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Altenburg Altenburger Bahnhofstunnel wird zur Skatstadt-Galerie
Region Altenburg Altenburger Bahnhofstunnel wird zur Skatstadt-Galerie
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05:01 22.05.2018
Mit Farbdosen und Pinseln haben zahlreiche Kreative am Pfingstwochenende den Altenburger Bahnhofstunnel gestaltet. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

„Klacker, klacker, klacker. Pffft“ – das Geräusch gut durchgeschüttelter und genutzter Farbdosen war am Pfingstsonntag und -montag das allgegenwärtige Geräusch im Altenburger Bahnhofstunnel. Auf Initiative des Farbküchenteams um Susann Seifert und Ralf Hecht verwandelte sich die bis dahin schmuddelige Unterführung in eine Skatstadt-Galerie. Und zahlreiche kreative Altenburger packten mit an.

Galerie auf 55 Meter Länge

Schon am Sonnabend griffen die Helfer zu Farbwalzen und tauchten die gekachelten Wände des Tunnels mit einer Grundierung in ein blütenweißes und unschuldiges Weiß. Sie schufen damit auf einer Länge von etwa 55 Metern und einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern die größte Leinwand der Skatstadt. „Die Idee, diese Fläche wie eine richtige Galerie zu gestalten, entstand eher spontan. Deshalb haben wir jedem Interessenten ein Quadrat für sein eigenes Bild abgeklebt“, erklärte Susann Seifert.

Nicht nur sie wirkte den gesamten Sonntag über ein wenig fassungslos, wie groß die Resonanz der Altenburger auf diese im Rahmen des Stadtmensch-Festivals geborene Idee war – und wie facettenreich die Kreativität. „Zwar hatten sich viele Mitstreiter schon vorher angemeldet. Aber darüber hinaus ließen sich viele auch ganz spontan inspirieren, kamen beim Spaziergang mal vorbei und griffen gleich selbst zu Dose oder Pinsel.“

Leinentuch als Übungsfläche

Malen und dabei auch mal kleckern, das macht offenkundig einen Riesenspaß. Vor allem, wenn unter guten Kumpels oder ganz in Familie Kunst gemacht wurde. Wer sich nicht sofort an die echte Wand mit den nicht selten ungewohnten Farbdosen wagen wollte, konnte seine kreativen Fertigkeiten an einer „Schmodderwand“ aus Leinen ausprobieren. Schon bald erstrahlte dieser Übungsparcours herrlich knallbunt.

Auch im Tunnel selbst füllten sich die erst blankweißen Quadrate mehr und mehr mit Farbe. Und mit Themen, deren Vielfalt verblüfft: Außerirdische, Landschaften und reine Fantasiebilder entstanden ebenso wie Personen, Tiere und allerlei Ansichten der Skatstadt und anderer Orte.

Sprühen, ganz legal

Manchem der Künstler merkte man schon eine gewisse Professionalität im Umgang mit Dose & Co. an. Der 13-jährige Max zum Beispiel, der mit einem Kumpel eine frech grinsende Karikatur à la Bart aus der Comicreihe „Simpsons“ an die Wand warf. „Das hat mit der Serie aber nichts zu tun, sondern ist eine reine Eigenkreation“, sagte der Junge mit Nachdruck. Und ja, gesprüht habe er schon vorher öfter. „Aber nur legal.“

Legal ist in der Skatstadt-Galerie jedes Bild. Auch jene Szene aus dem Altenburger Inselzoo, die skatende Erdmännchen zeigt und ebenfalls professionell wirkt.

Auch Neu-OB Neumann macht mit

Auch Neu-OB André Neumann griff mit Tochter Marisa zu den Farbdosen und versuchte sich an einer Frühlingswiese. „Marisa scheint da besser zu sein“, meinte Neumann lachend und deutete auf eine von ihm gestaltete Blume, die eher einem roten Farbklecks gleichkam. „Aber am wichtigsten ist doch diese Aktion an sich. Es ist einfach toll, wie sich hier die Altenburger einbringen. Das zeigt doch, welches Potenzial in dieser Stadt steckt.“

Und der Zulauf an Hobbykünstlern riss partout nicht ab. Für den Montag hatten sich weitere Maler schon Flächen reservieren lassen. Da wurden die zum Mittag geplanten Nudeln mit Tomatensoße schnell knapp. Machte aber nichts: Kurzerhand wurde auf der eigens mitgebrachten Kochplatte ein neuer Schwung Spirelli zubereitet, nachdem der ausgegangene Sprit aus dem Stromaggregat rasch durch neuen von der Tankstelle ersetzt war. Und auch der Engpass an Einwegschüsseln war rasch behoben: Die Rositzer Feuerwehr half spontan mit Nachschub aus.

Rund 60 Bilder entstanden

„Was uns besonders beeindruckt hat, war die immense Resonanz. Aber auch diese spontane Hilfsbereitschaft und die herrliche Stimmung, die unter den Leuten herrschte“, sagt Susann Seifert beeindruckt. In Summe entstanden rund 60 Bilder. „Altenburg war in Bewegung“, so Seifert glücklich. Offiziell wird die Skatstadt-Galerie zwar erst am kommenden Sonnabend um 11 Uhr im Rahmen des Stadtmensch-Festivals eingeweiht. Besichtigt werden kann dieses Stück buntes Altenburg aber ab sofort.

Von Jörg Wolf

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