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Altenburg trifft Klassik – erstmals bei Wind und Regen

Open Air auf dem Markt Altenburg trifft Klassik – erstmals bei Wind und Regen

Der weise Volksmund sagt „Aller guten Dinge sind drei“ und gestattet, wie wir am Wochenende auf dem Altenburger Marktplatz gesehen haben, auch Erweiterungen nach oben: Nun sind inzwischen aller guten Dinge vier. Viermal konnte das Sommerkonzert des Theaters in Altenburg als Open-Air-Event geboten werden – aber erstmals bei Wind und Wetter.

raumhaft schön – ein voll besetzter Marktplatz zur ersten Aufführung des großen Klassik-Open-Airs am Freitagabend.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Der weise Volksmund sagt „Aller guten Dinge sind drei“ und gestattet, wie wir am Wochenende auf dem Altenburger Marktplatz gesehen haben, auch Erweiterungen nach oben: Nun sind inzwischen aller guten Dinge vier. Viermal konnte das Sommerkonzert des Theaters in Altenburg als Open-Air-Event geboten werden und gab somit wiederum weit mehr Besuchern die Möglichkeit, das außergewöhnliche musikalische Ereignis zu erleben, als unters Dach des Theaters bei der Schlecht-Wetter-Variante passen würden. Das zweite Konzert am Sonnabend stand allerdings als Open-Air wegen des Wetters auf der Kippe. Die Entscheidung, es auf dem Markt zu belassen, war mutig. Der Dank des Theaters und des Orchesters an all die, die gekommen waren, war eine notwendige und trotzdem noble Geste.

Solche Open-Air- Konzerte liegen seit langem im Trend und alle großen Orchester frönen ihnen und suchen sich dafür naturschöne Flecken. Veranstalter wie Publikum nehmen dabei in Kauf, liebgewonnene klassische Musik trotz modernster Übertragungstechnik mit verminderter akustischer Qualität zu genießen. Man geht dabei von vornherein solchen Veranstaltungen in Städten aus dem Weg, auch wegen der Lärmbelästigungen durch den Verkehr. Nicht so in Altenburg.

Der mitten in der Stadt gelegene Marktplatz liegt ruhig und bietet mit seinen hoch aufragenden Gebäuden in schöner Architektur nicht nur einen künstlerisch schönen Rahmen, sondern auch eine akustische Qualität wie jeder Konzertsaal. Zudem kann wegen der riesigen Bühne nicht ein Ton entfliehen, die Gebäude ringsum geben die Musik so wie auf der Bühne produziert an das Ohr des Zuhörers weiter. Wenn nach Konzertbeginn um 21 Uhr sich ein wolkenloser Himmel über der Stadt zeigt wie am Freitag und den Blick auf Mond und Sterne freigibt, dann wird jedes dieser Konzerte zu einer Sternstunde. Vorausgesetzt, die musikalische Qualität ist dieser einzigartigen Atmosphäre adäquat. Und sie war es wiederum.

Das Theater hatte das Konzert mit „Rhapsody in Blue – Bernstein meets Gershwin“ thematisiert – sprachlogisch unkorrekt, denn wenn „Rhapsody in Blue“ extra genannt wird, dann trifft sie und ihr Komponist auf Bernstein, also „Gershwin trifft Bernstein“. Ein Wimpernschlag der sprachlichen Unkorrektheit im Vergleich zu den vielen Augenblicken musikalischen Genusses mit Werken der beiden amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein und George Gershwin, der Begründer der modernen amerikanischen klassischen Musik.

Bernsteins Operette „Candide“ nach Voltaires gleichnamigem Roman ist weniger bekannt, umso mehr die brillante Potpourri-Ouvertüre des Werkes. Sie ist technisch und stilistisch sehr souverän gemacht und braucht einen Vergleich mit den Vorspielen von Offenbach und Suppe nicht zu scheuen.Mit engagierter Präzision trieb Generalmusikdirektor Laurent Wagner seine Musikerinnen und Musiker an, die dabei mit offensichtlicher Freude Bernsteins Musik akkurat und pointiert spielten.

Sein Meisterwerk ist das Musical „West Side Story“, ein Werk mit einer so hinreißenden musikalischen Vielfalt und einem farbigen Orchestersatz, dass eine reine Orchesterfassung für den Konzertgebrauch logisch und selbstverständlich war. Diese Interpretation der „Symphonischen Tänze“ durch das Philharmonische Orchester erfüllte alle Wünsche an feurige und exakte Musik. Laurent Wagner legte es auf das Ausspielen aller Effekte an, ließ jede Schlaginstrumentenpassage krachen und dies äußerst brillant, so dass die Trommler und Pauker ganz schön zu tun hatten. Das bewirkte auch, dass das wohl populärste Lied aus der Feder des Komponisten – „Somewhere“, der Traum eines Mädchens von einer friedfertigen, einträchtigen Welt – wunderschön erklang und Wagner es vor kitschiger Rührseligkeit bewahrte.

Das musste er bei der Musik von George Gershwin nicht, weder bei dessen Klavierkonzert F-Dur noch bei seinem wohl bekanntesten Werk, der „Rhapsody in Blue“. Wagner hat sich für diese beiden Werke einen versierten, mit Jazzmusik vertrauten Pianisten auf die Bühne geholt: Sebastian Bauer. Er meisterte die Klavierparts in beiden Stücken souverän und stilsicher, nahm die Tempi etwas ruhiger, begab sich aber ansonsten durchaus zupackend in die Klavierparts, begleitet von einem herrlich jazz-affinen Orchester, was so nicht zu erwarten war. Vor allem rhythmisch gab es eine Exaktheit, die Staunen machte. Das Orchester spielte seinen Gershwin mit Esprit, Feuer und Drive und auch mit Charme, was man sonst nur bei amerikanischen Orchestern erwarten würde.

Das Klarinettenglissando zu Beginn der „Rhapsody in Blue“ geht einem nicht mehr aus dem Ohr. Es ist das Erkennungsmerkmal für Gershwins Musik. Das Altenburger Publikum war begeistert und spendete stürmischen Beifall, was den Pianisten zu einer Zugabe zwang. Er blieb bei Gershwin und offerierte dem dankbaren Publikum „Summertime“ aus dessen Oper „Porgy and Bess“.

Rhapsody in Rain – am Sonnabend sah dies leider anders aus, doch die Stimmung war trotz Regens gut

Rhapsody in Rain – am Sonnabend sah dies leider anders aus, doch die Stimmung war trotz Regens gut. Etliche Stühle blieben in den hinteren Reihen aber leer.

Quelle: Ellen Paul

Insgesamt 869 Besucher ließen sich dieses Event am Freitag nicht entgehen, am Sonnabend waren es dann noch einmal 616. Damit wurde zwar der Rekord aus dem Vorjahr mit sage und schreibe rund 1200 Nachtschwärmern nicht erreicht, doch für die Veranstalter ist dies kein Grund, Trübsal zu blasen. Dafür waren die Wetterprognosen einfach zu schlecht beziehungsweise zu ungewiss. Während Petrus am Freitag noch ein Einsehen hatte und seine Schleusen nicht öffnete, erlebten die Mutigen und Unentwegten am Sonnabend dann eine „Rhapsody in Rain“. Hatte es zu Beginn schon etwas getröpfelt, entlud sich dann ab 21.45 Uhr ein Landregen vom Feinsten. „Die Leute sind einfach unter den Sonnenschirmen bei den Gastronomen zusammengerückt oder hielten mit Regenschirm oder Cape bis zum Schluss aus“, freut sich Susanne Stützner vom Schloss- und Kulturbetrieb. „Laurent Wagner hat sich immer mal umgeschaut, ob noch alle da sind, aber es waren wirklich nur wenige geflüchtet. Aber Regen ist nun mal bei einem Open Air nicht ungewöhnlich.“ Deshalb habe man sich letztendlich doch entschieden, draußen zu bleiben und ein paar Regencapes bereit zu halten.

Altenburg hat nun also endgültig sein jährliches großes musikalisches Vorsommerereignis mit touristischer Anziehungskraft. Das hat sich das Theater in guter Absicht selbst eingebrockt. Nun muss es die Suppe künftig Jahr für Jahr wieder auslöffeln. Etwas Besseres kann ihm allerdings gar nicht geschehen.

Für nächstes Jahr ist das Open Air inhaltlich schon angekündigt: eine große Operngala mit Orchester, gleich drei Chören und natürlich Solisten wird es am 29. und 30. Juni geben. Die ersten Tischreservierungen im gastronomischen Bereich – ein nicht mehr wegzudenkender Faktor dieses Ereignisses – sind schon getätigt.

Von Manfred Hainich und Ellen Paul

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