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Altenburg Altenburger Baumkataster: Skatstadt hat über 10.000 Gehölze im Bestand
Region Altenburg Altenburger Baumkataster: Skatstadt hat über 10.000 Gehölze im Bestand
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15:06 26.07.2017
Karteikarte war früher – heute zählt moderne Technik: Stadtförster Ralf Thalheim und Christine Fischer in ihrem Büro. Quelle: Foto: Mario Jahn

Wie viele stadteigene Bäume stehen in Altenburg? Christine Fischer weiß das ziemlich genau: 10 692. Im Moment, ohne den Stadtwald, ohne Privatbäume. In ein paar Tagen kann das schon wieder anders aussehen. „Die Zahl der Bäume und deren Zustand ist immer in Bewegung. Es ist nun mal ein lebender Bestand“, sagt Stadtförster Ralf Thalheim. Ein Hauptgrund, weshalb die Stadt Mitte der 1990er-Jahre begann, ein Kataster zu erstellen. Eine Arbeit, die bis heute nicht vollendet ist und seit nunmehr rund 14 Jahren in den Händen von Christine Fischer liegt.

„Kataster für Altenburgs Bäume entsteht“ titelte die OVZ am 6. Januar 1996. Sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt machten’s möglich. Zwei ABM-Kräfte, angestellt beim damaligen Garten- und Friedhofsamt, zogen damals von Straße zu Straße, um Gehölze zu nummerieren und deren Merkmale zu notieren. Erfasst wurden jeweils der Standort, die Art und das – zumeist geschätzte – Alter, wichtige Eckdaten wie Stammumfang und Kronenbild sowie Schädigungen: Risse, Höhlungen, morsche Stellen.

Die langen Reihen von Karteikarten hat Christine Fischer bis heute im Schrank. Handschriftliche Notizen und Standortskizzen mit Lineal und Kugelschreiber dokumentieren die Mühen der vergangenen Tage. Die 60-Jährige hat’s jetzt leichter: Der Computer hilft. Altenburgs Baumkataster ist jetzt eine Datenbank, verbunden mit einem Spezialprogramm. Der Rechner – wie auch all die alten Karten – gehört nun zum Inventar des Referats Stadtwirtschaft. Vor allem Linden sind dort verzeichnet: Winterlinden als heimische Art, seltener auch Sommer- und Krim-Linden. Und in Parks und öffentlichen Gärten auch so manche Kastanie, Buche oder Eiche.

Doch das Großgrün einfach nur zu verwalten, damit ist es nicht getan. Das Baumkataster wird beinahe täglich angezapft. „Ich drucke die Bestandslisten aus, die die Mitarbeiter für ihre Kontrollgänge brauchen“, schildert Christine Fischer. Fünf Kollegen aus dem Referat sind regelmäßig auf Achse, um die Bäume im Stadtgebiet in Augenschein zu nehmen. Kontrolliert wird vor allem auf Schadsymptome: Gibt es Pilzbefall oder Totholz, das herabstürzen kann? Wächst der Baum gerade, braucht die Krone einen Pflegeschnitt? Noch vor Ort können die Daten ins mobile Erfassungsgerät eingegeben werden. Bei Verdacht auf größere, nicht sofort ersichtliche Schäden werde ein externer, vereidigter Baumsachverständiger hinzugezogen, ergänzt Stadtförster Thalheim. Im Falle von Naturdenkmalen, wie den Münsaer, Leipziger und Geraer Linden, ist auch die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit im Boot. „Im Vordergrund steht die Verkehrssicherheit. Niemand soll unter einem Baum verletzt oder anderweitig geschädigt werden“, betont Thalheim. Manchmal bleibe nur die Fällung. Und die Ersatzpflanzung.

So ist der Baumbestand in Altenburg immer in Bewegung. Zumal bis heute, mehr als 20 Jahre nach dem Start des Baumkatasters, noch nicht alle Eigentumsfragen geklärt sind. „Gerade in der Anfangszeit wurden viele Bäume von der Stadt dokumentiert, die sich später als Privatbesitz herausstellten. Zum Beispiel Straßenbäume zwischen Ortschaften, die bereits auf dem Boden des Landwirts stehen.“ Eine Zeit lang, so Thalheim, umfasste das Kataster deshalb bis zu 18 000 Gehölze, wurde nach und nach bereinigt. Ein paar hundert Bäume seien nach wie vor noch nicht genau zugeordnet.

Doch auch das ist nur eine Frage der Zeit. Christine Fischer muss für Standortbestimmungen heute nicht mehr mit Stift und Lineal arbeiten, hat stattdessen elektronische Flurstückskarten und das moderne Geo-Informationssystem zur Verfügung. Der Stadtwald steht fürs Kataster allerdings nicht zur Debatte. Dort gelten die strengen Regeln der Verkehrssicherungspflicht nicht. Und noch weitere geschätzte 10 000 Bäume zu dokumentieren, das wäre dann doch zu viel.

Von Kay Würker

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