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Altenburger Amateurfilmer planen Abend mit DDR-Filmen

LandCineasten Altenburger Amateurfilmer planen Abend mit DDR-Filmen

Ein unverkrampfter, nichtnostalgischer und dennoch interessierter Blick in die Vergangenheit: Dieses Ziel haben sich die LandCineasten des Altenburger Landes gesetzt. Mit einer Retrospektive von DDR-Amateurfilmen wollen sie für Interessierte die Geschichte eines besonderen Kapitels des DDR-Films lebendig werden lassen. Inklusive alter Vorführtechnik.

Dem Film und der Kamera auch heute noch verbunden. Der Schmöllner Jürgen Wolf plant eine Retrospektive von Amateurfilmen aus der DDR.

Quelle: Klaus Peschel

Altenburg. Zu Zeiten der DDR gab es im Land der Malcher und Marchen drei bedeutende Amateurfilmstudios. Eins in Schmölln, eins in Würchwitz, eins in Altenburg. Nach der Wende waren sie verschwunden. Der einfache Grund: sie hatten keine Räume mehr. Denn der Träger war der Rat des Kreises, die Abteilung Kultur. Diesen Rat gab es im neuen Deutschland nicht mehr. Ratlos verschwanden die Amateurfilmer.

Doch in diesem Jahr tauchten sie wieder auf. Im September veranstaltete der Verein LandCineasten im Quellenhof in Garbisdorf eine kleine Retrospektive. Gerhard Langer aus Altenburg, Helmut Pöschel aus Würchwitz und Jürgen Wolf aus Schmölln taten sich zusammen, sichteten altes Material und digitalisierten es. Gezeigt wurden auch Filme die in ihrer Zeit umstritten waren oder nicht aufgeführt werden durften. Jürgen Wolf erinnert sich: „Höhepunkt für uns waren immer die Arbeiterfestspiele. Eine Kommission wählte die Filme für den Wettbewerb aus. Wegen mangelnder Qualität oder mangelnder ideologischer Klarheit fiel der eine oder andere Film schon mal durch. Die Würchwitzer wurden mehrfach abgelehnt. Die machten Satire. Die Altenburger mussten überarbeiten. Die Schmöllner Filme wurden angenommen, wir drehten Dokumentarfilme.“

Das waren unter anderem Auftragswerke für Lehrfilme. Zum Beispiel zum Arbeitsschutz für die Berufsausbildung. Gedreht wurde auf 16 Millimeter Umkehrfilm. „Da konnten wir den Film sofort zeigen“, sagt Jürgen Wolf. Und das Entwickeln ging schnell: „Wir sind in das DEFA Kopierwerk in Johannisthal gefahren. Wenn man mit der Rolle noch in die Nachtschicht kam, dann war der Film drei Uhr morgens fertig und man konnte ihn mit nach Hause nehmen, hatte aber keine Kopie.“

Drei bis fünf Filme drehte jedes der drei Studios im Jahr. Fünf bis acht Mitglieder hatte jedes. Technisch waren sie gut ausgestattet. Um die Kosten brauchten sich die Amateurfilmer keine Sorgen zu machen. Die übernahm der Rat des Kreises. Die Amateurfilmer waren in der Regel von der Recherche bis zur Präsentation Einzelkämpfer. Sie verfassten das Exposé, schrieben das Drehbuch und hielten die Kamera in der Hand. „Man hat sich aber auch gegenseitig geholfen, jeder nach seinen Fähigkeiten war unser Motto“, sagt Jürgen Wolf. „Es war immer der Film des Studios, der entstand“, fügt er hinzu.

Zwischen den drei Amateurfilmhochburgen im Altenburger Land gab es keine Konkurrenz. „Wenn wir mal eine zweite Kamera brauchten, hat uns Würchwitz oder Altenburg ausgeholfen“, blickt Jürgen Wolf zurück. Der heute 69-Jährige war in Schmölln der Profi unter den Amateuren. Er studierte an der Betriebsakademie der DEFA Kamera und Filmdramaturgie und arbeitete nach dem Studium als freischaffender Dokumentarfilmer für die Redaktion Zeitgeschehen des Fernsehens in Berlin Adlershof.

Heute ist er Mitglied des Vereins der LandCineasten im Wieratal und hat noch Pläne. Gemeinsam mit den Würchwitzern und den Altenburgern will er das alte Filmmaterial erhalten und zeigen. „Das scheitert nicht am Willen, das kann am Geld scheitern“, zeigt er sich nachdenklich. Digitalisierung von Zelluloid aus DDR-Beständen ist teuer.

Andererseits finden er und seine Amateurfilmfreunde im Rentenalter, dass die Vorführung digitalisierter Amateurfilme ein Stilbruch ist. „Wir wollen jährlich eine Retrospektive unserer Filme machen“, blickt Jürgen Wolf nicht zurück, sondern voraus. Am liebsten mit der dafür geeigneten 16mm Vorführtechnik. Wo gibt es die aber noch? „Zu DDR-Zeiten hatte jede Schule zwei Projektoren“, erinnert sich Wolf.

Heute schaut es wohl so aus, als ob sich in zwei Bundesländern maximal ein Projektor auftreiben lässt. Und den wollen die LandCineasten haben. Damit im nächsten Jahr stilecht der Gong ertönt, bevor der Projektor zu surren beginnt und die Filmrolle in Bewegung kommt.

Von Klaus Peschel

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