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Altenburg will maroden Kasernen an den Kragen

Einstige Unteroffiziershäuser Altenburg will maroden Kasernen an den Kragen

Obwohl Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) vor eineinhalb Jahren verkündete, dass die letzte Stunde der maroden Unteroffiziershäuser an der Leipziger Straße bald geschlagen habe, stehen sie noch immer. Wie er auf OVZ-Nachfrage erklärte, lief die Stadt bei den ins Auge gefassten Finanzierungsquellen für den Abriss zunächst ins Leere.

Frisches Grün verdeckt die maroden Häuser an der Leipziger Straße – die letzte Hinterlassenschaft des einstigen Kasernenstandorts Altenburg.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg.  Jetzt im Sommer verdecken die Bäume mit ihrem satten Grün wieder die vier verfallenen Häuser im oberen Bereich der Leipziger Straße – die letzte unschöne Hinterlassenschaft des einstigen Militärstandorts Altenburg. Vermutlich lebten hier früher Unteroffiziere. Gerade am Eingangstor der Skatstadt machen die Ruinen direkt an der Straße jedoch seit Jahr und Tag alles andere als einen guten (ersten) Eindruck. Eigentlich sollten sie längst verschwunden sein. Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hatte vor eineinhalb Jahren, zum Neujahrsempfang der Stadt, verkündet, dass ihr Abriss greifbar nahe sei. Die OVZ sprach mit ihm, warum sich der Abbruch weiter verzögert hat.

Diese letzten Schandmale der Kasernenanlagen ärgern auch den Rathauschef, der die nach der Wende begonnene Beseitigung der militärischen Objekte in Altenburg als „eine gigantische Leistung“ bezeichnet. Komplizierte Eigentumsverhältnisse und die Finanzierung für den Abbruch hatten laut Wolf eine „mühevolle Kleinarbeit“ und „hohe Kreativität“ verlangt. Unter anderem entstanden rechts und links der Leipziger Straße in dem Zuge Gewerbegebiete, die inzwischen mal gut und mal weniger gut vermarktet sind. Nun geht es noch um die vier einsturzgefährdeten, blassgelben einstigen Wohngebäude.

Die Unteroffiziershäuser in der Leipziger Straße hatte eine Privatperson aus den alten Bundesländern erworben und in den 1990er-Jahren einen Teil saniert, erläutert Wolf. Um eine Splittersiedlung zu vermeiden, habe die Stadt aber Neubauten an der Stelle der Ruinen abgelehnt. Was folgte, war ein etwa zehnjähriges Hin und Her, „der Eigentümer hatte Verkaufsvorstellungen, die jenseits von Gut und Böse lagen“, erinnert sich der Rathauschef. „Der wollte für die Ruinen eine Summe, als stünden die Häuser im Zentrum.“ Schließlich gingen die vier Abbruchhäuser im Frühjahr vorigen Jahres für 7500 Euro an die Stadt Altenburg. „Das ist immer noch zu hoch, aber das Erscheinungsbild der Stadt ist uns das wert“, sagt Wolf. Zunächst habe die Stadt dann „für viel Geld“ einen Zaun um die Objekte gezogen, aus Gründen der Sicherheit, damit nicht etwa spielende Kinder in den gefährlichen Häusern verunglücken.

Allerdings blieb die Kommune dann bei den Finanzierungsplänen für den Abbruch erst mal stecken. Der Abriss koste eine sechsstellige Summe, „die habe ich ja nicht in der Portokasse“, erläutert das Stadtoberhaupt. Das Rathaus suchte nach Geldquellen und wollte zunächst das Programm der Städtebauförderung anzapfen, wofür ein Drittel Eigenanteil nötig gewesen wäre. Da die Häuser aber außerhalb des Stadtbereiches liegen, fiel diese Stadtumbau-Förderung entgegen Wolfs Vorstellungen flach. Mit der Begründung, die Objekte befänden sich nicht im integrierten Raum, zog auch die Abrissförderung von 70 Euro je Quadratmeter nicht. „Bei diesen zwei Instrumenten liefen wir also ins Leere“, so Wolf.

Nun suchte und fand das Rathaus eine völlig andere Möglichkeit, die Häuser dem Abrissbagger zu übergeben, ohne die stadteigene Kasse über Gebühr zu belasten. Für die Erschließung des Gewerbegebietes Poschwitz am Weißen Berg, für die 4,5 Millionen Euro und damit eine 90-prozentige Förderung über die „Gemeinschaftsaufgabe Wirtschaftsförderung“ in Aussicht gestellt sind – unter anderem soll dabei mit einer neuen Druckleitung zur zentralen Kläranlage das Schlachthof-Problem angegangen werden –, sind sogenannte Ausgleichsmaßnahmen für die Natur vorgeschrieben. Sie sind Bestandteil der Förderung, und auf diesem Weg sollen die Ruinen nun verschwinden und Bäume gepflanzt werden.

Wolf freut sich über diesen „Deal“. „Das war harte Arbeit, wir mussten die Leute in Erfurt überzeugen.“ Als Investor tritt der kommunale Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsbetrieb (Waba) auf, weshalb auch über ihn die Ausschreibung zum Abriss der einstigen Militärhäuser laufen wird. In diesem Monat soll der Bescheid für Poschwitz eingehen, danach könnte die Leistung ausgeschrieben werden, so Wolf. „Der Abriss wird also nicht vor September oder Oktober erfolgen“, erläutert er. So lange müssten die Altenburger den Anblick also noch ertragen. Mit der Aufforstung sei dann im Frühjahr 2017 zu rechnen. „Wir werden dort das Wolfenholz erweitern.“

„Dann ist nach 27 Jahren das letzte Stück Kaserne, dann ist der letzte Schandfleck weg“, blickt Wolf auf den langwierigen Abriss. „Darauf bin ich stolz.“

Die alten Unteroffiziershäuser

Wenn an der Leipziger Straße die letzten vier einstigen Wohnhäuser für die Uniformierten verschwunden sind, ist vom einstigen Militärstandort Altenburg nichts mehr zu sehen.

Dabei hat die Skatstadt etwa 100 Jahre lang dem Militär als Standort gedient. Gustav Wolf, Vorsitzender der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft, weiß, dass die ersten Kasernengebäude in den 1890er Jahren entstanden – und zwar in der Leipziger Straße stadtauswärts auf der rechten Seite. Anfang und Mitte der 1930er Jahre seien dann nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht neben den bestehenden Kasernen und auf der gegenüberliegenden Seite weitere Bauten hochgezogen worden.

In Altenburg war zunächst ein Regiment des Kaiserlichen Heeres stationiert. Laut Gustav Wolf wurde das aber nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst, die Kasernen an der Leipziger Straße dienten fortan für Wohnzwecke. Das änderte sich, als die Nazis an die Macht kamen und in Altenburg 1934/35 wieder Militär einzog. Nach Wissen von Gustav Wolf hatte die Wehrmacht in der Skatstadt sowohl Infanterie als auch Artillerie stationiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen im Juli 1945 die Russen in Altenburg ein, neuer Herr der Kasernenanlagen wurde die Roten Armee – fast 50 Jahre lang. Laut Gustav Wolf wurde die Altenburger Garnison 1994 abgezogen.

Zwar habe es danach Gedanken gegeben, die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. „Man hat sich aber dagegen entschieden.“ Mitte der 1990er-Jahre und damit etwa 100 Jahre nach ihrem Bau begann der Abriss der Kasernen.

Von Frank Prenzel

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