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Altenburg Altenburg will Fürstengruft auf Friedhof vermarkten
Region Altenburg Altenburg will Fürstengruft auf Friedhof vermarkten
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00:21 23.10.2017
Die Ruine der Fürstengruft soll perspektivisch ein Anlaufpunkt für Touristen auf dem Altenburger Friedhof werden. Um sie ranken sich diverse Mysterien. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Bei der Fürstengruft auf dem Altenburger Friedhof tut sich etwas. So plant die Stadt, die Grabruine der herzoglichen Familie künftig zu vermarkten. Und das möglichst zusammen mit den anderen drei Grabstätten des Adelsgeschlechts Sachsen-Altenburg in der Skatstadt (Schlosskirche, Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche) und in Trockenborn. Darauf verständigten sich der Historiker Uwe Gillmeister und Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) unlängst. Das Gespräch kam zustande, nachdem Gillmeister öffentlich auf den ruinösen Zustand der Gruft hingewiesen und eine Erinnerungsstätte für die verschwundenen Überreste der jüngeren Linie der Herzogfamilie gefordert hatte.

In diesem Zusammenhang hatte der Historiker mysteriöse Vorgänge rund um die Fürstengruft zu Tage gefördert. Nach Gillmeisters Recherchen rettete 1974 der damalige Direktor des kirchlichen Friedhofs zwar die Särge, betrieb dabei aber Schindluder. So soll er die Metallsärge geöffnet, die Gebeine entnommen, in eine Holzkiste gesteckt und die Metallhüllen an den DDR-Rohstoffverwerter Sero verkauft haben. Die sterblichen Überreste verscharrte er in der Grabstätte der Familien von Lindenau und Ranniger, wo sie ein Friedhofsmitarbeiter gefunden und eingepackt hat.

Dort setzt man nun an. Nach einem Treffen zwischen Gillmeister und Vertretern der Stadtverwaltung und dem Landesamt für Denkmalpflege werden die Gebeine zunächst untersucht, um sie zu identifizieren. „Das Landesamt hat signalisiert, dafür grünes Licht zu geben, kann sich aber nicht beteiligen“, erklärte Gillmeister auf Nachfrage. Also werde man die DNA-Analyse auf privater Spendenbasis durchführen, wofür es bereits Interessenten gebe. „Ohne sicher zu wissen, dass es die herzoglichen Gebeine sind, macht alles andere keinen Sinn.“

Dass er Gillmeisters Anliegen zwecks Erinnerungsstätte lange ignorierte, bedauert OB Wolf inzwischen. „Vielleicht hätte ich eher auf ihn eingehen sollen“, so der Rathauschef, der gern mit dem Status der einstigen Residenzstadt wirbt. „Es ist eine interessante Sache.“ Auch wenn die Finanzierung noch offen und das Unterfangen eher mittel- bis langfristig angesetzt sei, habe man fünf Ziele vereinbart. Das sind: stärkere Identifikation der Bevölkerung mit dem Thema, überregional touristische Potenziale als Wirtschaftsfaktor heben, Vernetzung mit anderen Regionen über die Geschichte des Adelsgeschlechts, Fördergelder für wissenschaftliche Begleitung akquirieren und eine Strategie zur Gewinnung privater Geldgeber erarbeiten.

Während Letzteres für den kurzfristigen Projektstart nötig sei, werde alles andere sukzessive erst nach 2018 über die Bühne gehen, ergänzte Wolf. Zudem werde der zuständige Referatsleiter Denis Anders federführend eine Übergangsgrabstätte für die herzoglichen Gebeine vorbereiten. Diese wird sich – vorbehaltlich einer positiven DNA-Analyse der Gebeine – in der Grabstätte der Familie Goldmann befinden. Das geschieht vor dem Hintergrund, dass sich die Abdankung Ernst II. von Sachsen-Altenburg 2018 zum 100. Mal jährt.

Doch damit nicht genug. Zusätzlich laufen derzeit Verhandlungen, dass Gillmeister zu den mysteriösen Vorgängen rund um die Gruft auf Honorarbasis touristische Führungen anbietet. Dazu zählt neben der Aktion des früheren Friedhofsdirektors auch ein fehlender Sarg von Herzog Ernsts Mutter Auguste und vieles mehr. Angeboten werden sollen diese von April bis Oktober regelmäßig zu festen Terminen und im Rest des Jahres buchbar für angemeldete Gruppen.

Von Thomas Haegeler

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