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Altenburg Altenburger Bahnhof verwahrlost – Stadt und Deutsche Bahn reagieren
Region Altenburg Altenburger Bahnhof verwahrlost – Stadt und Deutsche Bahn reagieren
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15:00 22.02.2018
Tauben und der dazugehörige Kot sind eines der größten Probleme im Altenburger Bahnhof. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Auf den ersten Blick sieht der Altenburger Bahnhof aus wie viele andere: Trotz schmucker Fassade ist hier und da der Lack ab. Sieht man allerdings genauer hin, treten größere Defizite zu Tage. Ein Rundgang Ende voriger Woche bestätigt Beschwerden von Stadträten und Lesern. Auch wenn einige Missstände – freilich erst nach einer entsprechenden Anfrage an die Stadtverwaltung und die Deutsche Bahn (DB) – inzwischen beseitigt worden sind, bleibt ein verwahrlosender Eindruck.

Schon an der Südseite findet sich das erste Indiz. Direkt neben dem Eingang zum DB-Büro wachsen eine Birke und Farne aus dem Boden an einer Treppe. Blickt man diese hinab, entdeckt man Schutt. Am Lastenaufzug um die Ecke sieht es nicht besser aus: Hier liegen Pappen und anderer Müll. Plasteflaschen und Graffiti finden sich an der Treppe hinauf zur Fußgängerbrücke. Diese zu nutzen erscheint sicherer als der Aufzug, der aufgrund eines herausgerissen Knopfes alles andere als funktionstüchtig wirkt. Der Eindruck bestätigt sich oben, wo der Aufzug steht – egal was man versucht. Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen müssen deswegen Umwege laufen.

Wieder unten verschlägt es einem fast den Atem angesichts einer toten Taube im Wartebereich von Bahnsteig 1. Zudem finden sich dort alle fünf, sechs Meter großflächige Ansammlungen von Taubenkot. Ist der an der Südseite inzwischen teilweise abgekratzt, sind die übrigen Stellen unverändert. Den Aufgang zu den Gleisen 2 und 3 lässt man lieber schnell hinter sich. Nicht wegen der vereinzelt herumliegenden Verpackungen, sondern vor allem wegen des Erbrochenen direkt vor der Treppe, die ein Muster aus plattgetretenen Kaugummis ziert.

Müll, Schmutz und Vandalismus-Schäden sind die Hauptprobleme auf dem Altenburger Bahnhof. Darüber ärgern sich Bewohner der Skatstadt und Gäste.

Doch damit nicht genug. Denn die Anzeige am Bahnsteig 2 weist einen Einschlag auf und die Scheibe ist gerissen. Das wiederum kann man von den Scheiben am Wartebereich nicht sagen – sie fehlen ganz. Zu guter Letzt erweist sich eine verstopfte Regenrinne als unfreiwilliges Mini-Wasserspiel. Auf dem Rückweg fallen Teile toter Tauben auf den Gleisen auf und im Tunnel Richtung Busbahnhof prägen sich Nässeschäden und herausgebrochene Fliesen ein. Schlimmer aber sind das Laub und der Müll im Tunnel-Teil ab der Treppe zum Taxi-Stand. Auf dieser wiederum finden sich neben leeren Schluck-Flaschen und Zigaretten-Schachteln auch Taschentücher und ein Baby-Schnuller.

Für diesen Bereich und die Fußgängerbrücke samt Fahrstuhl ist die Stadt Altenburg zuständig. Sofort nach der Anfrage machte sich Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) am Freitag auf den Weg zum Bahnhof. „Da gibt es nichts drum herum zu reden“, sagte der Rathaus-Chef im Anschluss. „Es sieht aus wie Sau und das darf nicht sein.“ Eigentlich werde das städtische Gebiet am Bahnhof jeden Donnerstag gereinigt. „Aber so, wie es da aussieht, ist das mindestens seit Silvester nicht mehr passiert.“

Als Ursache dafür machte Wolf gestern „Verschiebungen durch den Winterdienst und Krankheit“ aus. „Aber am Freitagnachmittag haben wir alles sauber gemacht“, erklärte der OB. Bei den Graffiti helfe wohl nur eine Feuerwehr-Aktion. „Das macht aber erst Sinn im Rahmen eines Frühjahrsputzes.“ Das größere Problem sei der Fahrstuhl. Heute oder morgen überprüfe ein Monteur, ob dieser „mit vertretbarem Aufwand reparierbar ist“ oder komplett ersetzt werden müsse. Ein neuer Fahrstuhl würde etwa 35 000 Euro kosten, wobei Wolf nicht weiß, wovon das bezahlt werden soll. „Das ist eindeutig Vandalismus.“

Dem stimmt die DB zu, die die Probleme kennt. „Ursachen für die hohe Verunreinigung des Bahnhofs Altenburg ist zum einen das bekannte Taubenproblem“, teilte Sprecherin Erika Poschke-Frost mit. „Zum anderen wird der Bahnhof auch als Treffpunkt von Personengruppen genutzt, welche diesen zusätzlich verunreinigen.“ Deshalb habe man bereits 2016 den Reinigungszyklus auf ein Mal pro Woche erhöht. Die neuerlichen Verschmutzungen seien bei der letzten Kontrolle am 10. Januar aber noch nicht da gewesen.

„Wir haben jedoch unverzüglich eine Sonderreinigung beauftragt“, so Poschke-Frost. Laut gestriger Kontrolle seien die Verschmutzungen, der Unrat und die Taubenreste beseitigt worden, was aber nur teilweise stimmt. „Das gesprungene Glas an der Fahrgastinformationsanlage wurde mit einer durchsichtigen Folie überklebt, welche das Abplatzen von Glassplittern verhindert.“ Zudem habe man im Dezember vor Ort beschlossen, die Tauben zu verdrängen und danach erneut intensiv zu reinigen. Dass die Arbeiten dazu noch nicht abgeschlossen seien, liege an der aktuellen Witterung. Bis Ende März soll nun die Taubenvergrämung abgeschlossen sein.

Von Thomas Haegeler

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