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Altenburger Fahrschulen fehlt Lehrer-Nachwuchs

Personalmangel Altenburger Fahrschulen fehlt Lehrer-Nachwuchs

Ungeregelte Arbeitszeiten, hohe Kosten und nicht gerade üppige Gehälter – auch im Altenburger Land geht die Zahl der Fahrlehrer seit Jahren zurück. Und auch die Ausbildung zum Fahrlehrer ist nicht eben billig. Derzeit ist die Situation im Kreis allerdings entspannt, sind lange Wartezeiten selten. Die Frage ist, wie lange noch.

Bringt den Altenburgern das Autofahren bei: Torsten Schmidt, Vorsitzender des Altenburger Kreisverbandes der Fahrlehrer.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Immer weniger Fahrlehrer, zu viele Fahrschüler, längere Wartezeiten auf den Praxisunterricht – das ist derzeit das traurige Bild an vielen Fahrschulen. Auch in Altenburg und Umgebung ist die Situation angespannt – über die Jahre haben viele Fahrschulen dichtgemacht, es fehlt an Nachwuchs.

„Vor zehn Jahren gab es hier doppelt so viele Fahrschulen und deutlich mehr Fahrlehrer“, sagt Torsten Schmidt, Vorsitzender des Altenburger Kreisverbands der Fahrlehrer. „Bei der Entwicklung ist absehbar, dass wir bald keine Fahrlehrer mehr vor Ort haben.“ Heute gibt es nur noch 56 Fahrlehrer und sechs Fahrschulen in Altenburg, weitere 21 im Landkreis. Viele Fahrschulen würden schließen, die Ex-Inhaber fahren nun Lkw oder machten etwas anderes. Das Durchschnittsalter der Lehrer liege bei 55 Jahren. Nachwuchs? Fehlanzeige. Lange Wartezeiten wie andern Ortes in Thüringen gibt es in Altenburg zwar noch nicht – die Fahrlehrer arbeiten aber nahe der Belastungsgrenze.

„Ich mache Überstunden, weil ich keinen Schüler, der anfragt, wegschicken will. Wir arbeiten im Akkord, es funktioniert gerade noch so“, sagt Schmidt, der zusammen mit einem anderen Fahrlehrer und einem in Teilzeit beschäftigten Rentner rund 200 Fahrschüler pro Jahr abfertigt. Sofort könnte er zwei weitere Fahrlehrer in Vollzeit einstellen. Doch gemeldet hat sich bei ihm schon lange niemand mehr, der den Job machen möchte.

„Das Problem ist: Wir arbeiten immer dann, wenn die anderen Freizeit haben“, sagt Schmidt. Der 50-Jährige leitet als Selbstständiger in Altenburg eine eigene Fahrschule, ist seit 25 Jahren Fahrlehrer und von morgens bis abends auf seinen vier Rädern unterwegs. Einen geregelten Arbeitsalltag kennt er nicht. „Viele Fahrstunden gebe ich nach Bedarf über den Tag verteilt. Die meisten Fahrten sind in den Abendstunden und Ferien.“ Bei den vorgeschriebenen Nachtfahrten geht der Unterricht bis 24 Uhr. Die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei mit ein Grund, warum junge Leute und gerade Frauen zurückschreckten. „Da braucht es einen Partner, der tolerant ist, sonst geht das schief.“ Auch die Abwanderung junger Leute in die Städte verschärfe den Fachkräftemangel auf dem Land.

Das spärliche Gehalt sowie die hohen Kosten der Ausbildung seien weitere Ursachen, meint der 44-jährige Sven Olbrich – seit dreizehn Jahren Fahrlehrer in Altenburg und Schmölln. Dabei unterscheide sich die schlechte Lage der Fahrlehrer in Altenburg und Umgebung nicht.

„Fahrlehrer im Osten verdienen nicht viel, ihr Einkommen liegt mit 8,50 bis 10,50 Euro pro Stunde leicht über dem Mindestlohn.“ Im Westen werde deutlich mehr gezahlt. Um Fahrlehrer zu sein, müsse man zudem gleich mehrere Führerscheine erwerben – neben der Pkw-Lizenz auch eine für Motorrad, Lkw oder Bus. Diese kosteten im Schnitt über 10 000 Euro und müssten aus eigener Tasche bezahlt werden – ein Kostenproblem. Vielen fehle das Geld.

Als Lösung hatte Harry Bittner, Vorsitzender des Thüringer Landesverbands der Fahrlehrer, jüngst vorgeschlagen, die Zugangsvoraussetzungen zu vereinfachen und auf die Lkw-Prüfung mit Anhänger zu verzichten. Olbrich hält davon nichts, ebenso wenig von der Abschaffung eines Führerscheins. „Je weniger Führerscheine, um so geringer ist die Kompetenz des Fahrlehrers.“ Laut Olbrich sollte die Politik hingegen Berufsanwärtern finanziell unter die Arme greifen, um die hochpreisigen Führerscheine erschwinglicher zu machen.

„Den Ausbildungszugang zu vereinfachen und Sonderkonditionen für unsere Fahrlehrer zu verabreden, ist nicht Sache der Stadt“, sagt Christian Bettels, Sprecher der Stadt Altenburg. Das Problem müsse auf Landes- oder Bundesebene geregelt werden. Wegen des Zuzugs gerade junger Familien seien die Altenburger Fahrschulen gut nachgefragt und die Einnahmesituation günstig. Auch mehr Flüchtlinge werden künftig den Führerschein machen – von einem Ansturm kann laut Olbrich und Schmidt derzeit jedoch keine Rede sein.

Doch klar ist: Ohne mehr Personal wird es schwierig. Für Fahrlehrer Schmidt hat die Politik jahrelang versäumt gegenzusteuern. „In zehn Jahren mache ich meinen Laden dicht und dann kommt niemand mehr, um ihn weiterzuführen.“

Harry Bittner vom Thüringer Landesverband sieht die Situation in Altenburg entspannter: „Hier gibt es noch Überkapazitäten und keine Wartezeiten wie in anderen Regionen Thüringens. Es geht alles noch gerade so auf.“

Von Oliver Becker

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