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Altenburger Amtsarzt beklagt zu viele dicke Kinder im Grundschulalter

Stefan Dhein Altenburger Amtsarzt beklagt zu viele dicke Kinder im Grundschulalter

Seit dem 1. April 2015 ist Stefan Dhein neuer Amtsarzt. Die Aufgabe macht dem Professor Spaß – sein Ziel heißt nun, die Gesundheit der Bevölkerung auf einem hohem Stand zu halten. Sorge bereiten Dhein die vielen übergewichtigen Kinder im Grundschulalter.

Seit knapp einem Jahr Amtsarzt in Altenburg: Professor Stefan Dhein.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg.  War es Zufall oder Vorsehung? Die erste Stadt, die Stefan Dhein nach dem Mauerfall in der DDR besuchte, war Altenburg. Zu jener Zeit arbeitete er als Mediziner in Köln, seiner Geburtsstadt, und besuchte den Landkreis, weil seine Frau ihre ersten Lebensjahre in Lucka verbrachte und dort ihre Großeltern wohnten. Dass es ihn beruflich nach Altenburg verschlagen würde, daran war vor 26 Jahren nicht zu denken.

Auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung trat der heute 55-jährige Professor am 1. April 2015 die vakante Stelle des Amtsarztes an. Eigentlich ist dies ein Abstieg, zuvor war der preisgekrönte Pharmakologe immerhin Forschungsleiter am Herzzentrum der Universität Leipzig. Auch das Gehalt als Fachdienstleiter Gesundheit im Landratsamt ist jetzt deutlich geringer. Das spielt für den neuen Chef keine Rolle. Und ihn belasten nun auch keine wirtschaftlichen Zwänge oder Fallzahlen.

Sein Ziel heißt nun, die Gesundheit der Bevölkerung auf einem hohem Stand zu halten. „Eine sehr selbstbestimmte Arbeit, die mir sehr gut gefällt“, sagt Dhein, der dafür sogar das Wort super benutzt. „Ich merke, dass ich etwas für die Menschen bewirken kann.“ Anhand der vorhandenen Daten sei auch Forschung und Analyse möglich.

Dabei hat Dhein festgestellt, dass der Gesundheitszustand der Menschen im Landkreis im Grunde genommen gut ist. Da hier überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben, gebe es allerdings mehr altersbedingte Erkrankungen, wie Bluthochdruck und Diabetes. Auffällig seien ebenso mehr Herz-Keislauferkrankungen und mehr Übergewicht. Das allerdings sei kein spezifisches Problem des Landkreises, sondern eines für ganz Mitteldeutschland. Einen exakten Grund dafür vermag Dhein nicht zu erkennen, vermutlich hänge es mit der Ernährungsweise zusammen.

Fest stehe aber, dass es speziell im Altenburger Land zu viele übergewichtige Kinder gibt, vor allem im Grundschulalter. Zehn Prozent der ABC-Schützen seien davon betroffen, fünf Prozent bezeichnet der Mediziner sogar als fettsüchtig. Dieser Trend nehme bis zur vierten Klasse sogar zu, die Entwicklung der Betroffenen sei damit gestört, Erkrankungen vorprogrammiert.

Dies ist ein Thema, auf das der Amtsarzt angesichts der bevorstehenden Thüringer Gesundheitswoche (5. bis 13. März) speziell aufmerksam machen will. Dazu zählt auch eine Umkehr in der Betrachtungsweise. An die Stele der traditionellen Frage „Wie entsteht Krankheit?“ müsse die Frage rücken „Wie entsteht Gesundheit?“ Hier sei ein Wechsel in Sicht. „Wir müssen mehr Gesundheitsförderung machen“, fordert er.

Doch das ist schwierig und vor allem mühselig. Viele Menschen kennen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, fette und salzhaltige Kost. Und gerade die Thüringer lieben ihre Bratwurst oder das Steak auf dem Rost. Zur Gesunderhaltung zählt der Mediziner auch die Bewegung. Da reichen bereits 20 Minuten zügiges Spazierengehen am Tag. Dhein ist sicher: „Das bringt mehrere Lebensjahre.“

Kreisarzt Stefan Dhein im Porträt

Stefan Dhein ist seit dem ersten April 2015 Amtsarzt des Kreises. Er trat die Nachfolge von Dr. Bernhard Blüher an, der im August 2014 in Ruhestand gegangen war. Seitdem war die Position unbesetzt. Dhein studierte Medizin in Köln und Aachen, ließ sich zum Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie sowie zum Facharzt für Klinische Pharmakologie ausbilden. Er promovierte 1987 und erlangte 1993 die Habilitation für das Fach Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Köln. 1999 wurde er zum Professor ernannt. Seit 2001 ist Dhein Forschungsleiter am Herzzentrum der Universität Leipzig, Klinik für Herzchirurgie. Darüber hinaus hält er Vorlesungen und Seminare am Institut für Pharmakologie.

Dhein publizierte rund 190 wissenschaftliche Schriften in internationalen Zeitschriften sowie mehrere Bücher. Mehrfach wurde er für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet, erhielt unter anderem 1989 den Rottendorff-Preis für Pharmakologie und 2011 den Hans-Borst-Preis der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie den Sebastian-Kneipp-Preis 2011. Stefan Dhein ist 55 Jahre alt, verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Leipzig. Am Donnerstag feiert er seinen 56. Geburtstag.
 

Von Jens Rosenkranz

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