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Altenburger „Horrorhaus“ ist komplett verschwunden

Abriss Altenburger „Horrorhaus“ ist komplett verschwunden

Wo einst das Wohnhaus mit der Nummer 57 stand, klafft jetzt eine Lücke. Nachbarn haben das Gebäude erworben und abgerissen. Im Jahr 2006 war das Haus bundesweit in den Schlagzeilen: Im Keller wurden Anfang der 1990er-Jahre Babyleichen vergraben und einbetoniert.

Am Neujahrstag 2006 wurden im Keller dieses Wohnhauses von Polizei und Technischem Hilfswerk zwei einbetonierte Babyleichen gefunden.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Nur noch eine eingeebnete Brachfläche ist von einem Wohnhaus mit einem der schauerlichsten Ereignisse der jüngeren Vergangenheit Altenburgs übrig geblieben: Stück für Stück wurde in den zurückliegenden Monaten das Gebäude in der Zeitzer Straße 57 abgerissen und komplett dem Erdboden gleich gemacht. Nachbarn, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, haben die völlig heruntergekommene Immobilie nebst Grundstück erworben. „Um sie endlich verschwinden zu lassen“, meinte einer. In Handabtrag wurde das Haus mit der grusligen Vergangenheit beseitigt, weil die am Grundstück vorbeiführende Hauptverkehrsstraße nicht einfach für den Einsatz schwerer Technik gesperrt werden konnte.

Nachbarn haben das zur Ruine verkommene Gebäude mit der schaurigen Geschichte mittlerweile abgerissen, um den Schandfleck zu beseitigen

Nachbarn haben das zur Ruine verkommene Gebäude mit der schaurigen Geschichte mittlerweile abgerissen, um den Schandfleck zu beseitigen.

Quelle: Mario Jahn

Schon seit langem liefen die Bemühungen, das Haus nebst Grundstück in den Besitz zu bekommen, um das Haus verschwinden zu lassen: Denn nicht umsonst trug es seit dem Jahreswechsel 2005/2006 bei vielen Altenburgern umgangssprachlich nur noch die Bezeichnung „Horrorhaus“. Denn in den 1990er-Jahren hatte der Ehemann der dort bis vor gut zwölf Jahre lebenden Familie zwei Babyleichen, die seine Frau kurz zuvor geboren hatte, im Keller verscharrt und einbetoniert. Auf deren Geheiß, wie der Mann immer wieder betonte. Jahr um Jahr lebte die Familie mit dem grausigen Geheimnis im Keller weiter in dem Haus. Als die Frau Silvester 2005 Trennungsabsichten äußerte und mit einem Freund nach Kosma zur Silvesterparty ging, machte der gehörnte Ehemann seine Drohung wahr und ließ das schaurige Familiengeheimnis bei der Kripo auffliegen.

Im Keller einbetonierte Babyleichen in Altenburg – die Skatstadt erlebte in den folgenden Tagen des gerade angebrochenen Jahres 2006 mit dieser grauenvollen Tat einen deutschlandweiten Medienhype. Die Ehefrau wurde im Herbst des Jahres wegen zweifachen Totschlags zu 9,5 Jahren Gefängnis verurteilt, der schwer alkoholkranke Ehemann, der die Leichen nur beseitigt haben soll, kam nie vor Gericht. Seine Tat, Beihilfe, war nach über zehn Jahren schon verjährt. Ihre Haftstrafe hat die mutmaßliche Kindsmutter mittlerweile in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz abgesessen. Altenburg und dort das Haus ihrer Eltern hat sie nie wieder betreten. Ihr Spur verliert sich irgendwo in Deutschland.

Doch der schwer alkoholkranke Mann sorgte in der Skatstadt weiter für Wirbel: Noch bis Anfang 2010 hauste er in dem sonst leer stehenden Haus, während offensichtlich die darauf lastenden Schulden immer weiter in die Höhe stiegen – Strom, Wasser und Heizung gab es zuletzt nicht mehr. Nach OVZ-Informationen soll schon vor dem Bekanntwerden der Tat das Gebäude hoch verschuldet gewesen sein, so dass die Gläubiger die Zwangsversteigerung vorantrieben. Doch dazu kam es bei einer Immobilie mit so einer Horrorgeschichte nie – wohl, weil sich bei so einer grausigen Vergangenheit nie ein Käufer gefunden hätte. Irgendwann wurde der ganze Vorgang offensichtlich zu den Akten gelegt, die Schrottimmobilie abgeschrieben.

Doch auch nachdem der Mann aus dem mittlerweile heruntergekommenen Gebäude Anfang 2010 zwangsgeräumt und anderweitig in Altenburg untergekommen war, kehrte keine Ruhe ein: Immer wieder sollen sich in und um das Gebäude „zwielichtige Gestalten“ herumgetrieben haben, die sich auch Zutritt verschafften. Mehrfach musste die Polizei anrücken, um das Haus wieder zu sichern.

Auch der Ehemann, dem unterdessen erhebliche psychische Beeinträchtigungen attestiert wurden, stattete dem einstigen Heim nochmals einen Besuch ab: Ostermontag 2010 zündete er mit einer Flasche Brennspiritus im Dachgeschoss eine Decke an. Das sei sein „Osterfeuer“ gewesen, meinte er damals. Der Dachstuhl brannte fast völlig aus, den Rest bekam das Haus dann kurz später nach einer nochmaligen Brandstiftung, für die aber der Mann nicht in Frage kam. Feuer, Qualm und vor allem Löschwasser machten das Gebäude endgültig zur unbewohnbaren Ruine und es dämmerte mit seiner schlimmen Geschichte vor sich hin.

Zwei Jahre, so lassen die jetzigen Besitzer wissen, habe es allein gedauert, um die Besitzverhältnisse abzuklären und den Kauf in trockene Tücher zu bekommen. Als im November vergangenen Jahres der schrittweise Abbruch begann, der sich bis 2017 hinzog, begann in Altenburg ziemlich schnell wieder die Gerüchteküche zu brodeln: Parkplätze sollten dort entstehen oder gar eine Moschee, ging um. „Alles Märchen“, so der Besitzer. „Hier ist vorerst überhaupt nichts geplant. Wir wollten nur, dass dieser Schandfleck wegkommt.“

Von Jörg Wolf

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