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Altenburger Ehe-Drama endet im Knast – Staatsanwalt kündigt Berufung an

Zwei Jahre Haft Altenburger Ehe-Drama endet im Knast – Staatsanwalt kündigt Berufung an

Der Altenburger Frank S. muss fast zwei Jahre ins Gefängnis. Dazu verurteilte den Ex-Wirt das Amtsgericht, weil er seiner Frau nach einem Streit im Suff mit einer Flasche schwer verletzt hat. Deswegen ist sie heute entstellt, sieht auf dem einen Auge nur noch die Hälfte – und hält doch zu ihrem Mann.

Der Altenburger Frank S. muss fast zwei Jahre ins Gefängnis. (Symbolfoto)

Quelle: LVZ

Altenburg. Am Ende stand sie an der Seite ihres Mannes – und kurz vor dem Zusammenbruch. Marina S. weinte und wollte nicht wahrhaben, dass ihr Mann soeben von Amtsrichter Sandy Reichenbach zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Dabei war es der 60-Jährige, der sie durch eine vier Zentimeter lange Narbe im Gesicht entstellte und ihre Sehkraft auf dem linken Auge auf 50 Prozent reduzierte. Der Angeklagte hingegen nahm das Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung in dieser Woche äußerlich regungslos hin.

Mit der Weinflasche auf den Kopf geschlagen

Dass dem Altenburger Ex-Gastwirt nun fast zwei Jahre Knast blühen, liegt daran, dass es das Schöffengericht unter Leitung von Reichenbach als erwiesen ansah, dass er seiner Frau an deren Geburtstag nach einer Familienfeier und einem Streit auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung im Juni 2015 mit einer Weinflasche gegen den Kopf geschlagen hat. Dadurch brach er ihr mehrere Knochen des Nasengerüsts, die Kapsel des Augapfels riss, die Netzhaut wurde beschädigt, und sie erlitt Schnittwunden im Gesicht und an der Hand.

Das Urteil stützte Reichenbach vor allem auf die Aufnahme des Notrufs und die bei der Polizei gemachten Aussagen von Marina S. Bereits beim Anruf in der Leitstelle hatte die Altenburgerin den gelernten Zerspaner schwer belastet. Denn der Beamte ließ die Aufnahme nach dem eigentlichen Gespräch weiterlaufen, wodurch klar zu hören war: „Ich muss doch sagen, wie’s gewesen ist. Du hast mir die Flasche über’n Kopf gedonnert.“ Das hatte sie sowohl am Tatmorgen als auch bei einer weiteren Vernehmung sechs Wochen später so geschildert.

Schnittverletzungen passen zu keinem Messer

Allerdings negierte die Geschädigte diese Aussage vor Gericht und behauptete nun, dass sie sich selbst im Streit an der Flasche verletzt und die Schnitte mit Gesicht in Selbstmordabsicht davor und danach zugefügt habe. Auf die wiederholte Frage, warum sie das sage, führte sie ihre psychische Erkrankung an. „Ich spinne manchmal, höre Stimmen und bilde mir was ein“, erklärte sie und zitterte dabei wie Espenlaub.

Das glaubten ihr aber weder Richter Reichenbach noch Staatsanwalt Klaus Schurwanz. Denn laut medizinischem Gutachten passten die Schnittverletzungen zu Scherben und nicht zu einem Messer. Zudem konnte sie sich auf Nachfragen glaubhaft an andere Details erinnern – und ihr Sohn stützte die ursprüngliche Version. „Ihre Aussage ist erlogen aus Angst vor dem Angeklagten, aus Angst, alleine zu sein, aus Angst vor dem Heim und aus Existenzangst“, so Reichenbach.

Mann hat ein Alkoholproblem

Wegen der Falschaussage kündigte Schurwanz ein Verfahren gegen Marina S. an. Strafmaß: drei Monate bis fünf Jahre. „Ich geh’ nicht ins Gefängnis, vorher hänge ich mich auf“, meinte sie. Trotzdem hielt sie an der Version fest, die zum Teil bis aufs Wort der ihres Mannes glich. Der wiederum ist schwer krank, hat ein Alkoholproblem, hatte zur Tatzeit maximal 2,7 Promille intus und stand wegen Körperverletzung unter Bewährung.

Warum die Frau sich so verhält? 36 Jahre ist sie mit dem Ex-Wirt verheiratet und finanziell abhängig. 30 Jahre schmiss das Paar ein Gartenlokal – und immer wieder gab es gewaltsame Zwischenfälle. Doch jedes Mal verzieh sie und kehrte zu ihrem Mann zurück. „Ich kann nicht ohne meine Frau und meine Frau nicht ohne mich“, brachte dieser das Verhältnis auf den Punkt.

„Das, was hier passiert ist, war zu viel“, begründete Reichenbach sein Urteil. Dieses traf fast die Mitte der von Schurwanz geforderten drei Jahre Haft und dem Freispruch, für den Verteidiger Thomas Worm plädierte. Während Letzterer noch die Begründung abwarten wollte, kündigte der Staatsanwalt bereits Berufung an.

Von Thomas Haegeler

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