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Altenburg Altenburger Bonhoeffer-Schule kämpft mit Gewalt und Mobbing
Region Altenburg Altenburger Bonhoeffer-Schule kämpft mit Gewalt und Mobbing
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05:06 11.04.2019
Die Idylle trügt: An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Altenburg gibt es Probleme mit Gewalt und Mobbing, auf die die Schulleitung aber reagiert. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Viele Bäume säumen das Gelände der Dietrich-Bonhoeffer-Schule am nördlichen Rand Altenburgs. Alles ist gepflegt – vom Schulhof über den Garten bis hin zu den Rabatten am Eingang der Regelschule. Eingerahmt von Gärten, Einfamilienhäusern, einer Kindertagesstätte, dem Jugendtreff Abstellgleis und der Wenzelhalle bietet der Plattenbau ein durchaus idyllisches Bild.

Schulleiterin sieht Hetzkampagnen

Doch hinter der Fassade rumort es. „Es könnte so schön sein“, sagt Schulleiterin Yvonne Künzel mit Blick auf das Grün – und die sich an der Schule türmenden Probleme. Glaube man anonym veröffentlichten Briefen und Diskussionen in sozialen Medien, herrschen an der Bildungseinrichtung Zustände wie in Sodom und Gomorra, seien verbale und körperliche Gewalt an der Tagesordnung, während sie und ihr Kollegium tatenlos zuschauten oder verharmlosten. „Die Hetzkampagnen schaden dem Ruf unserer Schule, zerstören Vertrauen – lösen aber keine Probleme.“

Eltern erheben schwere Vorwürfe

Nach immer lauteren Rufen besorgter Eltern sollen Schüler Taschenmesser und eine Schlagkette dabei gehabt haben. Auch berichten sie und Kinder von Drohungen, Beschimpfungen, Anspucken und Schlägen. Die Folge sei Angst, woraufhin eine Lehrerin die Kinder als „Heulsusen“ bezeichnet haben soll. Aggressionen würden sich zudem im Sportunterricht entladen. Die Folge: schwere Verletzungen wie Rippenprellungen oder blutende Wunden. Darüber hinaus kritisieren Mütter und Väter, davon erst Stunden später erfahren zu haben oder gar nur schriftlich im Hausaufgabenheft.

Gewaltexzesse auch außerhalb der Schule

Anderen Schilderungen zufolge gipfeln die innerschulischen Konflikte auch in Gewaltexzessen außerhalb. So wurde ein 12-jähriger Bonhoeffer-Schüler jüngst verprügelt, musste ins Krankenhaus. Die Täter werden ebenfalls in der Schule vermutet. Zudem wurde ein Mädchen Ende März auf dem Heimweg abgefangen, geschlagen und getreten – einen Tag, nachdem es von einem Mitschüler bedroht worden war, der mit dem Angreifer befreundet sein soll. In beiden Fällen ermittelt die Polizei.

Vier Ausschlüsse vom Unterricht

Dinge, die Yvonne Künzel nicht wegwischen will: „Auch an unserer Schule gibt es Streit, Beleidigungen, Mobbing und körperliche Auseinandersetzungen.“ Sie wisse auch von Gewalt auf dem Schulweg, sei dafür aber nicht zuständig und bitte die Eltern, Anzeige zu erstatten. „Aber das passiert oft nicht.“ In der Schule reiche die Maßnahmenpalette „vom persönlichen Gespräch bis zum Ausschluss vom Unterricht“. Viermal sei es dieses Schuljahr zum Ausschluss gekommen. „Zum Schutz anderer Kinder.“

Yvonne Künzel räumt Fehler ein

Das Taschenmesser sei anstandslos übergeben worden, bezieht die seit 18 Jahren an der Schule tätige Lehrerin weiter Stellung. Zu „Heulsusen“ habe die Kollegin erklärt, dass das Wort nicht zu ihrem Sprachgebrauch gehöre. Und von der Schlagkette habe sie erst im Nachhinein erfahren. „Da ist es schwer, dem nachzugehen“, so Künzel. Man habe mit dem Vater gesprochen. „Er duldet solches Verhalten nicht.“ Bei den Sportunfällen räumte sie indes Fehler ein: Hier sei „meine Anweisung missachtet“ worden. Sie bat daher die Eltern, dies schriftlich anzuzeigen, da sie sonst nichts tun könne. „Das ist nicht passiert.“

Viele Schüler aus schwierigen Verhältnissen

Im Übrigen bestätigt Künzel den Eindruck von Eltern, dass es nur einzelne Aggressoren sind, die mit einigen Mitläufern das schulische Leben erschweren. „Viele unserer Schüler sehen die Bonhoeffer-Schule als Ort der Ruhe und des gemeinsamen Lernens“, erklärt sie. Denn ihre Schüler kämen häufig aus belasteten Familien, die mit „Armut, Arbeitslosigkeit, Billigjobs, Trennung/Scheidung der Eltern, psychischen Erkrankungen, Sucht oder Gewalt“ zu tun haben. „Der Frust über die eigene Lebenssituation wird von einigen Eltern auf die Kinder übertragen.“ Das führe zu weiteren Konflikten.

Hoher Ausländeranteil und mehr Elternangebote

Erschwerend kommt hinzu, dass von den 215 Schülern 52 keine deutschen Wurzeln haben. Darauf und auf die übrigen Probleme hat die Schule bereits mit im Zweifel gedolmetschten Elterngesprächen, mit fünf Elternsprechstunden pro Schuljahr und aktuell einem dritten Elternabend reagiert. „Pflicht ist einer“, sagt Künzel zu der am Donnerstag stattfindenden Veranstaltung, von der sie sich Lösungsansätze erhofft. Dabei unterstützen sie zwei Sozialarbeiter, die die langzeiterkrankte Schulsozialarbeiterin ersetzen.

Eltern versuchen Erziehung abzuwälzen

„Leider nehmen die Eltern die schulischen Angebote selten wahr“, so Künzel, die auch ein verstärktes Abwälzen der Erziehung auf die Schule sieht. „Das können wir nicht leisten.“ Deswegen und weil sich Eltern ihrer Schüler kaum über das Hauptproblem, den Lehrermangel, aufregen, ärgere sie sich über den im Netz verbreiteten Hass. „Mit Hetzkampagnen und Rufmord schreckt man potenzielle Lehrer für unsere Schulen nur noch mehr ab.“

Von Thomas Haegeler

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