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Altenburg Altenburger Folkloreensemble kommt mit Weltrekord ins Guinness-Buch
Region Altenburg Altenburger Folkloreensemble kommt mit Weltrekord ins Guinness-Buch
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00:19 01.07.2017
Ensemblechef Volker Kibisch präsentiert die Urkunde, die bis heute einen Ehrenplatz hat. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Die Idee kam Volker Kibisch ganz spontan im Jahr 1998: Als er mit dem Altenburger Folkloreensemble, dem er vorsteht, zu Gast beim Thüringer Tanzverband war, und dort der Thüringer Tampet vorgeführt wurde, war dem heute 58-Jährigen sofort klar: „Sowas machen wir auch zum Thüringer Tanzfest, das 2000 erstmals bei uns in Altenburg stattfand. Aber das sollte nicht nur ein bloßer Tanz werden, sondern gleich ein Weltrekordversuch fürs Guinness-Buch“, erinnert sich Kibisch.

Altenburgs Folkloristen und ihre Unterstützer wollten mit diesem Tampet den Weltrekord als „größte Volkstanzgruppe“ aufstellen. Das war schon ein ziemlich dickes Brett. Immerhin hielt diese Bestmarke bis dahin Stuttgart, wo 8000 Menschen tanzten. „Aber bange war mir ehrlich gesagt nie, dass wir diese Zahl nicht toppen können“, meint Kibisch heute.

Doch aus der Kalten tanzt keiner den Tampet, der als so genannter Kettentanz in seinen Bewegungen zwar nicht sehr schwer ist, aber den keiner ohne Training hinbekommt. „In den folgenden zwei Jahren bis hin zu dem Thüringer Tanzfest ging das Training los. Überall an Schulen und in Sportvereinen war der Tampet im Programm. In Schulen gerieten die Trainings sogar zum Teil des Sportunterrichts.“

Und das Folkloreensemble war immer mittendrin, schickte ausgebildete Trainer herum und bot selber regelmäßig Übungseinheiten für Jedermann in der Turnhalle der Reichenbachschule an. Parallel studierten auch befreundete Vereine, die zum Tanzfest ihre Aufwartung machen wollten, im In- und Ausland fleißig den Tampet. Zugleich begleiteten die Medien intensiv die Vorbereitungen, berichteten laufend über den aktuellen Stand und warben weitere Mitstreiter. „Ja, man kann durchaus sagen, dass dieser alte Volkstanz damals sicher der berühmteste in Altenburg war“, lacht Kibisch.

Also war alles für jenen 4. Juni 2000 angerichtet, als der Rekord auf dem Promenadenrundweg um den Großen Teich gebrochen werden sollte. „Ich war mir absolut sicher, dass dies klappt, als die Leute wie Ameisen aus allen Gassen in Scharen gen Teich pilgerten, um zu tanzen.“ Der gesamte Rundweg sollte zur Tanzmeile werden, und er wurde es auch. Für die synchrone Beschallung des riesigen Areals mit der Musik war eigens eine professionelle Tonfirma aus Halle engagiert worden, die rund um den Teich Lautsprecher aufstellte. Zwar wurden die in der Nacht zuvor Angriffsziel unbekannter Diebe, die einige Boxen stahlen und die Installation in Teilen zerstörten. „Aber zum gesetzten Termin funktionierte alles.“

Nach 20 Minuten begann das große Rechnen entlang der 1,7 Kilometer langen Promenade. Eigens dafür übernahmen vier gestrenge Rechtsanwälte diesen Part, der unbedingt Neutralität verlangte, um als Weltrekord gültig zu sein. Und dann die Ernüchterung: „Nur“ 3472 schwangen das Tanzbein, viel zu wenig für diesen Rekord. „Erst einmal war ich wirklich wie vor den Kopf geschlagen. Aber dann hatte ich ja noch Plan B: Die Sache galt fortan als die größte Tanzgruppe, die dafür zuvor trainiert hat. Das hat zuvor noch niemand probiert.“

So ging der Antrag letztendlich gen Jury der Guinness-Buch-Redaktion. Und es begann das große Warten. 15 Monate lang hörten die Altenburger nichts mehr, ob es mit dem Weltrekord geklappt hat. „Ehrlich gesagt, trat das Thema im Laufe der Monate immer mehr in den Hintergrund. Und irgendwann dachte keiner mehr daran, bis ich im September 2001 Post im Briefkasten hatte“, plaudert Kibisch. Fast hätte er den bunten Umschlag als Werbung angesehen und in der Papiertonne entsorgt. Zum Glück schaute er noch einmal genauer hin und erkannte den gewichtigen Inhalt der Sendung. „Da war die Anerkennungsurkunde als Weltrekord drin. Wir hatten es geschafft. 2001 hat sich für uns damit ein dreijähriger Kreis erfolgreich geschlossen.“

Bis zum heutigen Tag gehört der Thüringer Tampet – jener Begrüßungstanz – zum festen Repertoire des Folkloreensembles. „Und angesprochen werde ich bis zum heutigen Tag auf unseren Weltrekordversuch. Der hat sich bei den auswärtigen Teilnehmern eingeprägt“, so Kibisch. Die Urkunde hat natürlich einen Ehrenplatz in der Brauerei bekommen, wo das Ensemble seinen Sitz hat. Und Bestand hat dieser Weltrekord bis zum heutigen Tag.

Von Jörg Wolf

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