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Altenburger Betriebe müssen die Zukunft ansteuern

Industrie 4.0 Altenburger Betriebe müssen die Zukunft ansteuern

Von der Dampfmaschine zum digitalen Zeitalter – auch im Altenburger Land ist die sogenannte Industrie 4.0 dabei, den Arbeitsalltag komplett umzukrempeln. Um Konkurrenzfähig zu bleiben fordert die IHK flächendeckenden Breitbandausbau. Darüber hinaus sind Fragen der Internetsicherheit und die Anforderungen an Fachkräfte die großen Herausforderungen.

Kleine Geräte mit großer Wirkung – bei Indu-Sol in Schmölln werden Hard- und Softwarekomponenten entwickelt, die Firmen vor teuren Produktionsausfällen schützen, erklärt Pressesprecher Christian Wiesel.

Quelle: Jörg Reuter

Altenburg. Mit dem Aufkommen von Dampfmaschinen begann eine industrielle Revolution. Später veränderte der elektrische Strom die Produktion radikal, und im 20. Jahrhundert krempelten Automaten und Fließbänder die Arbeitsabläufe vollständig um. Inzwischen wird von der vierten industriellen Revolution oder Industrie 4.0 gesprochen, wenn Traktoren auch über Felder des Altenburger Landes zentimetergenau automatisch gelenkt oder in der Schmöllner Firma Indu-Sol Diagnosegeräte für Fließbänder und Maschinen entwickelt werden, die Fehler melden, noch bevor sie auftreten.

Steffi Keil von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen ist sich sicher: Die Zukunft der Wirtschaft wird digital. Die Sachgebietsleiterin Innovation und Umwelt sieht im Wandel zu elektronisch gestützten und gesteuerten Prozessen eine Herausforderung, der sich alle Firmen stellen müssen. Bei einer bundesweiten IHK-Umfrage antworteten 94 Prozent der Unternehmen auf die Frage, ob die Digitalisierung ihre Geschäfts- und Arbeitsprozesse beeinflusst, mit Ja. Von diesem Wandel sind alle Wirtschafts- und Lebensbereiche berührt. „Das beginnt beim Internethandel und den Firmen-Homepages, geht weiter über die Verwaltungen, Stichwort elektronische Steuererklärung, bis hin zum Gesundheitssystem“, weiß Keil.

Besonders betroffen sind die Werkhallen. Industrie 4.0 bedeutet vor allem die Vernetzung der Produktion, erläutert Christian Wiesel von der Firma Indu-Sol. Dass computergesteuerte Maschinen mit den Rechnern im Büro verbunden sind, ist Normalität. „Doch die Netzwerke sind wie Inseln, in sich abgeschlossene Systeme. Das Neue wird sein, dass die Firma der Zukunft quasi komplett offen mit dem weltweiten Netz verbunden ist.“ Damit könnten die Möglichkeiten, die moderne Maschinen wie Laserschneider oder Fünf-Achs-Fräsmaschinen heute schon bieten, optimal genutzt werden. Damit sei realisierbar, Einzelstücke so preiswert wie Massenprodukte herzustellen, erklärt Wiesel. Solche Arbeitsabläufe sind auch in Produktionsstätten des Landkreises mehr als Zukunftsmusik. „Je größer die Unternehmen sind, um so früher werden Innovationen eingesetzt“, weiß IHK-Frau Keil und nennt beispielhaft die Autozulieferindustrie.

Jedoch sind mit der Entwicklung Gefahren verbunden. Auf der einen Seite besteht bei der IHK Ostthüringen die Sorge, dass allem voran die mittelständige Wirtschaft nicht mitkommt. Weil eben kleine Unternehmen es naturgemäß schwerer haben, die nötigen Investitionen zu stemmen. Bedeutsam sei ein flächendeckender Internetzugang mit hohen Datenraten, damit die Wirtschaft im Altenburger Land konkurrenzfähig bleibt, erläutert IHK-Mitarbeiterin Franziska Neugebauer. Der Breitbandausbau sei deshalb eine zentrale IHK-Forderung.

Ein anderes Problem ist die Datensicherheit, so Indu-Sol-Pressesprecher Wiesel. Und genau damit beschäftigt sich sein Arbeitgeber. In Schmölln werden Diagnosegeräte für Netzwerke entwickelt, die im Millisekundenbereich Datenbewegungen auswerten. Damit können zum einen Fehler gefunden, die beispielsweise durch Verschleiß langsam entstehen, zum anderen auch Spione wie Trojaner entdeckt werden. „Unsere Systeme zeigen an, wenn etwas nicht stimmt oder ungewöhnlich ist.“ Laut Wiesel würden herkömmliche Sicherheitsprogramme der Büro-PCs in der Produktion nicht funktionieren. „Es gibt in jedem Fall Handlungs- und Aufklärungsbedarf, was die Sicherheit betrifft“, betont auch Keil. Denn die neuen Netzwerke und Maschinen sammeln Daten am laufenden Band. Damit ist es umso wichtiger, dass die Firmen ihr Know-how und ihre Informationen vor Cyberattacken schützen.

Industrie 4.0 ist zudem nicht unumstritten wegen der zukünftigen Rolle des Menschen. „Die Anforderungen an die Fachkräfte werden sich deutlich verändern“, sagt Keil. Sie erwartet jedoch keine steigenden Arbeitslosenzahlen durch die Digitalisierung. „Und ich bin überzeugt, auch Leute ohne ein Studium werden weiterhin Jobs finden.“ Ebenso werde es nie den komplett überwachten gläsernen Arbeiter geben, meint IHK-Frau Keil. Nichtsdestotrotz gelte es, ein technologiefeindliches Klima zu verhindern, betont die Sachgebietsleiterin. Schließlich gehe es um die Konkurrenzfähigkeit hiesiger Arbeitsplätze.

Von Jörg Reuter

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