördermitteln. 6,2 Millionen Euro sollen durch Eintrittsgelder der angenommenen 350 000 Besucher, über Standmieten und über Straßenausbaubeiträge zusammenkommen. Für die Stadt bliebe ein Eigenanteil von 11,9 Millionen Euro.

Woher die kommen sollen, ist Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) jedoch schleierhaft. „Ich wäre ein glühender Verfechter der Landesgartenschau, wenn ich wüsste, wie man sie finanzieren kann“, sagte der OB, der jedoch bis vor Kurzem noch die Werbetrommel dafür gerührt hatte. „Kredite gehen nicht, weil man dafür die Leistungsfähigkeit anhand von Zahlen knallhart nachweisen muss. Weiter sparen geht nicht, weil die Stadt zu kollabieren droht.“ So seien im Fall eines Zuschlags dringend nötige Investitionen in Schulen und andere städtischen Gebäude, in Straßen oder in Kultur nicht machbar. Letztlich bliebe nur der Verkauf von Anteilen kommunaler Firmen, die für ihn aber ein zu hoher Preis seien.

Rückendeckung bekommt Wolf dabei von SPD-Fraktionschef Norman Müller. Alle übrigen Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats wollen die Laga. „Jeder setzt andere Prioritäten“, sagte Peter Müller (Pro Altenburg). Man müsse sich überlegen, ob man Schlossfassade, Ernestinum und Josephinum sanieren oder eine Gartenschau wolle, die „eine Riesenchance“ sei.

Das sehen Kati Klaubert (Linke) und André Neumann (CDU) ähnlich und würden die Prioritäten verschieben. Zudem rechnete Neumann vor: „Wenn 350 000 Menschen kommen und jeder zwischen 20 und 30 Euro ausgibt, haben wir schon zwischen sieben und zehn Millionen.“ Zudem würde man über die Gewerbesteuer profitieren, weil lokale Unternehmen Aufträge erhielten. Aus einstigen Laga-Städten wie Oschatz und Schmalkalden wisse er von anhaltenden Touristenströmen. Auch müsse man sich das Konzept noch einmal genau auf Sparpotenziale hin ansehen und könne jetzt schon Geld ansparen.

Für Letzteres warb auch Johannes Schaefer (Stadtforum/Grüne), der aber den Verkauf kommunaler Firmenanteile nicht vollends beurteilen kann. Er bat dennoch um Vertrauen „in die Stadträte, die schon seit Jahren die Geschicke der Stadt lenken“. Neumann akzeptierte zwar andere Meinungen, nannte die fehlende Zustimmung zur Laga aber „unterlassene Hilfeleistung“. Und Wolf versprach, sich der Mehrheit des Stadtrats trotz „Makel der unausgeglichenen Finanzierung“ beugen zu wollen.

Das Konzept für die Landesgartenschau 2024

Das Konzept, mit dem sich Altenburg für die Landesgartenschau 2024 (Laga) bewerben will, trägt den Titel „Blaue Flut und Rote Spitzen“. „Umso mehr man sich damit befasst, desto mehr wundert man sich, dass hier nicht schon längst eine Landesgartenschau stattgefunden hat“, sagte Stadtplaner Ingo Quaas, der das Konzept mitentwickelt und am Dienstagabend vorgestellt hat. Schließlich sei Altenburg eine historische Gartenstadt, in der schon vieles vorhanden sei.

Konkret soll es drei Kernzonen geben: „Großer Teich und Bürgergarten“, „Rote Spitzen und Klostergarten“ sowie „Pauritzer Teich und Schlossgarten“. Die größte ist das Areal am Großen Teich mit rund 20 Hektar. Dafür soll der Festplatz als Entree dienen. Diese Zone wird die Hauptveranstaltungsflächen, den Gärtnermarkt und die Gastronomie beherbergen. Neben der Roten Zora, wo die Büros für die Durchführungsgesellschaft untergebracht werden sollen, ist eine Veranstaltungshalle geplant, die danach als Indoorspielplatz, als Kletter- oder Skaterhalle genutzt werden kann. Auch sollen die Streuobstwiese samt Gartenhaus und der Märchenbrunnen wiederhergestellt werden. Entlang der Hellwiese sind Stege mit Info-Punkten geplant. Dort könnte man auch Wasserbüffel grasen lassen. Als größtes Plus wertet Quaas den „tollen Baumbestand“ und die „zusammenhängende Wasserfläche“.

Die Kernzone der Roten Spitzen ist mit einem Hektar vergleichsweise klein. Mit dem alten Kloster sei die Attraktion bereits vorhanden, so dass man die Parkplätze und den Schulgarten plus Ruinen nutzten könnte, „um die Geschichte des Chorherrenstifts transparent zu machen“. Außerdem will man den Zugang zu den Roten Spitzen auch über die Laga, die von Mitte April bis Ende Oktober 2024 dauern soll, hinaus bewahren.

Während diese Kernzonen eingezäunt und damit kostenpflichtig werden, bleiben Pauritzer Teich und Schlossgarten frei zugänglich. Der Inselzoo wird aber herausgenommen und kann zu den üblichen Konditionen besucht werden. Um den Großen Teich zu überwinden und den Eintritt oder einen langen Weg zu vermeiden, sind etwa mit Blumen geschmückte Wassertaxis geplant.

Im Areal am Schloss sollen darüber hinaus verfallende Häuser abgerissen, die Grünflächen aufgewertet werden und als Tor aus Richtung Bahnhof dienen. So könnte Richtung Theater ein Blütenmeer entstehen. Auch gibt es die Idee, den Zwinger zumindest für die Laga zugänglich und die Blaue Flut am Schlossfelsen wieder sichtbar zu machen.

Daneben sollen externe Standorte wie der Friedhof, in dem einiges restauriert werden soll, der Botanische Erlebnisgarten sowie die Kleingartenanlagen Bauhof I und II sowie die geplante namens Jüdengrund integriert werden. Auch der Bahnhof und der Weg zu den Kernzonen gehört noch dazu. Den Autoverkehr will man im Norden mit Parkplätzen im Gewerbegebiet Poststraße und im Süden am Festplatz mit Parkplätzen abfangen. In der Stadt sollen für die 163 Veranstaltungstage Shuttle-Busse eingesetzt werden. Geschätzte Gesamtkosten: 41,8 Millionen Euro.

Von Thomas Haegeler

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